Der 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga wird Manuel Neuer in bitterer Erinnerung bleiben: Der Weltmeister verschuldet das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Sein Team kann die Tabellenführung nicht zurückerobern. Bayer Leverkusen klettert dank eines Torspektakels.
FC Augsburg – FC Bayern München 2:2 (1:0)
Der FC Bayern hat nach einem haarsträubenden Patzer von Manuel Neuer und dem schnellsten Gegentor der Bundesliga-Geschichte einen Dämpfer hinnehmen müssen und den Sprung an die Spitze verpasst: Die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany kam zum Start in einen heißen Herbst im bayerisch-schwäbischen Derby beim FC Augsburg nicht über ein 2:2 (0:1) hinaus und konnte das Remis von Borussia Dortmund nicht ausnutzen.
Großen Anteil daran hatte Routinier Neuer: Der 40-Jährige verlor den Ball nach dem Anstoß durch Luis Díaz leichtfertig – Robin Fellhauer nahm das Geschenk nach 8,4 Sekunden dankend an. Schneller traf noch kein Spieler in der 63-jährigen Bundesliga-Geschichte. Neuer hob nach seinem eklatanten Fehler entschuldigend die Arme.
Ismael Saibari (55.) glich für den deutschen Rekordmeister gegen den gut in die Saison gestarteten FCA aus, ehe Rodrigo Ribeiro (64.) Augsburg erneut in Führung brachte. Immerhin rettete der eingewechselte Nationalspieler Nathaniel Brown (80.) noch das Remis für die Gäste, Serge Gnabry traf danach nur den Pfosten (83.). Damit verpassten die Münchner auch die Revanche für die einzige Liga-Niederlage in der vergangenen Saison.
Bereits am Dienstag (21 Uhr/Prime Video und im Liveticker auf ntv.de) haben die Bayern in der Champions League auf Kunstrasen bei Viking Stavanger die Chance auf Wiedergutmachung. Bis Anfang November warten danach noch weitere sieben Partien.
Bei den Bayern fehlte neben dem verletzten Jamal Musiala auch Konrad Laimer. Der Österreicher wurde Vater und reiste deshalb nicht mit nach Augsburg. Die Position von Musiala hinter Harry Kane nahm Saibari ein, Josip Stanisic verteidigte für Laimer auf der rechten Seite.
Doch die Münchner hatten sich noch nicht richtig sortiert, da stand es schon 0:1. Die Bayern schüttelten sich kurz und machten Druck. Die wütenden Angriffe führten aber erst einmal nicht zum Erfolg. Torjäger Harry Kane, Michael Olise, Díaz, Saibari oder Alphonso Davies verfehlten bei ihren Versuchen das FCA-Tor oder wurden von der leidenschaftlich verteidigenden Augsburger Defensive abgeblockt. So hatten die Bayern sogar Glück, dass Juma Bah bei einer der wenigen FCA-Offensivaktionen nach einer Ecke völlig frei das 2:0 verpasste (35.).
Nach der Pause setzten die Bayern ihren Sturmlauf fort. Díaz traf vermeintlich nach Fehler von Finn Dahmen. Nach VAR-Überprüfung wurde der Treffer wegen einer Abseitsposition aber zurückgenommen. Saibaris Tor nur wenig später nach Zuspiel von Kane zählte dann aber. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Bei einem Konter konnte Neuer einen Schuss von Calvin Brackelmann nur seitlich abwehren, Ribeiro staubte ab. Die Bayern versuchten nun alles. Kane bereitete auch den Treffer von Brown vor.
1.FSV Mainz 05 – Bayer 04 Leverkusen 3:4 (2:2)
Dank eines Blitzstarts und viel Offensivpower hat Bayer Leverkusen den ersten Auswärtssieg der Saison eingefahren. Beim FSV Mainz 05 behielt die Werkself in einem wilden Spiel mit 4:3 (2:2) die Oberhand. Trotz erneuter Schwierigkeiten spielt Bayer mit dem neuen Trainer Carles Martínez früh um die Champions-League-Plätze, ausgerechnet Robert Andrich brachte das Team früh auf Kurs.
Nach einem Doppelschlag durch Andrichs strammen Volleyschuss (5.) und Patrik Schick (9.) wackelte Leverkusen zunächst und ließ die Mainzer durch Anthony Cacis Treffer (33., 42.) wieder ins Spiel kommen. In der weiter abwechslungsreichen zweiten Hälfte brachte Jarell Quansah (55.) Bayer per Kopf zurück auf Siegkurs, Moussa Diaby (65.) erhöhte sehenswert. Der Anschluss durch Benedict Hollerbach (90.+2) kam zu spät für den FSV. Mit zehn Punkten stellte Leverkusen den Anschluss zur Spitze her, Mainz steht weiter bei sieben Zählern.
Martínez setzte erstmals in dieser Saison in der Liga von Beginn an auf Andrich, der ehemalige Nationalspieler hatte zuletzt angekündigt, sich „aufdrängen“ zu wollen. Zu Saisonbeginn hatte er seinen Stammplatz und die Kapitänsbinde verloren. Bei Mainz feierte der zuvor verletzte Neuzugang Eric Martel sein Pflichtspieldebüt, er ersetzte in der Startelf im Vergleich zum Sieg vor der Länderspielpause in Mönchengladbach (4:3) Jae-Sung Lee.
Nach der dreiwöchigen Unterbrechung übernahmen die Leverkusener gleich das Kommando – und ausgerechnet Andrich eröffnete ein mitreißendes Spiel. Nach einer kurzen Kopfballabwehr von Phillipp Mwene traf der Mittelfeldspieler den Ball aus 20 Metern per Direktabnahme. Und es ging gleich weiter: Schick blockte Kacper Potulski nach einem Steilpass und hob den Ball am abermals machtlosen Alexander Schwolow vorbei ins Tor.
Die Mainzer wirkten überfordert, Leverkusen drückte aufs Gaspedal: Kapitän Edmond Tapsoba (14.) vergab die Chance auf ein frühes 3:0. Der Mainzer Stürmer Phillip Tietz hatte etwas später Glück, dass er Miguel Gutiérrez bei einem harten Einsteigen nicht voll traf und mit Gelb davon kam.
Wie aufgeweckt wirkten die Mainzer von der Aktion, sie standen nun besser und ergriffen in der Offensive das Ruder. Folgerichtig verkürzte Caci nach einer Ecke, Andrich hatte zuvor noch den ersten Versuch von Fabio Gruber vor der Linie geblockt. Noch vor der Pause spielte Amiri Caci auf der rechten Seite frei, der Franzose traf erneut.
Mainz drückte weiter, Amiri (49.) schoss knapp vorbei. Stattdessen schlug Leverkusen durch Quansah zu, im zweiten Anlauf erzielte er den glücklichen Führungstreffer. Schick hatte den Ball zuvor an die Hand bekommen, nach VAR-Eingriff blieb der Treffer aber bestehen. Diabys traumhafter Schlenzer unter die Latte bescherte den in der Schlussphase wieder offensiv ganz starken Gästen einen komfortablen Vorsprung. Dennoch wurde es noch einmal spannend.
Union Berlin – SV Elversberg 1:0 (0:0)
Die Durststrecke beendet, das Überraschungsteam bezwungen: Union Berlin hat nach dem schlechtesten Start seiner Bundesliga-Geschichte den ersehnten ersten Saisonsieg gefeiert. Gegen den Aufsteiger SV Elversberg gewann die Mannschaft von Trainer Mauro Lustrinelli mit 1:0 (0:0). Nach fünf Spieltagen stehen die Köpenicker nun bei vier Punkten, der Anschluss an die Konkurrenz ist wiederhergestellt.
Der eingewechselte Livan Burcu (81.) traf für die Unioner, die zuvor drei Niederlagen in Folge kassiert hatten – zuletzt vor der Länderspielpause ein 0:7 beim Meister Bayern München. Der anfängliche Höhenflug der Elversberger, die mit zwei Siegen gestartet waren, ist dagegen beendet. Aus den vergangenen drei Spielen holte das Team um Felix Keidel, der von Bundestrainer Jürgen Klopp für die deutsche Nationalmannschaft nominiert, dort jedoch nicht eingesetzt wurde, nur einen Punkt.
Im mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Stadion An der Alten Försterei agierten beide Teams zu Beginn mit Tempo, doch Union war gefährlicher. Mittelstürmer Tim Skarke (15.) prüfte Elversbergs Torwart Nicolas Kristof von der Strafraumgrenze. Elf Minuten danach lenkte der Österreicher einen Freistoß von Andras Schäfer aus knapp 30 Metern über die Latte. Elversberg versuchte es oft über die Flügel, leistete sich jedoch zu viele Ungenauigkeiten. Erst in der Nachspielzeit zwang U21-Nationalspieler Noah Darvich (45.+2) Unions Keeper Frederik Rönnow aus spitzem Winkel zu einer Parade.
Hamann geht mit zwei BVB-Profis hart ins Gericht
Auch nach der Pause kamen die Elversberger trotz aller Bemühungen zunächst kaum durch. Stattdessen mussten auf der anderen Seite Kristof und Kapitän Lukas Pinckert bei einer Doppelchance gegen Woo-yeong Jeong und Unions Neuzugang Kastriot Imeri (55.) retten. Obwohl Union in dieser Phase durchaus Druck machte, investierten nun auch die Gäste mehr. So hob Noel Futkeu (65.) den Ball im Strafraum bereits über den herausgeeilten Rönnow, wurde vor dem entscheidenden Abschluss jedoch abgedrängt. Fünf Minuten später traf der eingewechselte Maurice Krattenmacher den Außenpfosten.
SC Paderborn – VfB Stuttgart 0:2 (0:1)
Der VfB Stuttgart hat die erste größere Ergebniskrise der Ära Sebastian Hoeneß abgewendet. Zum Restart fuhren die Schwaben ein erkämpftes 2:0 (1:0) beim SC Paderborn ein und überholten mit dem ersten Auswärtserfolg der Saison den Aufsteiger.
Jeff Chabot (25.) stellte die Weichen für die engagierte Hoeneß-Elf per Kopf auf Sieg. Chris Führich (83.) tütete den Sieg schließlich ein. Paderborn spielte derweil gut, agierte aber insgesamt vor dem gegnerischen Tor mit SCP-Aufstiegsheld und Bundesliga-Debütant Dennis Seimen zu harmlos.
Nach einem knackigen Auftaktprogramm, in dem der VfB unter anderem Bayern München, Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim unterlegen war, keimte im Stuttgarter Umfeld erste Unruhe auf. Hinsichtlich des anstehenden Auswärtsspielblocks beim SCP, Slovan Bratislava in der Champions League und dem Hamburger SV wollte Hoeneß davon jedoch nichts wissen und sich mehr „mit der spielerischen Entwicklung zu beschäftigen“.
Nicht nur für Seimen, auch für Nationalspieler Führich war das erste der drei Gastspiele eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte, bei der Hoeneß erstmals seit der Ankunft Grischa Prömels Ex-Kapitän Atakan Karazor neben Angelo Stiller im Zentrum aufbot. Der VfB präsentierte sich gefällig im Aufbau und griffig im Gegenpressing. Deniz Undavs erste Annäherung lenkte Torhüter Nahuel Noll über die Latte (5.).
Bis zur 22. Minute ging beiden Teams allerdings die Zielstrebigkeit ab: Jamie Leweling brach nach einem Stuttgarter Umschaltmoment auf dem Flügel durch, entschied sich jedoch für den Abschluss, anstatt auf den einschussbereiten Führich abzulegen.
Von der Großchance beflügelt hatte Stuttgart nun Oberwasser: Aus dem Halbraum fand Maximilian Mittelstädt Chabot am langen Pfosten, der über Noll hinweg einnickte. Josha Vagnoman verpasste es, kurz darauf zu erhöhen und setzte einen Abpraller an den Pfosten (29.).
Es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, Seimen entschärfte erst gegen Santiago Castaneda (32.) und war dann zur Stelle, als Raphael Obermair (41.) Vagnoman stehen ließ und aus spitzem Winkel abschloss.
Das Bild vor der Pause verfestigte sich mit Wiederbeginn. Paderborn hätte den Ausgleich inzwischen verdient gehabt, während dem VfB die Sicherheit im Spiel nun abging und offensiv kaum noch stattfand. Doch Laurin Curdas Flanke köpfte Marvin Pieringer über das Tor (59.), während Rayan Philippe nach chaotischem Durcheinander im Strafraum Stiller auf der Linie anschoss (81.). Dann lief den Hausherren in der Folge die Zeit davon – und Führich schlug zu.
TSG Hoffenheim – Hamburger SV 2:3 (1:1)
Der Hamburger SV hat dank eines Last-Minute-Treffers einen perfekten Restart nach der XXL-Länderspielpause hingelegt. Die Hanseaten gewannen in einem Spiel voller Wendungen 3:2 (1:1) beim Europa-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim und feierten damit den zweiten Sieg in Folge.
Yussuf Poulsen (12.), Terem Moffi (83.) und Miro Muheim (90.+4) trafen für den HSV, der nach dem Fehlstart mit drei Niederlagen nacheinander nun sechs Punkte auf dem Konto hat. Zudem endete die Negativserie (drei Pleiten in Folge) gegen die TSG. Auf der anderen Seite hat sich die Krise der Hoffenheimer verschärft. Daran änderten auch das HSV-Eigentor von Sebastiaan Bornauw (45.+6) und der Treffer von Bambasé Conté (53.) nichts. Der Hoffenheimer Bernardo sah wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte (65.).
„Der HSV wird so auftreten, dass wir eine Chance haben, zu bestehen“, sagte Hamburgs Trainer Merlin Polzin kurz vor dem Anpfiff bei Sky: „Es wird ein Mix aus Vielem sein – am besten so, dass wir am Ende erfolgreich sein werden.“
Die 25.929 Zuschauer in Sinsheim sahen in den ersten Minuten eine zerfahrene Partie. Beiden Teams fehlte nach der dreiwöchigen Liga-Unterbrechung der Rhythmus. Die Führung der Hamburger, die ohne Zakaria El Ouahdi, Patson Daka und Albert Grönbaek auskommen mussten, fiel mehr oder weniger aus dem Nichts. Nach einem Freistoß traf Nicolas Capaldo den Pfosten, Poulsen staubte ab.
Nach dem Treffer nahm die Begegnung Fahrt auf. Die Gastgeber drängten auf den Ausgleich. Der HSV stand gut in der Abwehr und lauerte auf Konterchancen. Auch nach einer halben Stunde überzeugten die Hamburger mit einer soliden Vorstellung, die Führung ging in Ordnung.
In der Schlussphase der ersten Hälfte ging es härter zur Sache, Schiedsrichter Harm Osmers (Hannover) verlor etwas den Überblick. Der Hamburger Nicolai Remberg musste verletzt vom Platz (41.), für ihn kam Miro Muheim.
Nach dem Remberg-Aus verlor der HSV die Ordnung, die TSG erhöhte den Druck. Der vermeintliche Ausgleich durch Conté (45.+1) wurde aufgrund eines vorherigen Foulspiel nach Videobeweis zurecht nicht anerkannt. Durch das Eigentor von Bornauw kamen die Hoffenheimer dennoch auf die Anzeigetafel.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs blieben die Gastgeber auf dem Gaspedal. Conté traf nach einer starken Einzelleistung. Nach dem Platzverweis für Bernardo keimte neue Hoffnung beim HSV auf. Zunächst wurde der vermeintliche Ausgleich von Otto Stange (80.) nach Videobeweis zurückgenommen, der Treffer des eingewechselten Moffi zählte kurz darauf allerdings. Muheim machte die Aufholjagd perfekt – und sorgte für Ekstase bei den HSV-Fans.
Verwendete Quellen: ntv.de, ter/sid
