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Startseite»Nachrichten»Bitteres Ende einer DFB-Karriere: Aus Oliver Baumann bricht die Wut endlich raus
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Bitteres Ende einer DFB-Karriere: Aus Oliver Baumann bricht die Wut endlich raus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 18, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Julian Nagelsmann nimmt Oliver Baumann bei der WM den Stammplatz weg, unter Jürgen Klopp bleibt der Torwart aus Hoffenheim gänzlich außen vor. Im RTL-Interview offenbart er nun, wie ätzend er das alles findet.

Ein schönes Ende in der Fußball-Nationalmannschaft wird es für Oliver Baumann nicht mehr geben. Mit seinen 36 Jahren gehört der Torwart der TSG Hoffenheim nicht zum ersten Kader des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp. Den Platz als Nummer eins bekommt vorerst Marc-André ter Stegen zurück. Dabei teilen sie, Baumann und ter Stegen, ein Schicksal: Wann immer ihnen die große DFB-Chance winkte, stand ihnen Manuel Neuer im Weg.

Ter Stegen kann dem Schicksal nun womöglich doch noch den Mittelfinger zeigen und endlich reüssieren. Wenn er denn fit bleibt. Für Baumann dagegen ist die Zeit im DFB-Trikot vorbei. Auch wenn Klopp ausdrücklich betont, dass für niemanden die Tür zu ist. Aber was müsste für die große Versöhnung des Keepers denn alles passieren? Eine Verletzung von ter Stegen und eine kollektive Formschwäche der jüngeren Nachfolger um Alexander Nübel, Jonas Urbig, Finn Dahmen und Noah Atubolu. Da wirkt beinahe ein nächstes Neuer-Comeback realistischer.

Vorzeitig im DFB-Team abtreten will Baumann aber nicht. „Es ist so ein bisschen so ein Umbruchthema. Ich fühle mich topfit, egal, wie alt ich bin. Ich kann nur sagen: Wenn er mich braucht, dann bin ich auch da – und wenn nicht, dann muss ich es akzeptieren“, sagte er später dem „Kicker“ in der Interviewzone. 

„Die Entscheidung gefällt mir nicht“

Baumann weiß seine Lage aber seriös zu bewerten. Und wohl auch deswegen gibt er die Rolle des Diplomaten auf, die er sich vor, während und auch nach der WM noch zugewiesen hatte. Nach der Hoffenheimer Europapokal-Blamage bei OFI Kreta wurde der Keeper sehr deutlich über die vergangenen Monate und die aktuelle Nicht-Berücksichtigung: „Die Entscheidung gefällt mir nicht, das ist klar“, sagte der 36-Jährige am Nitro-Mikrofon: „Sie schlagen einen anderen Weg ein. Jürgen hat so entschieden. Das muss ich akzeptieren.“

Klopp über ter Stegen: „Finde ihn außergewöhnlich“

Beim Stichwort „Akzeptanz“ bekam allerdings Klopps Vorgänger einen weitaus härteren Schlag als der neue Nationalcoach ab. „Das im Sommer tat deutlich mehr weh, wie das gelaufen ist – das war unfassbar“, bekannte Baumann und schob nach: „Auch nicht nur aus einer Richtung tatsächlich.“ Angesprochen musste sich natürlich Nagelsmann fühlen. Dessen Entscheidung, die Nummer eins unmittelbar vor dem Turnier zu degradieren und durch Neuer zu ersetzen, erregte die Fußball-Nation. Baumann hatte kaum Anlass für die Entscheidung geboten. Wen er – abgesehen vom ebenfalls nicht namentlich genannten Ex-Bundestrainer – noch meinte, sagte Baumann nicht. Für Neuer hatten sich in den Tagen vor der WM aber intern offenbar auch viele Bayern-Profis positioniert.

Der Torwart hat 13 Länderspiele für Deutschland absolviert, alle unter Nagelsmann. Das letzte war die WM-Generalprobe gegen Gastgeber USA in Chicago. Beim 2:1-Sieg hatte Baumann wenige Tage vor dem Start des Turniers eine starke Leistung gezeigt. Seine Degradierung und die Entscheidung für Neuer hatte Nagelsmann da aber schon beschlossen.

Aura, Aura, Aua

Neuer war eben Neuer. Wegen seiner Aura. Der Begriff wurde so sehr penetriert, dass er Top-Kandidat für das Fußball-Unwort des Jahres ist. Zumal die Aura nicht verhindern konnte, dass sich die Nationalmannschaft bei einer WM einmal mehr blamierte. Ohne Neuer diesen Knockout anzukreiden, viel falsch hatte er nicht gemacht. Aber die ihm zugeschriebene Übermenschlichkeit konnte der Titan auch nicht auf die Erde bringen.

Video poster

DFB-Überraschung lacht über Jürgen Klopp

Experten und Medien fielen über Nagelsmann mehr. Schon vor dem Turnier. Vor allem menschlich wurde ihm die Entscheidung krumm genommen. Es ging tatsächlich weniger um das Sportliche. Der DFB bemühte sich hernach mit verschiedenen Funktionsträgern die entgleisten Dinge einzufangen. Sie lobten Baumann in den Himmel, der war emotional jedoch eher auf dem Weg in die Hölle unterwegs. Das vielleicht größte sportliche Highlight seiner Karriere war ihm blitz-geraubt worden. Da waren die Schmeicheleinheiten nicht mal Balsam auf der Wunde.

Eine kaum zu fassende Demut

Baumann ertrug das öffentlich alles mit großer Demut. Es war kaum zu fassen, wie er sehr die Rolle akzeptierte. Zumindest nach außen hin. „Anfangs war es natürlich hart, das war nicht ganz cool von meinem Gefühl her“, sagte der Hoffenheimer Anfang Juni zu RTL/ntv. Dabei wolle er es belassen. „Aber mir war sofort klar, dass ich fürs Team da sein werde und mitgehe. Ich habe nicht einmal daran gedacht, nicht mitzufahren“, bekräftigte Baumann. „Es ist eine WM, ich möchte der Mannschaft helfen, es wird alles für den Erfolg getan.“ Auch sein Verhältnis zu Neuer sei „gut, nach wie vor“, betonte er. „Wir werden uns gut verstehen, das ist sauber.“

Video poster

Fünf Matthäus-Thesen zum ersten Klopp-Kader

Sein Klub Hoffenheim hatte auf die Degradierung vor der Weltmeisterschaft deutlich schärfer reagiert: „Am Ende ist es selbstverständlich die Entscheidung des Bundestrainers, wen er nominiert beziehungsweise aufstellt. Was die Kommunikation und den Stil betrifft, kann sich jeder selbst ein Urteil bilden.“

Auch in der Zeit zwischen Nagelsmanns Abgang und Klopps neuem Kader stimmte Baumann weiter versöhnliche Töne zum Ex-Bundestrainer an. Anfang August sagte er im Trainingslager der Hoffenheimer: „Es tat ihm schon leid, so wie alles am Ende gelaufen ist“, sagte Baumann und gelobte, er habe mit seinem ehemaligen Trainer „noch ein sehr gutes Verhältnis, das hatten wir auch schon damals. Da werden sportliche Entscheidungen akzeptiert und somit ist das Thema für mich abgehakt. Es ist sauber erledigt.“

Offenbar doch nicht ganz. Jetzt, wo die Karriere im DFB (höchstwahrscheinlich) vorbei ist, ist es auch vorbei mit der Diplomatie. Ein bitteres Ende, aber auch ein ehrliches.

Verwendete Quelle: ntv.de

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