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Folgen der Gesundheitsreform: Frauenärzte warnen: Millionen Termine könnten wegfallen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 10, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Folgen der GesundheitsreformFrauenärzte warnen: Millionen Termine könnten wegfallen

10.10.2026, 17:55 Uhr Von Caroline Amme
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung empfiehlt, Präventionstermine in der gynäkologischen Praxis für das kommende Jahr bereits jetzt zu vereinbaren. (Foto: IMAGO/ingimage)

Mit der Gesundheitsreform wird in Frauenarztpraxen gespart. Schwangere könnten schwieriger Termine beim Gynäkologen bekommen, Termine für die Krebsvorsorge rar werden. Frauenarzt Markus Haist warnt vor Engpässen. Der GKV-Spitzenverband widerspricht.

Der Vorsorgetermin in der Frauenarztpraxis ist selbstverständlich. Schon jetzt ist es nicht leicht, einen Termin für die Routine-Untersuchung zu bekommen. Und das wird höchstwahrscheinlich in Zukunft noch schwieriger. Hintergrund ist die Gesundheitsreform: das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Mit diesem Sparpaket will die Bundesregierung die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen bremsen und die Beiträge stabilisieren.

Das bedeutet für Arztpraxen: Sie bekommen weniger Geld. Im nächsten Jahr sollen in der ambulanten Versorgung 2,7 Milliarden Euro eingespart werden. Das seien umgerechnet 46 Millionen Termine, die gestrichen werden, sagt Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Ab 2030 soll der Sparbetrag auf rund fünf Milliarden jährlich steigen. Für jede Frauenarztpraxis bedeutet das 2027 knapp 8000 Euro weniger, hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ausgerechnet.

Die Folge: Pro Jahr könnten deutschlandweit bis zu 3,5 Millionen kurzfristige Termine bei Frauenärztinnen und Frauenärzten wegfallen, warnt der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF). Der wirtschaftliche Druck werde sich auf die Praxen und auf die Versorgungskapazitäten auswirken, sagt BVF-Präsident Markus Haist im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“. „Es kann längere Wartezeiten und weniger Spielraum bei der Aufnahme neuer, zusätzlicher Patientinnen geben.“ Der tatsächliche Effekt lässt sich heute aber noch nicht konkret beziffern, stellt er klar.

Präventive Behandlungen gedeckelt

Bisher haben Frauenärzte bestimmte Behandlungen extra und zu 100 Prozent bezahlt bekommen. Künftig sind sie gedeckelt. Das trifft vor allem die Krebs-Früherkennungsuntersuchungen für Frauen, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen von Schwangeren, aber auch Impftermine oder ambulante Operationen.

Diese präventiven Behandlungen sollen künftig nicht mehr separat berechnet werden, sondern sie fallen mit in das gesamte Praxisbudget. Aus diesem Topf werden alle Behandlungen bezahlt. Ist der Topf am Quartalsende leer, können die Praxen die präventiven Untersuchungen nicht mehr bei den Krankenkassen abrechnen – im schlimmsten Fall also keine Kassenpatienten mehr behandeln.

„Im gesamten Topf ist etwas mehr Geld drin. Aber damit müssen alle Leistungen bezahlt werden, die früher außerhalb des Topfes waren. Das heißt, wir wissen gar nicht, wie viel Geld wir letztendlich zur Verfügung haben“, erläutert Haist im Podcast. Bisher hätten die Praxen jede Schwangere und jede Früherkennungsuntersuchung aufnehmen können. „Jetzt müssen sie schauen, wie groß ihr verfügbares Volumen ist.“

Die Gynäkologinnen und Gynäkologen haben ab nächstem Jahr ein begrenztes Budget. Sie dürfen nur eine bestimmte Zahl an Patientinnen versorgen – maximal so viele, wie sie 2025 hatten, sagt Haist. Alles darüber hinaus bekommen sie nicht bezahlt.

Praxen müssen bei Terminen priorisieren

Deshalb wird der Gynäkologe in seiner Frauenarztpraxis in Pforzheim in Zukunft strenger planen, um das Budget nicht zu überschreiten. Als selbstständiger Unternehmer müsse er Miete, Personalkosten und Versicherung zahlen. Konkret heißt das: Die Patientinnen-Termine liegen in den kommenden Monaten nicht mehr so dicht hintereinander, damit Haist und seine Kollegin noch Zeit für dringende Fälle und Notfälle haben. Und die Praxis werde priorisieren: Patientinnen mit weniger dringlichen Anliegen werden dann aber nicht mehr so leicht einen Termin machen können.

Schwangere und onkologische Patientinnen wird Haist nicht abweisen, „die werden immer einen Termin bekommen, die muss man versorgen. Ich muss aber Patientinnen keine Termine geben, die Dinge das dritte, vierte oder fünfte Mal abgeklärt oder überprüft haben wollen. Das beansprucht die Zeitressourcen der Praxen. Wir werden auch stark darauf achten, dass Patientinnen, die bereits in frauenärztlicher Betreuung sind, nicht mehr ganz so leicht die Praxen wechseln können.“

Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte hat in einer Petition an den Bundestag gefordert, die Gesundheitsreform zu ändern. Die ambulante frauenärztliche Versorgung müsse weiterhin abgesichert sein, heißt es. Patientinnen müssten auch in Zukunft ausreichend und verlässlich Termine zur Krebsfrüherkennung, Schwangerenvorsorge und zur Abklärung gynäkologischer Beschwerden bekommen.

GKV-Spitzenverband: Patienten werden „ohne Not verunsichert“

Der GKV-Spitzenverband – der Verband der Krankenkassen in Deutschland – widerspricht: Die bisherige Vergütung für die Schwangerschaftsvorsorge werde nicht gestrichen, für Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen werde 2027 nicht weniger Geld zur Verfügung stehen, berichtet die Tagesschau.

Auf ntv.de-Anfrage hat der GKV-Spitzenverband nicht reagiert. Im MDR spricht GKV-Sprecher Florian Lanz von „Lobbypolitik“. Immer wieder würden Organisationen der Ärzteschaft „so tun, als ob den Versicherten, also den Patientinnen und Patienten, etwas weggenommen werden würde.“ Mit dem Gesetz solle die Versorgung auf einem qualitativ hochwertigen Niveau erhalten und langfristig bezahlbar bleiben, so Lanz. „Ärzte bekommen auch weiterhin Honorarsteigerungen, aber nicht mehr so krass wie in der Vergangenheit. Wer hier anderes behauptet und damit Stimmung macht, der verunsichert ohne Not die Patientinnen und Patienten.“

Auch Kinder- und Hausärzte hatten vor drastischen Einschnitten bei der Vorsorge durch die Gesundheitsreform gewarnt. Wichtige Untersuchungen für Kinder seien gefährdet, wie Impfungen und U-Untersuchungen. Diese Kürzungen in den Kinder- und Hausarztpraxen sind nun anscheinend wieder vom Tisch, berichtet die „Berliner Morgenpost“.

Das hoffen nun auch die Frauenärzte und Frauenärztinnen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung will versuchen, die Früherkennung von der Deckelung auszunehmen.

Quelle: ntv.de

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