Rund ein Viertel des menschengemachten Methans entsteht in der Rinderzucht. Australische Landwirte wollen das ändern – mit einem Trick: Sie lassen Rotalgen ins Futter ihrer Rinder mischen.
Mit seinem Buggy fährt Rinderzüchter Adam Wesley über die saftig grünen Wiesen seiner Farm. Seit Generationen lebt die Familie hier im australischen Insel-Bundesstaat Tasmanien von der Rinderzucht. Auch seine Tiere müssen rülpsen und stoßen dabei Methan aus. Adam war das lange nicht so wichtig, doch mittlerweile denkt er anders.
„Wenn wir nachweisen können, dass wir den Methanausstoß der Tiere reduzieren, gibt es beim Metzger vielleicht auch klimafreundliches Steak“, erklärt Adam. Das würde dann etwas mehr kosten, aber Verbraucher sähen heutzutage genauer hin: „Es geht nicht mehr nur darum, einfach das Billigste zu kaufen.“
Adam will etwas tun, damit seine Rinder weniger Methan in die Luft blasen. Er hat das Gefühl, das könnte mit einem Trick funktionieren.
Wissenschaftler entdecken Wirkung der Rotalge
An der Küste Tasmaniens hat das Meer tonnenweise Algen und Seegras angespült. Begeistert erzählt Unternehmer Sam Elsom, was Wissenschaftler über die Pflanzen herausgefunden haben: Wenn Rinder eine bestimmte Rotalge fressen, reduziert das ihren Methanausstoß.
Eine dieser Algen steche besonders hervor: Asparagopsis. „Schon ein winziger Anteil im Futter der Tiere kann die Methanemissionen fast beseitigen“, erklärt Sam.
Die Forschenden dachten erst, es handelt sich um einen Messfehler, aber dann haben sie festgestellt: Das klappt wirklich.
Dass Asparagopsis die Methanemissionen von Rindern reduzieren kann, ist wissenschaftlich belegt. Die Rotalge reagiert im Magen der Rinder chemisch mit anderen Stoffen und reduziert dadurch die Methanbildung.
Futterzusatz für Rinder aus Algen
Unternehmer Elsom witterte eine gute Geschäftsidee, von der am Ende Landwirte und das Klima profitieren. Der Unternehmer gründete die Firma Seaforest und züchtet nun die roten Meeresalgen an Land in Aquakulturen. Da schwanken Temperatur und Strömung nicht so stark.
Aus den Algen produziert die Firma Futterzusätze, zum Beispiel in Form von Lecksteinen für Rinder. Die verteilt auch Adam Wesley auf den Weiden seiner Farm. Bei jedem Ablecken gelangt etwas von der Alge in den Verdauungstrakt der Rinder.
Gleichzeitig sammelt der Landwirt Daten mit einem Messgerät. Das Tasmanische Institut für Landwirtschaft wertet die Daten aus und fördert das Projekt. Die Landwirte wollen langfristig vom Einsatz der Meeresalgen profitieren.
Adam ist bislang guter Dinge, dass Tiere mit Algenfutter ein bisschen besser wachsen, der Fleischertrag also höher ist: „Natürlich kostet uns das erstmal was, aber ich hoffe, es zahlt sich am Ende aus.“
„Es gibt kein Klimawundermittel“
Die Rinderzucht ist weltweit für rund ein Viertel des menschengemachten Methans und damit für grob vier bis fünf Prozent der gesamten menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Bringen also ein paar Algen im Futter wirklich was im globalen Klimaschutz?
Der Wissenschaftler Tim Flannery hat die australische Regierung in Klimaschutzfragen beraten. Die Mechanismen der Fleischindustrie lassen sich schneller verändern als die Gewohnheiten der Menschen, meint er. „Es gibt kein Klimawundermittel, aber kurz- und mittelfristig ist das mit dem Methan der einzige Weg, die Erderwärmung zu verringern.“
Aus seiner Sicht sollte das Ziel sein, insgesamt weniger Fleisch zu essen. Doch bis dahin sind Hilfsmittel wie die Rotalge wichtig. „Solange wir Rinder züchten, sollten wir das Methan reduzieren, das sie erzeugen“, betont der Wissenschaftler.
Rinderzucht und Klimaschutz: Für Bauer Adam Wesley ist das kein Widerspruch. Er will auf seiner Farm erst einmal mit den Meeresalgen im Futter anfangen. Ein kleiner Versuch, meint er – aber für Tasmanien, Australien und den Rest der Welt vielleicht langfristig ein großer Schritt.

