Warnung
Wenn jemand anruft und sagt: „Zerschneiden Sie Ihre Bankkarte, aber lassen Sie den Chip heil“ – das ist Betrug.
- Ihre Bank ruft nie an und lässt Sie Ihre Karte zerschneiden.
- Ihre Bank holt nie eine Karte oder Teile davon bei Ihnen ab.
- Ihre Bank fragt nie am Telefon nach Ihrer PIN.
- Passiert das trotzdem: Auflegen. Dann selbst bei der Bank anrufen. Die Nummer steht auf Ihrer Karte.
Wer eine alte Bankkarte wegwirft, zerschneidet sie vorher. Das ist richtig. Das sagen auch die Banken. Genau das nutzen Betrüger jetzt aus. Sie rufen an und sagen: Zerschneiden Sie Ihre Karte. Aber der Chip soll heil bleiben. Das Amt für Cybersicherheit in der Schweiz (kurz: BACS) hat am 8. September 2026 davor gewarnt. Das Amt schreibt: Die Masche wurde ihm „kürzlich gemeldet“.
Der Betrug ist nicht ganz neu. Seit Jahren rufen falsche Bankmitarbeiter an. Dann kommt jemand und holt die Karte ab. Mimikama hat davor zuletzt im Juli 2025 gewarnt. Neu in der Schweiz ist der Trick mit der Schere. In Kanada und den USA warnen Banken und Polizei schon länger davor. Der Trick ist gemein: Eine zerschnittene Karte sieht kaputt aus. Aber sie ist nicht kaputt, solange der Chip heil ist.
So läuft der Betrug ab
Zuerst kommt eine SMS. Sie sieht aus, als käme sie von der Bank. Darin steht: Mit Ihrer Karte wurde etwas Verdächtiges bezahlt. Bitte rufen Sie diese Nummer an. Wer anruft, spricht mit einem Betrüger. Der tut so, als wäre er von der Bank. Er sagt: Ihre Karte ist in Gefahr. Sie müssen sie sofort zerstören. Dann erklärt er, wie: Die Karte zerschneiden. Nur der Chip darf nicht beschädigt werden.
Die Teile der Karte sollen in einen Briefumschlag. Der soll mit der Post an eine Adresse gehen. Oder ein „Bankmitarbeiter“ holt ihn zu Hause ab. In den Fällen, die das BACS kennt, stand kurz danach wirklich jemand vor der Tür. Er nahm den Umschlag mit. Dann wurde die Karte laut BACS „offenbar wieder zusammengeflickt“. Damit hoben die Betrüger Geld am Automaten ab. In einem Fall waren es über 10.000 Franken.
Vier Schritte bis zum leeren Konto
So beschreibt das BACS die gemeldeten Fälle.
SMS
Angeblich von der Bank: Etwas stimmt nicht mit Ihrer Karte. Bitte diese Nummer anrufen.
Anruf
Ein falscher Bankmitarbeiter sagt: Die Karte muss sofort zerstört werden. Manchmal soll man vorher mehr Geld freischalten.
Schere
Das Opfer zerschneidet die Karte selbst. Der Chip soll aber heil bleiben.
Abholung
Die Teile gehen per Post weg oder werden an der Haustür abgeholt. Danach wird Geld abgehoben.
Eine zerschnittene Karte mit heilem Chip ist keine kaputte Karte. Der Chip ist die Karte.
Warum eine zerschnittene Karte noch funktioniert
Das klingt unglaublich. Eine zerschnittene Karte – und damit kann man noch Geld abheben? Genau das denken auch die Opfer. Deshalb funktioniert der Trick. Wichtig ist, wie die Karte zerschnitten wird. Bleibt der kleine goldene Chip heil, kann er weiter funktionieren. Der Chip ist ein winziger Computer. Der Geldautomat liest den Chip. Betrüger können die Teile so zusammenkleben, dass der Chip wieder in den Automaten passt. Genau das soll laut BACS passiert sein. Das Amt schreibt vorsichtig: Die Karten seien „offenbar wieder zusammengeflickt“ worden.
Früher haben Betrüger Geldautomaten manipuliert. Sie bauten kleine Lesegeräte und Kameras ein. So kamen sie an Kartendaten und PIN. Das geht laut BACS heute kaum noch, weil der Chip so sicher ist. Also machen die Betrüger es anders. Sie bauen nichts mehr am Automaten um. Sie überreden das Opfer, ihnen den Chip einfach zu geben. Das Amt nennt das: Psychologie statt Technik.
Eine Frage ist noch offen. Zum Geldabheben braucht man auch die PIN. Wie kommen die Betrüger daran? Das BACS weiß es nicht sicher. Es vermutet: Die PIN wird im Telefongespräch abgefragt. Oder sie wird auf andere Weise herausgelockt. Für Sie ist wichtig: Die PIN gehört in kein Telefongespräch. Nie. Egal, wer anruft.

Warum so viele darauf hereinfallen
Bei der alten Masche sollte man eine ganze Karte einem fremden Menschen geben. Da werden viele misstrauisch. Bei der neuen Masche ist das anders. Man hat die Karte ja selbst zerschnitten. Man gibt also keine Karte weg – nur Abfall. So fühlt es sich an. Die Übergabe wirkt harmlos. Genau das ist der Trick.
Dazu kommt: Karten zerschneiden ist richtig. Das weiß jeder. Die Betrüger verlangen also nichts Verrücktes. Sie verlangen nur eine kleine Änderung von etwas Richtigem. Diese kleine Änderung – Chip heil lassen – klingt nach Technik. In der Aufregung fällt sie nicht auf.
Was die Anrufer sagen – und was eine Bank wirklich tut
Nach den Empfehlungen des BACS.
Die Betrüger
- Schicken eine SMS mit einer Telefonnummer
- Machen Druck: sofort handeln, sonst ist das Geld weg
- Lassen die Karte am Telefon zerschneiden
- Wollen den Chip per Post oder an der Haustür
- Fragen nach der PIN
- Lassen manchmal vorher mehr Geld freischalten
Eine echte Bank
- Holt keine Karten an der Haustür ab
- Holt auch keine Teile der Karte ab – keinen Chip, keine PIN, keine Passwörter
- Fragt am Telefon nie nach der PIN
- Lässt keine Karte am Telefon zerschneiden
- Sperrt eine Karte selbst – dafür braucht sie die Karte nicht in der Hand
Wer eine Karte wirklich kaputt machen will, schneidet durch den Chip. Wer den Chip heil lassen soll, wird gerade betrogen.
Wo die Masche bisher aufgetaucht ist
Für die Schweiz ist die Masche neu. Das BACS spricht von gemeldeten Fällen. Wie viele es sind, sagt das Amt nicht. Erfunden wurde der Trick aber nicht in der Schweiz. Die kanadische Bank RBC warnt auf ihrer Website davor: Opfer sollen die Karte zerschneiden, den Chip aber heil lassen. Die Betrüger kleben die Teile danach wieder zusammen. Die Polizei von Winnipeg in Kanada warnte am 24. September 2025 vor genau diesem Ablauf. Auch in den USA gibt es Warnungen von Banken und Behörden.
Für Österreich und Deutschland haben wir keine Warnung gefunden, in der genau dieser Trick beschrieben wird. Das heißt aber nicht, dass es ihn hier nicht gibt. Die alte Masche mit ganzen Karten läuft in Deutschland jedenfalls weiter. Die Polizei Aschaffenburg meldete Anfang September 2026 einen Fall: Nach einem Anruf holte ein Mann Karte und PIN ab. Danach hob er Geld ab. Die Polizei im Hochsauerlandkreis warnte im August vor mehreren solchen Fällen. Betrugsmaschen wandern schnell von einem Land ins andere. Rechnen Sie damit, dass dieser Anruf auch bei Ihnen kommen kann.
Was Sie tun sollten
Kommt so eine SMS oder so ein Anruf: Auflegen. Nicht diskutieren. Dann selbst bei der Bank anrufen. Nehmen Sie dafür die Nummer auf Ihrer Karte. Oder die Nummer auf der Website der Bank. Nicht die Nummer aus der SMS. Haben Sie schon eine Karte oder einen Chip weggegeben? Dann sofort die Karte sperren lassen. Sagen Sie der Bank, welche Abhebungen nicht von Ihnen sind. Und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
Das BACS rät außerdem: Seien Sie misstrauisch, wenn jemand Druck macht. „Sofort“, „jetzt gleich“, „sonst ist das Geld weg“ – so reden Betrüger. Fast alle Betrugsanrufe funktionieren so. Bei dieser Masche klappt es besonders gut, weil die Lösung so harmlos klingt.
Und bitte: Erzählen Sie das weiter. Ihren Eltern, Ihren Großeltern, Ihren Nachbarn. Die Betrüger suchen sich oft Menschen aus, die allein leben und niemanden fragen können.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, bevor Sie zur Schere greifen
- Wer hat angefangen?Rufen Sie nie die Nummer aus einer SMS oder E-Mail an. Suchen Sie die Nummer Ihrer Bank selbst heraus – auf der Karte oder auf der Website.
- Soll etwas heil bleiben?Wer eine Karte wegwirft, zerstört den Chip. Wenn jemand sagt, der Chip soll heil bleiben: Betrug.
- Will jemand etwas abholen?Banken holen nichts ab. Keine Karte, keine Teile, keine PIN, keinen Umschlag.
