Marktbericht
Der überraschende Erfolg der Demokraten gibt dem DAX Rückenwind. Gleichzeitig geraten Tech-Aktien unter Druck: Anleger befürchten, dass die Demokraten den KI-Sektor stärker regulieren könnten.
Die Ergebnisse der Kongresswahlen in den USA dominieren weiterhin die Aktienmärkte. Nachdem der deutsche Leitindex schon stärker mit einem Plus von etwa einem halben Prozent in den Tag startete, stieg der DAX im Tagesverlauf auf ein Zwei-Monats-Hoch.
Zwar war an der Börse ein Sieg der Demokraten für das Repräsentantenhaus erwartet worden, für den Senat waren die Prognosen aber nicht so eindeutig. Nun haben die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments zurückerobert, was für eine große Überraschung an den Märkten geführt hat.
Was sind die Midterms?
Am 3. November 2026 finden in den USA die Zwischenwahlen (Midterms) für die beiden Kammern des US-Kongresses statt. Alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses und etwa ein Drittel des Senats werden dann neu gewählt.
Die Midterms sind ein wichtiger Stimmungstest für den US-Präsidenten. Sie finden zwei Jahre nach einer Präsidentenwahl statt, also knapp vor der Hälfte der vierjährigen Amtszeit eines Präsidenten.
Derzeit haben die Republikaner von Präsident Donald Trump in beiden Kammern die Mehrheit, was ihm hilft, seine Vorhaben vergleichsweise leicht durchs Parlament zu bringen. Sollten die Demokraten bei den Midterms die Mehrheit im Repräsentantenhaus oder Senat gewinnen, würde sich das ändern.
Außerdem werden am 3. November in 36 Bundesstaaten und drei Territorien (US-Außengebiete) die Gouverneure neu gewählt, also die Regierungschefs der Bundesstaaten.
Lässt die politische Verunsicherung nach?
Die vergangenen beiden Jahre Politik von Donald Trump seien durch den Kongress nicht weiter gemäßigt worden – mit vielen Überraschungen, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel. Mehr Berechenbarkeit könnte einziehen. „Und es ist ein ganz dickes Ausrufezeichen dafür, dass die amerikanische Demokratie funktioniert und dass die amerikanischen Institutionen funktionieren“, so Mumm gegenüber der ARD Finanzredaktion.
Analysten sehen die Chance, dass die politische Verunsicherung in den USA nun etwas nachlässt. Das könnte sich positiv auf die Aussichten der Unternehmen auswirken. Sicher ist das mit Blick auf die Zollpolitik aber nicht.
Kurs in der Wirtschafts- und Zollpolitik dürfte gleich bleiben
Mit unbequemen Mehrheitsverhältnissen zu Hause könne sich Trump mehr auf die Außenpolitik konzentrieren, glaubt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Der Präsident werde sich künftig noch mehr auf Verordnungen stützen. „Zölle und Handelskonflikte könnten wieder stärker in den Vordergrund rücken“, sagt Gitzel.
Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) empfiehlt deutschen Unternehmen, sich auf die gleichbleibende Richtung in der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 einzustellen. Die Zollpolitik werde die deutsche Wirtschaft weiter bremsen, meint IW-Direktor Michael Hüther. „Die Zölle verhängt Trump nicht per Gesetz, sondern per Dekret am Kongress vorbei.“
Selbst mit der Mehrheit der Demokraten in Senat und Repräsentantenhaus müsste ein Veto Trumps von zwei Dritteln der stimmberechtigten Volksvertreter in beiden Kammern überstimmt werden – das ist äußerst schwer zu erreichen. In den USA zeichnet sich damit ein politischer Stillstand ab, den die Wall Street als „Gridlock“ bezeichnet.
KI-Aktien unter Druck
Mit sinkenden Spielräumen für die Republikaner beim Haushalt erwartet die Landesbank LBBW einen schwächeren Dollar und sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, rechnet zudem damit, dass es für Trump schwerer wird, Institutionen umzubauen, wie er es mit der Notenbank Federal Reserve (Fed) versuchte.
Das Ergebnis der Zwischenwahlen kam allerdings nicht überall gut an. An den Finanzmärkten gerieten vor allem KI-Aktien unter Druck, wie die Chiphersteller Samsung, SK Hynix und TSMC. In der Folge verlor der japanische Nikkei zeitweise mehr als vier Prozent. Diese Verluste konnte der Index im Nachgang zwar wieder etwas eindämmen.
Der Sieg der Demokraten in beiden Kammern sendet auch ein Signal Richtung KI-Hype an den Börsen. Anleger bereiten sich nun auf eine strengere Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) vor und geringeren Ausgaben für die KI-Infrastruktur.
Widerstand gegen Rechenzentren
Gegen Rechenzentren hatte sich im Wahlkampf immer mehr Widerstand formiert – vor allem da Anwohner steigende Energie- und Wasserpreise befürchten. Selbst Politiker der Republikaner verhängten Moratorien für den Bau neuer Anlagen. Mit dem Sieg des Demokraten James Talarico in Texas, das traditionell eine republikanische Hochburg war, könnte Tech- Konzerne ein härterer Kurs bevorstehen.
In dem südlichen Bundesstaat hatte sich auch Trump stark eingesetzt – und Tech-Milliardär Elon Musk, der bis Mitte Oktober rund 366 Millionen Dollar im Wahlkampf ausgegeben hatte.
Mit Blick auf die US-Konjunktur dürften Trumps Möglichkeiten, die US-Wirtschaft anzukurbeln in Zukunft eingeschränkt sein, erwartet etwa Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. „Die USA werden somit weniger als bisher zum globalen Wirtschaftswachstum beitragen“, sagte Schmieding. Auch die exportabhängige deutsche Wirtschaft dürfte davon betroffen sein.
Ölpreis bleibt stabil – Inflation im Euroraum steigt
Eine größere Reaktion auf die US-Zwischenwahlen blieb am Ölmarkt zunächst aus. Der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent lag weiterhin bei etwas mehr als 103 Dollar. Damit bewegte er sich kaum. Dafür rückt der Krieg in Nahost wieder in den Fokus und die Frage, ob Trump seinen Kurs gegenüber Iran verschärfen könnte.
Die Entwicklung am Ölmarkt bleibt damit ein wichtiger Faktor für die Inflation in Europa. Getrieben von hohen Energiepreisen ist die Inflation in der Eurozone im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise um vier Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte.

