„Situation nicht unterschätzt“Reiche wehrt sich gegen Vorwürfe wegen zusätzlicher Gaseinkäufe
Bundeswirtschaftsministerin Reiche will trotz mäßig befüllter Gasspeicher keine zusätzlichen Einkäufe tätigen. Dann gibt sie doch noch eine Anweisung an den Staatskonzern Sefe. Das soll aber kein Hinweis darauf sein, die Situation unterschätzt zu haben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet trotz der vergleichsweise niedrigen Füllstände einem Vorabbericht zufolge keine Gasmangellage im Winter. „Die Versorgung auch für einen kalten Winter können wir als gesichert annehmen. Es gilt jetzt, Speicher so zu befüllen, dass auch längere Kälteperioden gut überstanden werden können“, sagte sie „Bild am Sonntag“.
Es gebe darüber hinaus an den Küsten große LNG-Einheiten. Über die bekomme Deutschland zusätzlich Mengen. Ihre jüngste Anweisung an Sefe, mehr Gas einzuspeisen sei demnach „keineswegs“ ein Hinweis, dass sie die Situation bisher unterschätzt habe.
„Wir haben einen geringeren Gasverbrauch in den letzten Jahren gesehen und müssen ein Optimum schaffen aus einer Ausgabe, die man finanzieren muss, und Preisen am Markt“, betonte Reiche laut Vorabbericht der Zeitung. Der Staat könne nicht jedes Risiko nehmen. „Aber die beiden Unternehmen, die im Bundesbesitz sind, Juniper und Sefe, kommen ihren Verpflichtungen nach, für gute Speicherstände zu sorgen und das werden sie in den nächsten Tagen auch tun“, so Reiche dem Blatt.
Speicher nur zu 59 Prozent gefüllt
Sefe teilte mit, die Anweisung erhalten zu haben, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern. Die Gasspeicher sind aktuell nur zu knapp 59 Prozent gefüllt. Das ist ungewöhnlich wenig und weit weniger als eigentlich vorgegeben. Ein Grund dafür sind die durch den Iran-Krieg gestiegenen Preise. Sie haben es im Sommer für private Anbieter unattraktiv gemacht, Gas für die Speicher einzukaufen. Die Speicherstände waren zudem Ende des vergangenen Winters sehr niedrig.
Die Bundesnetzagentur rechnet mit keinen Verwerfungen im Winter. „Die Versorgung ist gesichert“, sagte Behördenchef Klaus Müller. Deutschland habe seine Gas-Infrastruktur in den vergangenen Jahren umgebaut und sei nun robuster aufgestellt, nicht nur mit LNG-Flüssiggasimporten aus den USA. Ein normaler Winter beispielsweise mit kalten Januartagen könne auch mit den jetzigen Speicherständen abgedeckt werden. Zum Ende des Winters hin wären die Stände dann aber sehr niedrig.
