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Startseite»Politik»Mutmaßlicher Drohnen-Saboteur soll Kontakt zu russischem GRU-Oberst haben
Politik

Mutmaßlicher Drohnen-Saboteur soll Kontakt zu russischem GRU-Oberst haben

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 15, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 15.09.2026 • 17:01 Uhr

Ermittler halten den Russen Oleg L. für einen der mutmaßlichen Drohnen-Saboteure von Leipzig. Recherchen von WDR, NDR und SZ zeigen, dass er seit Jahren enge Verbindungen zu einem berüchtigten Sabotage-Spezialisten in Moskau unterhalten soll.

Von Manuel Bewarder, Jörg Diehl, WDR/NDR, Florian Flade und Roman Lehberger, WDR

Ein Beschuldigter im Fall des versuchten Drohnen-Anschlags auf den Leipziger Flughafen steht nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung offenbar in Kontakt mit einem russischen Spezialisten für Sabotageaktionen. Das geht aus Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden und vertraulichen Dokumenten hervor.

Demnach soll der russisch-lettische Doppelstaatler und mutmaßliche Logistiker im Fall Leipzig, Oleg L., seit fast 20 Jahren mit Denis Smoljaninow bekannt sein. Smoljaninow ist inzwischen Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

Smoljaninow auf EU-Sanktionsliste

Im Oktober 2024 setzte die EU Smoljaninow auf ihre Sanktionsliste, unter anderem wegen des Verdachts, dass er Agenten für Sabotageaktionen in Europa rekrutiert. Er soll unter anderem in jene Operation eingebunden gewesen sein, bei der 2024 mehrere Brandsätze in Luftfracht versteckt wurden. Ein Paket entzündete sich während des Verladens am Leipziger Flughafen, kurz vor dem Start der Maschine.

Die Verbindung zwischen Oleg L., 54, und GRU-Offizier Smoljaninow lässt sich zum einen aus Dokumenten rekonstruieren, die der Londoner Rechercheplattform Dossier Center zugespielt wurden. Die Plattform wird von Kremlkritiker Michail Chodorkowskij finanziert und hat die Informationen mit WDR, NDR, und SZ geteilt.

Zudem kennen den Recherchen zufolge auch europäische Sicherheitsbehörden die Verbindung zwischen Oleg L. und Oberst Smoljaninow. Ihnen soll L. bereits lange vor dem Drohnenangriff als russischer Agent und sogenannter Reisekader bekannt gewesen sein, der geheime Aufträge Moskaus in Europa ausführt.

Mutmaßlicher Anleiter und Logistiker

Fahnder von Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft verdächtigen Oleg L. nun, im Fall Leipzig als Anleiter und Logistiker fungiert zu haben. Darauf sollen unter anderem Reisedaten von L. sowie die Fahrtstrecke eines Mietwagens hindeuten, den L. wenige Tage vor dem Anschlag in Deutschland nutzte.

Den Ermittlungen zufolge sollen die Beschuldigten einen Anschlag mit mindestens drei Sprengstoff-Drohnen auf ukrainische Transportmaschinen geplant haben. Eine der Drohnen-Bomben traf ein geparktes Flugzeug, explodierte aber nicht. Deutschland entging damit nur knapp einem verheerenden Anschlag.

Die Bundesregierung hat inzwischen Moskau offiziell für die Drohnen-Attacke verantwortlich gemacht. Die wohl engen Verbindungen von Oleg L. zum Militärgeheimdienst GRU sowie dessen persönliche Beziehung zu Oberst Smoljaninow sollen dabei nach Informationen von WDR, NDR und SZ eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Das russische Verteidigungsministerium ließ eine Anfrage zu den Vorwürfen gegen Oberst Smoljaninow und den mutmaßlichen Agenten Oleg L. unbeantwortet. Eine Beteiligung an dem Anschlagsversuch in Leipzig hat Russland zuletzt bestritten. Denis Smoljaninow und Oleg L. waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Verräterische E-Mails

Wie genau sich die beiden Männer kennenlernten, geht aus den Dokumenten, die dem Dossier Center vorliegen, nicht hervor. Sie deuten auf eine zunächst wohl geschäftliche Beziehung hin. Demnach vermittelte Geheimdienstler Smoljaninow im Juni 2007 offenbar bei finanziellen Streitigkeiten zwischen dem Unternehmen LLC Iva und einer weiteren russischen Firma. Oleg L. war damals Geschäftsführer von LLC Iva, einem großen Handelsunternehmen für medizinisch nutzbare, pflanzliche Rohstoffe und Gewürze.

Zwei Jahre später setzte sich GRU-Mann Smoljaninow den Dokumenten zufolge augenscheinlich dafür ein, dass die Firma von Oleg L. mit den russischen Streitkräften ins Geschäft kam. Smoljaninow bot L. demnach an, ihn mit lokalen Logistik-Experten der Armee zu vernetzen, die seine Produkte kaufen könnten. Ob die Vermittlungsversuche des Geheimdienstlers für L.s Firma Erfolg hatten, ist nicht bekannt.

Sieben Jahre später, im April 2016, ging es laut den Dokumenten um Oleg L.s Aufenthaltstitel in Russland. Offenbar hatte L. zu diesem Zeitpunkt nur die lettische Staatsbürgerschaft und erhoffte sich Unterstützung von Smoljaninow. Was daraus wurde, ist unklar. Einige Zeit später bekam L. den Recherchen zufolge jedoch einen russischen Pass.

Vom Geschäftsmann zum Agenten?

Zu möglichen Anschlagsplänen finden sich in den Dokumenten zu Oleg L. und Oberst Smoljaninow keine Informationen. Die Ermittler gehen nach Recherchen von WDR, NDR und SZ jedoch davon aus, dass sich die Beziehung von Oleg L. zum russischen Militärgeheimdienst von einer geschäftlichen zu einer Agententätigkeit entwickelte. Wie zuerst die Welt am Sonntag berichtete, soll L. nach seiner Einreise wenige Tage vor dem versuchten Drohnen-Anschlag auf den Leipziger Flughafen trotzdem nicht engmaschig überwacht worden sein.

Russische Grenzübertrittsdaten, die dem Dossier Center vorliegen, zeigen häufige Reisen von Oleg L. zwischen Russland und der EU. Den Daten zufolge pendelte L. allein zwischen Januar und August 2023 genau 13 Mal zwischen Russland und der EU-Außengrenze in Lettland. Im Juli 2023 hielt sich L. demnach zudem in der von Russland besetzten ukrainischen Stadt Mariupol auf. Von dort reiste er laut den Grenzinformationen auf die ebenfalls okkupierte Krim.

Unterstützung von mutmaßlichem „Low-Level-Agent“

Im Netz präsentiert sich Geschäftsmann L. als erfahrener Motorrad-Fahrer in Biker-Kluft. In der Vergangenheit nahm er laut Online-Berichten an Tausenden Kilometer langen Touren quer durch Russland teil.

Bei der Drohnen-Attacke in Leipzig soll Oleg L. den Ermittlungen zufolge mindestens von dem zweiten Beschuldigten Andrei K. unterstützt worden sein. Der Belarusse K., der den Recherchen zufolge auch einen russischen Pass besitzt, soll in einen weiteren Sabotagefall in Polen im Jahr 2024 verwickelt gewesen sein. Er gilt als sogenannter „Low-Level-Agent“.

Dabei handelt es sich um meist über das Internet angeworbene Personen, häufig mit krimineller Vergangenheit, die für wenig Geld im Auftrag russischer Geheimdienste Aufträge wie Brandanschläge oder andere Sabotageaktionen ausführen.

Dritter Tatverdächtiger identifiziert

Ins Visier im Fall Leipzig geriet der zweite Tatverdächtige, Andrei K,. aufgrund von DNA-Spuren, die die Polizei am Tatort sicherstellte. Zur Einreise in die EU nutzte K. offenbar ein bei russischen Agenten beliebtes Mittel: Ein Touristenvisum für den Schengen-Raum, ausgestellt Ende April von einer italienischen Auslandsvertretung in Minsk. Andrei K. war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen.

Inzwischen konnten die Ermittler nach Informationen von WDR, NDR und SZ einen dritten Tatverdächtigen identifizieren. Bei dem Mann soll es sich demnach um einen weiteren belarussischen Staatsangehörigen handeln. Womöglich gibt es noch weitere Beteiligte.

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