Marktbericht
Politische Unsicherheiten in Frankreich und Spanien haben den jüngsten Kursverfall des Euro beschleunigt. Dafür gibt es auch längerfristige Gründe.
Der Euro setzt seine Talfahrt auch in der neuen Woche fort. Zeitweise fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1161 Dollar. Damit kostete ein Euro erstmals seit Mai 2025 weniger als 1,12 Dollar.
Seit Mitte August hat die Gemeinschaftswährung damit mehr als fünf Cent verloren. Im Januar hatte der Eurokurs zeitweise noch über 1,20 Dollar gelegen.
Zinsumfeld begünstigt den Dollar
Für die Euro-Schwäche gibt es eine Reihe von Gründen. Die Talfahrt der vergangenen Wochen begründen Analysten vor allem mit den stark gestiegenen Renditen von US-Anleihen. Diese lenkten die Kapitalströme zuletzt wieder stärker in die Vereinigten Staaten. Auch Investoren aus Europa legen ihr Kapital also vermehrt in den USA an und tauschen ihre Euro in Dollar um.
Die Renditen steigen zwar auch in Europa, aber insgesamt zogen diese in den USA noch stärker an. So hat sich der Spread, also die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen US-Treasuries und deutschen Bundesanleihen, auf mittlerweile 1,8 Prozentpunkte ausgeweitet.
In beiden Währungsräumen sprechen derzeit auch die Leitzinserwartungen eher für den Dollar. Aktuell liegt das Leitzinsniveau mit derzeit 3,75 bis 4,00 Prozent in den USA ebenfalls deutlich höher als im Euroraum mit 2,5 Prozent. Sowohl von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) als auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) werden weitere Zinsschritte erwartet, um die hohe Inflation zu bekämpfen.
Dabei trauen Beobachter der Fed trotz des Drucks aus dem Weißen Haus nicht weniger Entschlossenheit als den Europäern zu. Heute hat beispielsweise EZB-Chefvolkswirt Philip Lane eine „maßvolle“ Reaktion der europäischen Notenbank auf den jüngsten Inflationsschub signalisiert. Die Märkte erwarten derzeit von beiden Notenbanken noch einen kleinen Zinsschritt in diesem Jahr.
Hohe Ölpreise schwächen den Euro
Aber auch die hohen Ölpreise schwächen den Euro gegenüber dem Dollar. Zum einen, weil Öl überwiegend in Dollar bezahlt wird und bei steigenden Preisen für den Rohstoff die Dollar-Nachfrage steigt, um Öl auf dem Weltmarkt einkaufen zu können.
Zum anderen gehören die Vereinigten Staaten zu den größten Ölproduzenten der Welt. Die höheren Einnahmen der Ölindustrie stärken die US-Wirtschaft und damit das Vertrauen in den Dollar.
Sorge um französische Schulden
Zu diesen längerfristigen Faktoren treten aber auch kurzfristige Belastungen für den Euro hinzu. Den heutigen Kursverlust führen Devisenanalysten vor allem auf die Sorge um die Staatsfinanzen in Frankreich zurück.
Zwar will die Regierung in Paris mit einem harten Sparkurs das Haushaltsdefizit von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung bis zum Wahljahr 2027 auf fünf Prozent senken. Die Aussichten sind jedoch ungewiss, da sich die Regierung von Premierminister Sebastien Lecornu auf keine eigene Mehrheit im Parlament stützen kann.
Auch die politische Unsicherheit in Spanien, wo Regierungschef Pedro Sánchez vorgezogene Neuwahlen ausgerufen hat, sowie die Ergebnisse der deutschen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin werden heute als Belastungen für den Euro angeführt.
In diesem Umfeld könnte die Euro-Schwäche noch weitergehen. Nach dem Fall unter die Marke von 1,12 Dollar ist nach Einschätzung der Experten der Helaba Raum für einen Rückgang bis auf 1,10 Dollar.
Gut für Exporteure, schlecht für Reisende
Während die Euro-Schwäche besonders Reisen in die USA erheblich verteuert, können sich europäische Unternehmen über bessere Exportaussichten freuen, weil sie für ihre Produkte im Ausland mehr Umsatz in ihrer eigenen Währung erzielen.
Gleichzeitig leidet aber das Vertrauen in den eigenen Wirtschaftsraum, was auch die europäischen Finanzmärkte unattraktiver macht.
DAX legt leicht zu
Die politischen Verwerfungen in Europa werden heute auch für den verhaltenen Wochenstart am Aktienmarkt verantwortlich gemacht. Bis zum Mittag kam der DAX kaum vom Fleck, gewinnt aber zur Stunde rund 0,3 Prozent auf 25.318 Punkte.

