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Politik

BAföG-Erhöhung im Kabinett: Was Studierende jetzt erwarten können

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 12.08.2026 • 05:50 Uhr

Teure WG-Zimmer, Einkaufen im Supermarkt – die Preise machen Studentinnen und Studenten zu schaffen. Nach langem Ringen um eine Reform macht die Regierung heute den ersten Schritt für ein höheres BAföG.

Die Bundesregierung will heute die Reform des BAföG im Kabinett auf den Weg bringen. Im nächsten Sommersemester sollen BAföG-Empfänger dann mehr Geld bekommen – das ist der Kompromiss, auf den sich die schwarz-roten Koalitionsfraktionen im Bundestag nach langem Hin und Her geeinigt haben.

Eigentlich sollte es die Erhöhung der im BAföG enthaltenen Wohnkostenpauschale bereits im bald beginnenden Wintersemester geben, wegen der angespannten Finanzlage des Bundes wurde sie aber um ein halbes Jahr verschoben.

Ein Kabinettsbeschluss ist nur der erste Schritt zur Umsetzung: Danach geht der Gesetzentwurf in den Bundestag und wird dort in mehreren Runden beraten.

Was war beim BAföG ursprünglich geplant?

CDU/CSU und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, zum kommenden Wintersemester als ersten Schritt die im BAföG enthaltene Wohnkostenpauschale für diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von jetzt 380 auf 440 Euro im Monat zu erhöhen. In den kommenden Jahren sollte der sogenannte BAföG-Grundbedarf dann schrittweise dauerhaft auf das Niveau der Grundsicherung angehoben werden. Dort liegt der sogenannte Regelbedarf aktuell bei 563 Euro.

Wie sieht nun die Einigung konkret aus?

Die Wohnkostenpauschale wird erst zum nächsten Sommersemester auf 440 Euro erhöht und nicht wie geplant zum anstehenden Wintersemester. Der BAföG-Grundbedarf steigt dann nach SPD-Angaben zum Wintersemester 2027/28 auf 503 und zum Sommersemester 2029 noch einmal auf 563 Euro, damit wäre das heutige Grundsicherungsniveau erreicht.

Für weitere Anpassungen, also falls die Grundsicherung steigt, solle es eine Regelung zur Überprüfung und Anpassung der Fördersätze geben, die sich am Grundsicherungsniveau orientiert.

Das BAföG soll außerdem moderner und einfacher werden, indem der Antrag digital und „nutzerfreundlich“ gestellt werden kann. Als Schritt zum Bürokratieabbau soll ab dem fünften Fachsemester der Leistungsnachweis wegfallen.

Soll der Empfängerkreis künftig erweitert werden?

Ja, und zwar über die sogenannten Freibeträge. Die Einkommensgrenzen etwa von den Eltern, die als Berechnungsgrundlage für das individuelle BAföG herangezogen werden, sollen ab Sommer 2028 und dem Wintersemester 2028/29 jährlich um 1,5 Prozent automatisch angehoben werden, heißt es von der SPD. Dadurch werde der Kreis der Förderberechtigten nicht durch Inflation und Lohnentwicklung schleichend kleiner. Die Antragstellung soll zudem erleichtert und weiter digitalisiert werden.

Wie viel BAföG gibt es aktuell?

Der BAföG-Grundbedarf liegt aktuell bei 475 Euro. Zusammen mit der Wohnkostenpauschale kommen Empfänger auf bis zu 855 Euro. Wer seine Kranken- und Pflegeversicherung schon selbst zahlt, bekommt noch Zuschläge. Dann liegt das BAföG bei maximal 992 Euro. Die Sätze gelten seit zwei Jahren. BAföG wird aber immer individuell berechnet. Die Höhe ist unter anderem abhängig von der besuchten Ausbildungsstätte, der Wohnsituation sowie vom Einkommen der Geförderten und ihrer Eltern.

Im Durchschnitt erhielten geförderte Studierende im Jahr 2025 laut Angaben des Statistischen Bundesamtes monatlich 682 Euro. Das waren 25 Euro mehr als im Vorjahr. BAföG können Studierende und Schüler erhalten. Für Schülerinnen und Schüler lag der durchschnittliche Förderungsbetrag bei 552 Euro – 13 Euro mehr als im Vorjahr.

Wie viele BAföG-Empfänger betrifft das überhaupt?

Die Zahl der BAföG-Bezieher ist auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhielten im vergangenen Jahr 570.000 Personen monatliche Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, wie das BAföG ausführlich heißt. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren 443.100 Studierende und 126.900 Schülerinnen und Schüler. 60 Prozent der Geförderten waren Frauen.

Die sinkende Zahl der Geförderten bedeutet auch weniger Ausgaben: Der Bund zahlte für BAföG-Leistungen 2025 im Vergleich zum Vorjahr vier Prozent weniger. Der Bund gab dafür drei Milliarden Euro aus.

Warum wurde so lange über die Reform diskutiert?

Wegen der Finanzprobleme. Die Regierung versucht, Staatsausgaben zu begrenzen. Der damalige Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte gesagt, man werde staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld oder BAföG absehbar nicht erhöhen können. Der SPD aber ist die BAföG-Erhöhung sehr wichtig. Sie scheint sich hier – bis auf die Verschiebung eines Teils der Reform – durchgesetzt zu haben.

Was kostet denn ein WG-Zimmer aktuell?

Im Schnitt zuletzt 512 Euro, mit großen regionalen Unterschieden: In München waren es 800, in Bielefeld oder Bochum 375 bis 385 Euro. Die Zahlen stammen vom Moses Mendelssohn Institut, das die Zahlen regelmäßig erhebt. Die Preise verharrten demnach auf sehr hohem Niveau und stiegen stärker als die allgemeine Teuerung.

Studierende mit eigener Haushaltsführung geben laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 54 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnkosten aus – mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung mit 24 Prozent.

Seit wann gibt es überhaupt das BAföG?

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) trat am 1. September 1971 in Kraft, um Bildungsschranken abzubauen, wie die damals zuständige Bundesjugendministerin Käte Strobel (SPD) sagte. Erst war es ein reiner Zuschuss ohne Rückzahlung. Später wurde das BAföG zum Volldarlehen umgewandelt.

Für Studierende gilt seit 1990 grundsätzlich: Die Förderung wird zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt.

Millionen junger Leute haben sich mit Hilfe von BAföG bisher Studium und Schulausbildung finanziert. Das Statistische Bundesamt hatte 2021 eine Zahl von 36 Millionen genannt.

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Dr. Heinrich Krämer
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