„Mobbing der übelsten Sorte“TV-Skandal erschüttert Dänemark
Für eine dänische Fernsehserie wird ein Schauspieler monatelang zum Narren gehalten. Nun regt sich daran massive öffentliche Kritik in dem Land. Nicht das erste Mal, dass die TV-Macher beim deutschen Nachbarn moralische Grenzen ausloten.
Die Dänen sind für ihre provokanten Fernsehformate bekannt. Mit einer neuen sechsteiligen Serie ist der öffentliche Sender TV2 jetzt aber zu weit gegangen, wie viele meinen: Darin wurde dem Schauspieler und Komiker Rasmus Wallbridge vier Monate lang vorgegaukelt, er könne seinen großen Traum von einem eigenen Spielfilm endlich in die Tat umsetzen.
Rund 150 Freunde, Bekannte, Kollegen und Prominente machten bei dem Streich mit. Sie belogen Wallbridge dafür nicht nur, sondern filmten ihn teilweise mit versteckter Kamera, angestiftet unter anderem von einem engen Freund und Geschäftspartner. Daraus entstand die Fernsehserie „Alle elsker Rasmus“ („Alle lieben Rasmus“), die von TV2 ausgestrahlt wurde. Erst in der letzten Folge erfährt Wallbridge, dass alles nur ein Streich ist – und sein Traum platzt.
Nach heftiger Kritik hat TV2 die Serie nun aus dem Internet entfernt und sich bei dem Komiker entschuldigt. Doch der Shitstorm ist damit noch lange nicht vorbeigezogen. Zwar hat der Sender eine interne Untersuchung angekündigt – doch in Dänemark werden die Rufe nach einer unabhängigen Prüfung und personellen Konsequenzen immer lauter.
Regierungschefin schaltet sich ein
„Jeder kann sehen, dass es sich hier um Mobbing der übelsten Sorte handelt“, schrieb der Chefredakteur der dänischen Zeitung „Politiken“. Kritiker nennen die Serie „bösartig“ und sprechen von „psychischer Gewalt“. Kulturministerin Zenia Stampe sagte dem Fernsehsender DR, TV2 habe auf eine „völlig eklatante und unethische Weise“ gehandelt und Wallbridge über Monate zum Narren gehalten.
Sogar die dänische Regierungschefin meldete sich zu Wort: „Ich hoffe, dass dieser ganze ziemlich unglückliche Fall bei allen zu einem stärkeren Bewusstsein dafür führt, was man mit welcher moralischen und ethischen Verantwortung veröffentlichen möchte“, sagte Mette Frederiksen.
Der Betroffene selbst äußerte sich zunächst nicht, brach am Wochenende aber auf Instagram sein Schweigen: „Ich sehe, was über mich gesagt und mir geschrieben wird.“ Er sei jedoch gerade nicht an einem Punkt, an dem er sich an der Diskussion beteiligen könne. An den Sender TV2 hat er jedoch eine klare Botschaft – für den Fall, dass dieser in Zukunft ähnliche Formate plant: „Ich will sie wirklich dazu auffordern, das sein zu lassen.“
Der längste Penis der Welt
Der dänische Fernsehsender TV2 fällt nicht zum ersten Mal mit einem umstrittenen Format auf. In der Doku „Der schwarze Schwan“ hatten Journalisten vor einigen Jahren ebenfalls mit versteckten Kameras und mithilfe einer Maulwürfin Verbindungen zwischen der dänischen Unterwelt und der Elite aufgedeckt. Das Programm hatte vor allem wegen der verdeckten Aufnahmen und der Rolle der Informantin Fragen dazu aufgeworfen, wie weit Journalisten bei der Beschaffung von Informationen gehen dürfen.
Insgesamt ist das öffentliche Fernsehen in Dänemark experimentierfreudig. Aufsehen erregte vor einigen Jahren bei DR etwa eine Zeichentrickserie für Kinder, in der ein Mann mit dem längsten Penis der Welt die Hauptrolle spielte. Der Sender TV2 interviewt in dem Programm „Das letzte Wort“ Prominente vor ihrem Tod und strahlt die Gespräche aus, sobald die Person verstorben ist.
