KURZMELDUNG · DEUTSCHLAND UND ÖSTERREICH.
Auf dem Handy leuchtet eine +43-Nummer auf. Am anderen Ende wirbt ein angeblicher Anlageberater für eine Tradingplattform – die österreichische Nummer wirkt vertraut, beweist aber keinen heimischen Standort. Am 25. September 2026 meldeten deutsche Behörden 9.304 weitere Abschaltungen aus den vergangenen drei Monaten.
Seit Beginn der „Operation Herakles“ wurden 13.888 Rufnummern deaktiviert: 13.397 deutsche und 491 österreichische. Das österreichische Bundeskriminalamt ist in den Austausch zu den österreichischen Nummern eingebunden. Die Zahl steht für abgeschaltete Anschlüsse, nicht für ebenso viele Täter, Betrugsfälle oder Opfer.
Neu ist nicht nur die Menge. Polizei, Staatsanwaltschaft, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Bundesnetzagentur haben dauerhafte Verfahren eingerichtet, um große Mengen verdächtiger Nummern gemeinsam zu erkennen. Die Bundesnetzagentur verpflichtete beteiligte Telekommunikationsunternehmen zudem, Registrierungen zu verbessern und Vertriebspartner sowie Händler stärker zu kontrollieren.
Bereits 2025 hatten die Behörden mehr als 2.200 Domains und rund 3.500 Rufnummern aus derselben Infrastruktur entfernt. Die Ermittlungen richten sich gegen bislang unbekannte Täter wegen des Verdachts auf Verabredung zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug.
Die Abschaltungen stören den Betrieb der Callcenter, beenden den Betrug aber nicht. Wie schnell die Netzwerke auf neue Rufnummern, Messenger oder andere Anbieter ausweichen, ist offen.
Eine lokale Vorwahl ist im Anlagebetrug Teil der Kulisse. International arbeitende Callcenter können deutsche oder österreichische Nummern registrieren und damit Nähe vortäuschen, obwohl Betreiber und Infrastruktur ganz woanders sitzen.
Quellen
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