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Startseite»Politik»Pistorius in Washington: Lob und engere Verteidigungskooperation
Politik

Pistorius in Washington: Lob und engere Verteidigungskooperation

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.09.2026 • 07:42 Uhr

Trotz heftiger Kritik in der Vergangenheit sparten Verteidigungsminister Pistorius und sein US-Amtskollege Hegseth bei ihrem Treffen in Washington nicht mit Lob füreinander. Bei Rüstungsprojekten wollen sie enger zusammenarbeiten.

Ralf Borchard

Wer Verteidigungsminister Boris Pistorius nach dem Treffen mit seinem Amtskollegen Pete Hegseth zuhörte, konnte fast den Eindruck gewinnen, die beiden Minister seien beste Freunde geworden: „Das war ein sehr, sehr freundliches, ein sehr von Anerkennung und dem Willen für gute Zusammenarbeit geprägtes Gespräch“, betonte Pistorius.

Gab es da nicht zuletzt in vielen Punkten Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Berlin? Was den Iran-Krieg betrifft, Waffenlieferungen für die Ukraine, vor allem den notwendigen Druck auf Russland? Pistorius betonte mit Blick auf Moskau: „We are on the same page“ – also man habe die gleiche Perspektive. „Auch Pete Hegseth sieht die Bedrohung, die von Russland ausgeht“, so der SPD-Politiker.

Viel Anerkennung für Deutschland

Und die Rolle Deutschlands? Genügen den USA die aktuellen Rüstungsausgaben, der Grad der Verantwortung in der NATO? Auch hier herrsche Übereinstimmung, so Pistorius: „Ich habe kein kritisches Wort zu Deutschland gehört, überhaupt keins. Im Gegenteil: viel Anerkennung in den verschiedenen Bereichen und auch Dankbarkeit für die Rolle, die wir in Europa übernehmen.“

Tatsächlich hatte Hegseth zu Beginn des Treffens im Pentagon nicht mit Lob gespart. „Deutschland hat eine Führungsrolle übernommen.“ Man sehe große Fortschritte, die man vor der Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Amt nicht für möglich gehalten hätte.

Absichtserklärung für engere Zusammenarbeit

Konkretes Ergebnis des Treffens im Pentagon war eine Absichtserklärung für mehr deutsch-amerikanische Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten. Dies geschehe „zum beiderseitigen Vorteil“, wie Pistorius betonte. Deutschland habe freie Kapazitäten, qualifizierte Fachkräfte und entsprechendes Know-how.

„Klar ist, dass beide den Bedarf sehen, die Kapazitäten zu erhöhen, wechselseitig sich dabei zu unterstützen, wo jeweils die Stärken liegen.“ Der Minister schränkte allerdings ein: „Was daraus dann konkret in den jeweiligen Verträgen oder Absprachen wird, das bleibt jetzt abzuwarten. Die Arbeit beginnt jetzt in diesen Fragen.“

US-Verteidigungsministerium oder Kriegsministerium?

Die von Präsident Trump vorangetriebene Umbenennung des US-Verteidigungsministeriums in Kriegsministerium (Department of War) geht voran. Die gesetzliche Grundlage nahm im Repräsentantenhaus die erste Hürde, nun muss nur der Senat noch zustimmen. Bereits im Herbst 2025 verfügte Trump per Dekret die Umbenennung. Wer unmittelbar nach der Unterzeichnung des Dekrets den X-Account des Ministeriums und die Website aufrief, sah den neuen Namen.

Solange aber die offizielle Umbenennung per Gesetz noch ausstand, wurde in Nachrichtentexten auf tagesschau.de überwiegend die bisherige Bezeichnung Verteidigungsministerium oder Pentagon verwendet, oft verbunden mit dem Zusatz, dass sich das Ministerium selbst Kriegsministerium nennt. Bei der schriftlichen Einblendung des Titels in Fernsehbeiträgen der tagesschau kam die Bezeichnung zum Einsatz, die auch die jeweilige Institution benutzt, also Kriegsministerium bzw. Kriegsminister Hegseth.

Sobald das entsprechende Gesetz auch die zweite US-Kammer passiert hat, ist die Namensänderung offiziell – und Pete Hegseth damit Kriegsminister.
Der Name Kriegsministerium in den USA ist nicht neu. Er wurde auch bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet.

Deutschland will bald „Tomahawks“ kaufen

Pistorius erinnerte an schon bestehende gemeinsame Projekte: Im nordrhein-westfälischen Weeze werden Teile für den Kampfjet F-35 gebaut. Im bayerischen Schrobenhausen soll künftig Munition für das „Patriot“-Flugabwehrsystem produziert werden. Und die deutsche Seite hofft, dass es auch beim „Tomahawk“-Marschflugkörper zu einer Kooperation kommt. Verabredet ist grundsätzlich, dass Deutschland möglichst bald „Tomahawks“ aus den USA kauft, der genaue Zeitplan ist aber noch unklar.

Pistorius betonte: „Es ist bekannt, dass das Kaufverfahren aufwendig ist, aber die Weichen sind gestellt, das wurde uns heute noch einmal versichert.“

Deutlich weiter ist man beim Kauf der F-35-Tarnkappenjets, die mittelfristig die Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr ablösen sollen. Hier wird Pistorius noch während seiner USA-Reise das erste Exemplar offiziell in Empfang nehmen.

Engpässe bei US-Munition

Für Hegseth war es rund um das Treffen mit Pistorius ein schwieriger Tag. Erstmals hatte eine unabhängige Aufsichtsbehörde, die für sein Ministerium zuständig ist, offiziell eingeräumt, dass durch den Iran-Krieg erhebliche Waffen- und Munitionsengpässe entstanden sind. Dabei geht es auch um „Patriot“-Flugabwehrraketen und „Tomahawk“-Marschflugkörper. Bisher hatten Trump und Hegseth selbst vehement bestritten, dass die US-Munitionsvorräte durch den Iran-Krieg knapp geworden sind.

Zudem kündigte der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie an, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth einzuleiten, weil der Einsatz der US-Streitkräfte im Iran-Krieg ohne Zustimmung des Kongresses erfolgt sei. Zwar hat das Verfahren kaum Aussicht auf Erfolg, Massie ist als Kritiker von Trump und Hegseth bekannt.

Dennoch erinnert auch dieser Schritt daran: So sehr Pistorius und Hegseth ihre Gespräche als normales deutsch-amerikanisches Arbeitstreffen beschrieben. Es ist wenig normal in diesen Zeiten in Washington.

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Dr. Heinrich Krämer
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