KURZMELDUNG · EUROPÄISCHE UNION; DEUTSCHLAND ZÄHLT LAUT WIRED ZU DEN AM STÄRKSTEN BETROFFENEN STAATEN. DIE SCHWEIZ WAR NICHT TEIL DER UNTERSUCHUNG; FÜR ÖSTERREICH WURDEN KEINE EINZELZAHLEN VERÖFFENTLICHT.
Auf manchen Websites stehen Porträt, Name und Biografie einer Politikerin direkt neben einem „Nudifier“, der Bilder künstlich entkleiden soll. Ein am 14. September 2026 veröffentlichter Policy Brief erfasst 147 Abgeordnete aus 22 EU-Staaten. Der Fund ist akut, weil solche Seiten bereits vor einem erzeugten Bild Schaden anrichten können.
Benjamin Shultz, Data Fellow bei Agora Digitale Transformation und Lead Researcher beim American Sunlight Project, prüfte zwischen 16. und 20. Juli die Namen von 5.872 Abgeordneten. Das waren 94,4 Prozent der untersuchten Grundgesamtheit aus den nationalen Parlamenten aller 27 EU-Staaten. Acht eigens konfigurierte Google-Suchen glichen die Namen mit 160 bekannten Domains ab. 36 Domains lieferten Treffer. Mitglieder des Europäischen Parlaments waren nicht Teil der Untersuchung.
Unter den 147 erfassten Personen waren 138 Frauen und neun Männer. Das bedeutet aber nicht, dass zu allen ein abrufbares sexualisiertes Deepfake vorlag. Mitgezählt wurden auch entfernte, weiterhin in Suchindizes sichtbare Fundstellen und sogenannte Gateway-Seiten. Dort stehen Namen, Fotos und Biografien neben Links zu Werkzeugen, die sexualisierte Bilder erzeugen sollen.
Im statistischen Modell waren Frauen 33-mal häufiger betroffen als Männer. Führungspositionen erhöhten das Risiko zusätzlich. Ein eigenes Deepfake-Gesetz ging nicht verlässlich mit weniger Fundstellen einher. WIRED zählt Deutschland zu den am stärksten betroffenen Staaten, nennt im Bericht aber keine konkrete Zahl für Deutschland oder Österreich. Die Schweiz war nicht Teil der Untersuchung.

Kurz vor der Veröffentlichung beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Manhattan acht untersuchte Domains. Dadurch verschwanden laut Bericht zunächst Fundstellen zu 19 Abgeordneten. Das zeigt, dass Eingriffe wirken können – zugleich können Angebote unter anderen Adressen wieder auftauchen. Der Policy Brief ist eine einmalige Bestandsaufnahme bekannter und über Google erfassbarer Seiten; ein Peer-Review ist nicht ausgewiesen.
Der Fall zeigt, warum das Löschen einzelner Bilder zu spät ansetzen kann. Verzeichnisse bündeln Porträts und persönliche Daten, Suchmaschinen halten alte Treffer auffindbar, Generatoren erzeugen neue Bilder und Zahlungs- oder Hostingdienste halten die Angebote am Laufen. Diese Infrastruktur kann Politikerinnen einschüchtern, delegitimieren und aus dem öffentlichen Leben drängen.
Quellen
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