Die Regale in vielen Supermärkten in Süditalien sind leer – auch der Pasta-Nachschub stockt. Grund sind Proteste von Lkw-Fahrern und Landwirten aufgrund hoher Dieselpreise. Die Regierung sagte Hilfe zu – aber reicht das?
Dort, wo normalerweise Obst und Gemüse liegen, herrscht jetzt gähnende Leere. Auch die Kühlschränke mit dem frischen Fleisch sind komplett leer, selbst bei der Tiefkühlware sind die Lücken groß. Und dieser Supermarkt in Palermo auf Sizilien ist keine Ausnahme – in mehreren Städten in Süditalien fehlt es in vielen Supermärkten an vielem, vor allem an frischen Lebensmitteln.
Ein Supermarktkunde aus Kampanien erzählt, was er alles hätte kaufen wollen: Aufschnitt, Hühnerbrust, Fleisch, Thunfisch. Stattdessen geht er nur mit Bohnen, Erbsen und Pasta nach Hause. Wobei auch der Pasta-Nachschub ins Stocken kommt: Der erste Hersteller hat schon die Produktion ausgesetzt, in Italien, wo die Nudeln Nationalgericht sind, ist das ein Alarmzeichen.
Protest gegen hohe Dieselpreise
Der Hintergrund dafür: keine neue Pandemie, sondern Proteste, diesmal nicht gewalttätig wie am Wochenende in Mailand, sondern friedlich. Allerdings umso wirksamer. Seit Tagen stehen Lastwagen in mehreren Regionen in Süditalien still, blockieren Autobahnauffahrten – anstatt Waren in die Supermärkte, Rohmaterial an Firmen oder Benzin an die Tankstellen zu liefern.
Der Grund für den Streik und die Proteste sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten im Allgemeinen und insbesondere die hohen Dieselpreise. Das sagt auch Lastwagenfahrer Angelo De Renzo, der sich an den Protesten in Kalabrien beteiligt: „Leider ist Tanken mittlerweile mit Angst besetzt. Ich verbrauche so viele Liter, dass ich Angst habe auf den Preis zu schauen – egal, ob Diesel oder Benzin. Wir sind wirklich in heller Aufregung, wir wissen nicht mehr, was wir machen sollen.“
In Palermo blockieren Lkw-Fahrer die Straßen aus Protest.
Regierung sichert Unterstützung zu
Das Thema Benzin und Diesel ist besonders sensibel, weil mehrere große Energiekonzerne in Italien in einer Art freiwilligen Selbstverpflichtung einen Preisdeckel für Benzin und Diesel an ihren Tankstellen eingeführt haben. Die Transportunternehmen mit ihren Lkw profitieren aber kaum davon, sie tanken meist zu deutlich höheren Preisen. Daher fordern sie Maßnahmen der Regierung, man bräuchte schnelle Hilfe, um nicht pleitezugehen, heißt es immer wieder.
Italiens Regierung hat reagiert und ein schon geplantes Treffen mit dem Transportgewerbe vorverlegt. Der stellvertretende Transportminister Edoardo Rixi sagte nach dem Treffen, man wolle die Transportbranche unterstützen, schon eingeplante staatliche Hilfen schneller frei geben und neue Mittel bereitstellen. Ziel sei es, gesetzlich zu regeln, dass die Frachtkosten automatisch steigen, wenn der Dieselpreis steigt – die Belastung würde dann nicht mehr allein bei den Transporteuren liegen.
„Wir wissen, dass wir in einer schwierigen Lage sind, aber die italienische Regierung hat die Staatsfinanzen fest im Griff und versucht, die Ressourcen so zu verteilen, dass man Situationen vermeidet, wie es sie in anderen europäischen Ländern gegeben hat. Und die dann zur Blockade der Logistikkette und zu systemischen Krisen führen“, sagte Rixi.
Italien droht der Stillstand
Aber reicht das aus? Sergio Lo Monte vom Confartigianato Trasporti, dem italienischen Verband des Handwerks und der Transportlogistik, will sich jetzt erst einmal mit den Verbandsmitgliedern beraten. Er betonte noch einmal: Es brauche schnelle Hilfe.
„Wenn dieser Weg uns zufrieden stellt, wenn diese Mittel rechtzeitig eintreffen, kann der Konflikt mit der Regierung sicherlich gelöst werden“, so Lo Monte. „Andernfalls werden auch wir gezwungen sein, Schutzmaßnahmen für unsere Unternehmen zu ergreifen.“
Und das könnte bedeuten: ein tagelanger, landesweiter Streik im Transportgewerbe. Italien wäre damit faktisch lahmgelegt.

