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Startseite»Politik»Anschlag auf Synagoge in NRW: Ermittler vermuten antisemitisches Motiv
Politik

Anschlag auf Synagoge in NRW: Ermittler vermuten antisemitisches Motiv

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 18, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 18.09.2026 • 13:15 Uhr

Auf die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal ist ein Brandanschlag verübt worden. Ein aus Afghanistan stammender Mann wurde festgenommen. Die Ermittler gehen von einem antisemitischen Motiv aus.

Bereits am Donnerstagabend habe es erste Äußerungen des mutmaßlichen Täters gegenüber der Polizei gegeben, die „klar in Richtung eines antisemtischen Motivs“ gingen, so Wuppertals Oberstaatsanwalt Wolf Tilmann Baumert gegenüber dem WDR. Auch dass es eine Synagoge war, die angegriffen wurde, spreche dafür, dass die Tat antisemitisch motiviert war.

Schock, Entsetzen, Anteilnahme

Das ist der Kern vieler Botschaften, die seit der Attacke an die Jüdische Kultusgemeinde in Wuppertal gerichtet sind. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sagte, der Zeitpunkt des Anschlags sei nicht zufällig gewählt. In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur.

Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden

Viele Reaktionen auch aus der Lokalpolitik im Bergischen Land

Auch aus der Lokalpolitik kamen Reaktionen zum Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge. Die Wuppertaler Oberbürgermeisterin Miriam Scherff bezieht klar Stellung gegen Gewalt und Antisemitismus: „Es ist sehr schäbig, dass so etwas passiert, und ich verurteile es aufs Schärfste,“ heißt es in einer Pressemitteilung.

Spontane Mahnwache vor der Neuen Synagoge in Wuppertal-Barmen

Am Donnerstagabend versammelten sich rund 30 Menschen, darunter Vertreter vieler Parteien und Glaubensrichtungen, zu einer spontanen Mahnwache am Tatort. Solche Aktionen sind auch für heute Vormittag im Wuppertaler Stadtteil Barmen geplant.

Man kann nicht völlig überrascht sein, weil wir eine Menge von antisemitischen Taten haben in ganz Deutschland. Aber dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos. Und auch wirklich wütend und fassungslos.

Helge Lindh, SPD-Bundestagsabgeordneter

Dilek Engin, SPD Wuppertal (links), und Helge Lindh, SPD-Bundestagsabgeordneter (Mitte)

Moscheegemeinden stellen sich solidarisch an die Seite der jüdischen Gemeinde

Die Interessenvertretung Wuppertaler Moscheen hat den Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge in einem Brief an die Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal scharf verurteilt und der jüdischen Gemeinde ihre Solidarität ausgesprochen. Die muslimischen Gemeinden betonen darin, dass nichts einen Angriff auf ein Gotteshaus rechtfertigen könne.

Zugleich rufen sie dazu auf, sich nicht von Konflikten außerhalb Deutschlands spalten zu lassen. Ein Angriff auf eine Synagoge sei immer auch ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben und die Religionsfreiheit in Wuppertal.

Wir, die Wuppertaler Moscheen und ihre Mitglieder, verurteilen diesen Anschlag aufs Schärfste. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gelten Dir und der gesamten jüdischen Gemeinschaft in unserer Stadt.

Mohamed Abodahab, Vorsitzender Interessensvertretung Wuppertaler Moscheen und Samir Bouaissa, Vorsitzender des Landesverbands NRW des Zentralrats der Muslime Deutschland

Auch die Wuppertaler Ditib-Gemeinde zeigt sich in den Sozialen Medien solidarisch. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus oder religiöse Feinseligkeit unsere Gesellschaft spalten“, heißt es auf Instagram.

Katholische Stadtkirche ruft nach Anschlag zu Zusammenhalt auf

Auch die katholische Stadtkirche Wuppertal reagierte bestürzt auf den Brandanschlag und sprach der jüdischen Gemeinde ihre Solidarität aus.

Stadtdechant Bruno Kurth und die Vorsitzende des Katholikenrates, Barbara Reul-Nocke, bezeichneten die Tat als Ausdruck von Antisemitismus und Judenhass. Sie betonten, dass jüdisches Leben fest zu Wuppertal gehöre, und riefen die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, gemeinsam gegen Hass einzustehen und das friedliche Zusammenleben in der Stadt zu schützen.

Erinnerung an früheren Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge

Einen ähnlichen Anschlag mit selbstgebauten Brandsätzen auf die Synagoge hatte es schon vor zwölf Jahren gegeben. Auch damals waren die Schäden gering. Die Täter, drei junge Palästinenser, wurden unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu Haftstrafen verurteilt.

Im WDR-Interview äußerte sich auch Ruth Yael Tutzinger. Sie ist Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal. Die 95 Jahre alte Jüdin spürt auch einen erneut wachsenden Antisemitismus in der Stadt.

Bei mir melden sich natürlich die Bilder von damals. Ich war ja immerhin, als der Zweite Weltkrieg aus war, 13 Jahre alt. Also ich wusste schon, was Sache war.

Ruth Yael Tutzinger, Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal

Immer mehr Hass auf Juden

Im Gespräch mit dem WDR kämpft Ruth Yael Tutzinger mit den Tränen. Sie berichtet von einem immer größer werdenden Hass auf Juden. Es gäbe viele Anfeindungen von Menschen, die überhaupt keine Juden kennen würden.

Es gibt Holocaust-Überlebende, die Morddrohungen bekommen. Ich frage mich: Welche Irren sind da unterwegs? Das ist schon erschreckend. Mich nimmt das alles sehr mit.

Ruth Yael Tutzinger, Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal

Wuppertaler Synagoge wird rund um die Uhr bewacht

Nach ersten Ermittlungen soll ein 37-jähriger Verdächtiger afghanischer Herkunft versucht haben, ein Feuer an einem Nebeneingang der Synagoge zu legen. Laut Polizei konnten Mitarbeiter der Synagoge das Feuer schnell löschen, der Sachschaden sei gering.

Die Synagoge wird praktisch rund um die Uhr von Polizeibeamten bewacht, möglicherweise konnte deshalb der Verdächtige schnell ausgemacht werden. Einzelheiten zum mutmaßlichen Täter will die Polizei im Laufe des Tages bekanntgeben.

Außerdem sucht die Polizei nach zwei jungen Frauen, die sich zum Tatzeitpunkt in der Nähe der Synagoge aufgehalten haben. Weitere Zeugen, die Hinweise auf den Tatverlauf geben könnten, bitten die Ermittler, sich zu melden.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur KNA
  • Polizei Wuppertal
  • Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal
  • WDR-Reporter vor Ort
  • WDR-Interview mit Ruth Yael Tutzinger

Sendung: WDR.de, Mann warf Beutel mit brennbarer Flüssigkeit gegen Synagoge, 17.09.2026, 18:15 Uhr

Westdeutscher Rundfunk

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