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Angst vor Chinas Zugriff: Was ist aus Kuka geworden?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Angst vor Chinas ZugriffWas ist aus Kuka geworden?

Nicht jede Befürchtung wird zur Realität. (Foto: AP)

Selten hat ein Firmenverkauf die Gemüter so erhitzt wie der von Kuka. Damals dominierten Warnungen und düstere Prognosen. Zehn Jahre später fällt die Bilanz anders aus.

Es war eine spektakuläre Unternehmensübernahme. Vor einem Jahrzehnt streckte ein chinesischer Investor seine Fühler nach einem deutschen Vorzeigeunternehmen aus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU hatte zuvor den Roboterbauer Kuka gerne als positives Beispiel der deutschen Hightech-Industrie unterstützt. In Augsburg besuchte sie den Sitz des Unternehmens, auf der Hannover Messe ließ Merkel sich zusammen mit US-Präsident Barack Obama die Roboter aus Schwaben vorführen.

Dass dieses angesehene bayerische Traditionsunternehmen nun ausgerechnet von einem Konzern aus Fernost geschluckt werden sollte, sorgte im Jahr 2016 für heftige wirtschaftspolitische Diskussionen. Insbesondere die Tatsache, dass kein europäischer Investor ein Gegenangebot auf den Tisch legte, führte zu Kritik. Letztlich konnte der chinesische Hausgerätehersteller Midea dann Kuka relativ ungehindert kaufen.

Kuka war damals der prominenteste Fall einer Übernahme aus China. Auch viele andere deutsche Unternehmen wurden von chinesischen Investoren aufgekauft, darunter bekannte Namen wie die Steigenberger-Hotels oder der Spezialmaschinenbauer KraussMaffei. Aktuell prüfen die Behörden die geplante Übernahme von Europas größtem Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen E-Commerce-Konzern JD.com.

Nach zehn Jahren haben sich bei Kuka etwas die Wogen geglättet. Der Augsburger Automatisierungsspezialist hat mehr mit der schwierigen Wirtschaftslage und vornehmlich der Krise in der Autoindustrie zu kämpfen als mit den Eigentümern in China. „Auch in herausfordernden Zeiten ist Midea als seriöser und zuverlässiger Eigentümer von Kuka aufgetreten“, fasst Tanja Gabler vom bayerischen Wirtschaftsministerium die bisherigen Erfahrungen zusammen.

„Belastbare Perspektive“

Als im Frühjahr 2016 Midea zur Übernahme ansetzte, war China längst ein wichtiger Markt für den Roboterspezialisten. Midea hatte sich umgekehrt sukzessiv Aktien der Augsburger gekauft und kam bereits auf 13 Prozent der Anteile. Dann boten die Chinesen 115 Euro für alle weiteren Papiere – weit mehr als der damalige Börsenwert, der Kurs schoss schlagartig in die Höhe.

Die Aktionäre hatten bis 15. Juli Zeit, das Angebot anzunehmen. Viele kleine und insbesondere auch große Anteilseigner wie der Voith-Konzern aus Baden-Württemberg nahmen das Geld gerne, Midea hatte am Ende der regulären Angebotsfrist 86 Prozent der Anteile. In der vorgeschriebenen Nachfrist übertrugen weitere zunächst unentschlossene Aktionäre ihre Papiere an Midea, das dadurch Anfang August 2016 knapp 95 Prozent an Kuka hielt.

Der damalige Kuka-Chef Till Reuter, der den Roboterbauer in den Jahren zuvor aus den roten Zahlen geführt hatte, sah weiter starkes Wachstum für sein Unternehmen. Letztlich verwirklichte sich Reuters Prognose nicht ganz. Im Übernahmejahr 2016 hatte Kuka einen Umsatz von knapp 3 und einen Auftragseingang von 3,4 Milliarden Euro, zuletzt meldete das Unternehmen 2025 einen Umsatz von 3,9 und einen Auftragszuwachs von 4,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeitenden stieg in der Zeit von etwa 13.200 auf 14.500.

Am Stammsitz in Augsburg ist etwa ein Fünftel der Belegschaft beschäftigt. Hier ging es zuletzt aber auch um Stellenabbau. Etwa 500 Vollzeitstellen will das Unternehmen streichen, auf betriebsbedingte Kündigungen soll aber verzichtet werden. Der Augsburger IG-Metall-Geschäftsführer und Kuka-Aufsichtsratsmitglied Matti Riedlinger sagt, die Gewerkschaft und der Betriebsrat hätten als Gegenleistung zu Gehaltseinbußen eine Beschäftigungssicherung bis 2029 sowie Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro durchgesetzt. So gebe es nun „eine belastbare Perspektive für den Hauptsitz in Augsburg“.

Wachstum in Asien

Insgesamt betrachtet Riedlinger die bisherige Zeit von Midea bei Kuka differenziert: „Die befürchtete Zerschlagung von Kuka oder eine Verlagerung des gesamten Unternehmens nach China ist in den letzten zehn Jahren nicht eingetreten.“ Gleichzeitig zeige das Beispiel, wie wichtig es sei, die industriellen Schlüsseltechnologien Deutschlands und Europas strategisch abzusichern.

Der heutige Kuka-Vorstandschef Christoph Schell betrachtet die Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts hingegen durchweg positiv. Das Unternehmen habe sich von einem klassischen Anlagen- und Maschinenbauer zu einem umfassenden Automatisierungsanbieter weiterentwickelt, sagt er. „Kuka ist heute erfolgreich breit aufgestellt mit je einem Drittel Geschäft in Europa, Amerika und Asien.“ In China, dem größten Robotermarkt der Erde, zähle Kuka bei der Robotik zu den drei wichtigsten Anbietern.

Schell verweist darauf, dass sich der Markt seit der Midea-Übernahme stark verändert habe. Während in Asien die Nachfrage wachse, trete Europa auf der Stelle. Er betont auch die Probleme der Automobilwirtschaft, historisch für Kuka der wichtigste Abnehmer.

Schell meint, die Branche sei heute mehr als die Schwerlastroboter in den Fabriken. Roboter seien in OP-Sälen, bei der Verarbeitung von Lebensmitteln oder auch Filmdrehs im Einsatz. Kuka selbst wachse stark bei der Automatisierung von Logistik-Lagern oder Klinikapotheken. Künftig könne es Kuka-Systeme vielleicht auch einmal im privaten Bereich, etwa als Pflegeroboter, geben. „Da sind wir in viele Richtungen offen“, sagt er.

Quelle: ntv.de, Ulf Vogler, dpa

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