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Startseite»Politik»Ein Jahr Schwarz-Rot: Der Rollenwechsel des Friedrich Merz
Politik

Ein Jahr Schwarz-Rot: Der Rollenwechsel des Friedrich Merz

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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analyse

Stand: 06.05.2026 • 14:43 Uhr

Vom scharfzüngigen Oppositionsführer zum Kanzler, der den Laden zusammenhalten muss: Friedrich Merz musste die Rolle wechseln. Seine Wortwahl erinnert aber zuweilen an einen Politiker ohne Regierungsverantwortung.

Dagmar Pepping

Es waren Sätze wie Handkantenschläge: „Sie sind ein Klempner der Macht. Ihnen fehlt jede Vorstellung davon, wie dieses Land sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln soll.“ Sätze von Friedrich Merz, damals Oppositionsführer im Bundestag, in Richtung von Kanzler Olaf Scholz (SPD).

Sätze, die treffen sollten, so wie diese: „Sie können es nicht. Die Schuhe, in denen sie stehen als Bundeskanzler, die sind Ihnen mindestens zwei Schuhnummern zu groß.“

Wenige Tage vor dem sicher geglaubten Sieg bei der Bundestagswahl im Februar 2025 setzte der Unionskanzlerkandidat bei einer Wahlkampfveranstaltung noch einen drauf: „Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland“, rief Merz in den Saal. Der Jubel war groß.

Den Laden irgendwie zusammenhalten

Nach einem Jahr als Bundeskanzler – in einer Koalition mit der SPD – klingt Merz anders, sehr viel gedämpfter. „Ich habe keine Vollmacht, die CDU umzubringen, und das habe ich auch nicht vor“, sagte er am Sonntag in der ARD-Sendung Caren Miosga. In dieser Koalition müsse „die Union vorkommen, und wir müssen auch Dinge hinbekommen, die unsere Handschrift tragen“. Klingt so ein selbstbewusster Regierungschef?

Merz hat sich gewandelt: vom scharfzüngigen Oppositionspolitiker frei von jeder Regierungsverantwortung zum Kanzler eines schwarz-roten Bündnisses, der den Laden irgendwie zusammenhalten muss.

Auch der eigenen Partei hatte er als Kanzlerkandidat eine ganz andere Politik versprochen: CDU pur, schnelle umfassende Reformen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. „Ja, mir wurde in den vergangenen Monaten immer mal wieder gesagt und vorgehalten, ich hätte zu ambitionierte Ziele in Aussicht gestellt“, sagte Merz im Februar auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart. „Ja, ich will freimütig einräumen: Vielleicht haben wir nach dem Regierungswechsel nicht schnell genug deutlich gemacht, dass wir diese gewaltige Reformanstrengung nicht von heute auf morgen schaffen können“, fuhr Merz fort. „Ich nehme diese Kritik an.“

Merz musste immer wieder Äußerungen einfangen

Trotzdem bleiben die Beliebtheitswerte des Kanzlers und seiner Regierung im Keller. Regelmäßiger Streit auf offener Bühne hat dazu beigetragen – aber auch die Art und Weise, wie Friedrich Merz – der vor der Kanzlerschaft keinerlei Regierungserfahrung hatte – führt und kommuniziert. Ein ums andere Mal musste Merz eigene Äußerungen wieder einfangen.

Drei Beispiele: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle“, sagte der Kanzler im vergangenen Sommer nach Angriffen der israelischen Luftwaffe auf Iran.

Dann erregte die „Stadtbild“-Debatte die Gemüter. Bei einem Besuch im Potsdam im Oktober 2025 sagte Merz zum Thema Migrationspolitik: „Wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem. Und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt im sehr großen Umfang auch Rückführungen durchzuführen.“ Als Reaktion gab es in mehreren Städten Protestveranstaltungen gegen den Regierungschef.

Der dritte Aufreger erst vor wenigen Wochen beim Thema Rente. Auf einer Veranstaltung des Bankenverbandes sagte Merz: „Die gesetzliche Rentenversicherung wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter.“ Die Folge: allgemeine Entrüstung und Verunsicherung bei vielen Menschen, ob ihnen im Alter Armut drohe.

Kanzlerworte auf der Goldwaage

Drei Beispiele aus einem Jahr Amtszeit von Merz als Kanzler. Jedes Mal war er gezwungen, sich öffentlich zu erklären, wie seine Sätze eigentlich gemeint gewesen seien. Bei einem Oppositionsführer gehört Angriff zum Geschäft. Bei einem Bundeskanzler, der im Amt das ganze Volk vertreten soll, wird allerdings jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.

Merz reagierte auf Kritik an seiner Kommunikation bei Caren Miosga so: „Ich möchte nicht rund wie ein Kieselstein reden und werden. Das ist nicht meine Art und auch nicht meine Kommunikation.“ Damit gehe er „hin und wieder ein gewisses Risiko ein“, viele Menschen wollten aber wissen „was ihre Politiker denken“, betonte er.

Eines scheint deutlich: Nach einem Jahr im Amt des Bundeskanzlers will und wird sich Merz nicht ändern. Die nächsten Jahre seiner Amtszeit dürften spannend werden.

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Dr. Heinrich Krämer
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