Kommentar
Immer wieder hatte US-Präsident Trump seinen vermeintlichen Anspruch auf Grönland bekundet. Das ist nun vom Tisch: Ein Abkommen wurde geschlossen. Und das ist am Ende vor allem eine Meisterleistung skandinavischer Diplomatie.
Das Abkommen ist unterzeichnet, der Konflikt um Grönland vorerst gelöst. Für die Menschen in Grönland bedeutet das: Sie können nach Monaten der Unsicherheit und Angst vor Donald Trumps Annexionsfantasien aufatmen. Und der US-Präsident kann sich als „Dealmaker“ feiern lassen und damit brüsten, den Vereinigten Staaten weitreichende militärische Zugangsrechte in Grönland gesichert zu haben.
In diesem Sinne ist das Grönland-Abkommen eine Meisterleistung skandinavischer Diplomatie. Denn Dänen und Grönländer haben Trump einen alten Deal in neuer Verpackung verkauft – und dafür gesorgt, dass er nach Monaten immer neuer Drohungen ihre roten Linien anerkennt.
Grundlage ist Militärabkommen von 1951
Zu den wichtigsten Punkten des Abkommens: Der Vertrag erlaubt den Amerikanern, neue Militärstandorte in Grönland einzurichten. Die Grundlage dafür existierte allerdings im Wesentlichen schon. Ein bilaterales Militärabkommen von 1951 räumte den USA weitreichende Rechte in Grönland ein.
Neu sind erweiterte Bewegungsrechte für das US-Militär und konkrete Pläne für zusätzliche Standorte. Die Vereinigten Staaten wollen die vorhandene Pituffik-Space-Base ausbauen und zwei neue Militärbasen im Süden und Osten Grönlands aufbauen. Die Amerikaner werden sich also wieder stärker an der Verteidigung der Arktisinsel beteiligen.
Das ist ganz im Sinne Grönlands und Dänemarks. Denn angesichts des wachsenden russischen und chinesischen Interesses an der Arktis können sie die strategisch wichtige Insel allein kaum schützen. Schon im Januar hatten sie deshalb die NATO-Partner zur Zusammenarbeit eingeladen. Trump lehnte damals ab und wertete die Pläne sogar als Drohung.
Über Schicksal Grönlands wird in Nuuk und Kopenhagen entschieden
Und schließlich bekräftigen die Parteien in der Präambel die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs Dänemark – ebenso wie das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes. Dieser Punkt ist der entscheidende. Denn im Januar hatte Trump das Nein der Grönländer zu seinen Kaufangeboten und Drohungen ignoriert. Jetzt bestätigt er mit seiner Unterschrift: Über das Schicksal Grönlands wird in Nuuk und Kopenhagen entschieden und nicht in Washington.
Aus dänischer und grönländischer Sicht hätte es kaum besser laufen können. Trump bekommt eine schöne neue Verpackung für einen alten Deal und kann seinen Triumph feiern, auch weil das Abkommen bei Investitionen in kritische Infrastruktur in Grönland Sicherheitsbeschränkungen vorsieht. Mette Frederiksen und Jens Frederik Nielsen sind klug genug, ihm den Ruhm zu überlassen. Doch in Wahrheit gehen sie selbst als Sieger vom Platz.
Auch die NATO gewinnt, weil die USA künftig mehr Verantwortung für die Sicherheit in der Arktis übernehmen, die strategisch immer wichtiger wird. Und die Grönland-Krise hat gezeigt: Wer Trump geschlossen gegenübertritt und klare Grenzen setzt, muss sich von seinen Drohungen nicht einschüchtern lassen.
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