Auf dem Weg nach JemenMindestens 139 Tote bei Bootsunglück vor Dschibuti
Auf dem Weg von Dschibuti in den Jemen kentert ein Boot mit etwa 305 Menschen an Bord. Mindestens 139 Personen kommen ums Leben, darunter mehrere Kinder. Die Vereinten Nationen sprechen von einer der schwersten Tragödien auf der Route seit Jahren.
Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Dschibutis sind nach UN-Angaben mindestens 139 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch 15 Kinder. Mehr als 80 Passagiere des gekenterten Bootes auf dem Weg von Dschibuti nach Jemen werden noch vermisst, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. 82 Menschen überlebten das Schiffsunglück. Nach UN-Angaben handelt es sich bei allen Überlebenden um äthiopische Staatsangehörige.
UN-Angaben zufolge sollte das Schiff mit etwa 305 Menschen an Bord an der Meerenge Bab al-Mandab von Dschibuti zu einem jemenitischen Hafen übersetzen. Der Untergang ereignete sich demnach nördlich der dschibutischen Hafenstadt Obock. Das Schiff kenterte demnach bereits in der Nacht zu Freitag. Eine Stellungnahme der Regierung in Addis Abeba liegt bislang nicht vor.
„Dies ist ein verheerender Verlust an Menschenleben. Unsere Gedanken sind bei den Überlebenden und den Familien, die Angehörige verloren haben oder noch immer keine Nachricht von ihren Verwandten haben“, sagte Alexandre Coissac, Leiter der IOM-Mission in Dschibuti. „Unsere Teams sind gemeinsam mit den örtlichen Behörden vor Ort, um Nothilfe zu leisten.“
Mehr als 900 Tote in einem Jahr
IOM-Generaldirektorin Amy Pope forderte angesichts der Tragödie sichere und legale Zugangswege für Migranten. „Niemand steigt in ein solches Boot, wenn er nicht glaubt, dass es keinen anderen sicheren Weg gibt“, sagte sie in einer Stellungnahme. „Wir dürfen diese Todesfälle nicht länger als Normalität hinnehmen. Ich fordere Regierungen und Geldgeber auf, zu handeln, bevor das nächste Boot sinkt.“
Dschibuti ist der Ausgangspunkt der sogenannten östlichen Migrationsroute vom Horn von Afrika über die Meerenge Bab al-Mandab auf die arabische Halbinsel. Die IOM hatte vor wenigen Tagen berichtet, dass innerhalb von drei Wochen mehr als 20.000 Migranten aus Äthiopien in Dschibuti eingetroffen waren. Auch aus Somalia versuchen immer wieder Menschen über den Hafen von Dschibuti vor allem nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Oman zu gelangen, wo sie auf Arbeit und mehr Stabilität hoffen.
„Diese Tragödie ist eine eindringliche Erinnerung an die Gefahren, denen Migranten auf diesem Migrationskorridor auf der Suche nach wirtschaftlichen Chancen ausgesetzt sind“, sagte Croissac. Nach IOM-Angaben ist nicht nur die Überfahrt über das Meer mit erheblichen Gefahren verbunden: Migranten, die den Jemen erreichen, seien Risiken wie Gewalt, willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt, heißt es.
Nach Angaben des Projekts „Missing Migrants“ der IOM kamen im Jahr 2025 auf dieser Route mehr als 900 Migranten ums Leben oder gelten als vermisst, während die Zahl derjenigen, die sich auf den Weg machten, um 18 Prozent stieg. Bei einem weiteren Schiffsunglück im März 2026 kamen neun Menschen ums Leben, 45 weitere werden vermisst.
