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Politik

Ab heute sind die Ressourcen der Erde aufgebraucht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.07.2026 • 07:24 Uhr

Der Erdüberlastungstag markiert symbolisch den Tag im Jahr, an dem die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat als die Erde nachproduzieren kann. In diesem Jahr fällt er auf den 30. Juli.

Der Earth Overshoot Day oder Erdüberlastungstag ist für unseren Planeten ungefähr vergleichbar mit dem Tag, an dem das Girokonto ins Minus gerät, obwohl noch eine ganze Menge Monat übrig ist. Dieser Welterschöpfungstag gibt den Zeitpunkt im Jahr an, an dem die Menschheit ihr Haben an natürlichen Ressourcen aufgebraucht hat und beim Planeten Erde „auf Pump“ lebt. In diesem Jahr fällt er auf den 30. Juli.

Verbrauch und Regeneration sind im Ungleichgewicht

Zu diesem Zeitpunkt überschreitet der sogenannte ökologische Fußabdruck, den wir auf der Erde mit unserem Verbrauch von natürlichen Ressourcen wie Holz, Fisch oder Anbauflächen, aber auch durch den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen hinterlassen, die Biokapazität unseres Planeten. Gemeint ist damit die Fähigkeit, die verbrauchten Ressourcen aus eigener Kraft zu ersetzen oder auch das durch fossile Brennstoffe freigesetzte CO2 in der Atmosphäre zu binden.

Regenwälder im Abwärtsstrudel

Besonders dramatisch schlägt sich der Raubbau beispielsweise beim Brandroden der Regenwälder zur Gewinnung von Holz, Bodenschätzen und vor allem von landwirtschaftlichen Flächen nieder. Laut dem Statistischen Bundesamt verbrannten im Jahr 2024 weltweit rund 26,5 Millionen Hektar Regenwald – fast drei Viertel der Fläche Deutschlands.

Einer neuen WWF-Studie nach kann das Abholzen des Regenwaldes im Amazonasgebiet sogar eine Kettenreaktion in Gang setzen, bei der die Abholzung zunehmend die Regenerationsfähigkeit der Wälder verschlechtert. Der Regenwald erzeugt durch die eigene Verdunstung etwa die Hälfte des Niederschlags, der ihn mit Wasser versorgt. Gibt es weniger Bäume, gibt es weniger Regen – und wiederum weniger Bäume, so die Studie.

Massiver Anstieg der Überfischung

Sehr schlecht sieht es ebenfalls bei den weltweiten Fischbeständen aus: Nach UN-Angaben stieg der Anteil der Fischbestände, die als „überfischt“ eingestuft werden, von zehn Prozent im Jahr 1974 auf mehr als 50 Prozent im Jahr 2021. Zwar können Fischzuchten inzwischen den rasant steigenden Appetit der Menschheit auf Fisch teilweise bedienen. Doch Fangverbote für teils stark bedrohte Bestände werden oft nicht durchgesetzt. So dürfen beispielsweise in der Ostsee nach wie vor Dorsch und Hering gefischt werden, obwohl die Bestände laut Greenpeace bereits kollabiert sind.

Bei Ressource Wasser ist es bereits zu spät

Im Gegensatz zum Wasser, das etwa dafür nötig ist, dass sich diese Fischbestände neu bilden können, wird der Verbrauch oder Rückgang von Süßwasser insgesamt nicht beim Erdüberlastungstag mit einbezogen. Aber auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild: Der letzte UN-Bericht zum Thema spricht inzwischen nicht mehr von einem „überzogenen Konto“, sondern von „Bankrott“. Flüsse führen zunehmend weniger Wasser, bei mehr als der Hälfte der großen Seen auf der Welt ist der Pegel seit den frühen 1990er-Jahren gesunken.

Auch zeigen 70 Prozent der größeren weltweiten Grundwasserspeicher einen stetigen Rückgang infolge einer übermäßigen Wasserentnahme, etwa zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen. Dort, wo der Grundwasserspiegel sinkt, sinkt auch der Boden ab und kann danach weniger Wasser aufnehmen. Auf einer Fläche von sechs Millionen Quadratkilometern ist das bereits geschehen, das entspricht fünf Prozent der weltweiten Landfläche.

Erdüberlastung: Wir bräuchten 1,7 Erden

Natürlich bieten unterschiedliche Regionen wie Wüste oder Regenwald auch unterschiedliche Biokapazitäten wie beispielsweise nachwachsende Pflanzen. Deshalb rechnet das Global Footprint Network mit einem weltweiten Durchschnittswert an Fläche, die notwendig wäre, um das Gleichgewicht zwischen Verbrauch und natürlicher Regeneration aufrecht zu erhalten. Aktuell bräuchten wir nach dieser Rechnung die Fläche von mehr als 1,7 Erden, um dieses Gleichgewicht herzustellen.

Ressourcenverbrauch weltweit extrem unterschiedlich

Der Verbrauch von Ressourcen ist in einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Würde die Welt etwa pro Kopf so viel verbrauchen wie die Einwohner im reichen Wüstenstaat Qatar, wäre der Weltüberlastungstag bereits am 4. Februar erreicht, beim durchschnittlichen Verbrauch Honduras fiele er erst auf den 27. November. Deutschland gehört zu den Ländern, die der Erde überdurchschnittlich viel abverlangen: Würde der Rest der Welt so leben wie wir, wäre die Menschheit bereits am 10. Mai ökologisch pleite.

Immerhin gibt es eine positive Nachricht: Nach jahrzehntelanger Zunahme der Erdüberlastung stagniert der Wert: Seit etwa 2018 befindet sich die Belastung auf einem annähernd gleichbleibenden Niveau. Im Jahr 2025 fiel der Earth Overshoot Day auf den 24. Juli, im Jahr 2024 auf den 1. August.

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Dr. Heinrich Krämer
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