Wer durch Facebook scrollt, stößt immer wieder auf solche Rechenbeispiele. Eine große Zahl, ein harter Vorwurf, aber kein belastbarer Nachweis.
Nein, Ärzte bekamen keine pauschalen 300 Euro pro Impfung. Der Beitrag wird in Deutschland und Österreich geteilt, belegt eine solche Vergütung aber nicht. Dokumentierte Honorare lagen bei Corona-Impfungen und anderen Standardimpfungen im niedrigen zweistelligen Bereich.
Im verbreiteten Facebook-Post wird gerechnet: 20.000 Injektionen mal 300 Euro gleich sechs Millionen Euro. Das wirkt eindeutig, ist es aber nicht. Schon die Grundlage fehlt, denn im Beitrag steht nicht, welche Impfung gemeint ist und woher der Betrag von 300 Euro stammen soll.
Die Rechnung ersetzt keine Quelle
Solche Zahlen verbreiten sich leicht, weil sie auf den ersten Blick präzise und plausibel wirken. Eine große Fallzahl, eine einfache Multiplikation und ein angeblich konkreter Euro-Betrag erzeugen schnell den Eindruck, hier sei etwas sauber belegt. Tatsächlich fehlt genau der entscheidende Nachweis für die zugrunde gelegte Summe.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Der Beitrag wird auch in Österreich geteilt, obwohl das gezeigte Beispiel aus Deutschland stammt. Im Bild genannt werden Erkner in Brandenburg und ein deutscher Arzt. So entsteht leicht der falsche Eindruck, die Behauptung betreffe unmittelbar auch Österreich.
Der im Post gezeigte Verweis auf die „Galerie des Grauens“ belegt kein reguläres ärztliches Impfhonorar. Dort findet sich kein Nachweis dafür, dass Ärztinnen oder Ärzte für jede einzelne Impfung 300 Euro erhalten hätten.
In Österreich lagen die Sätze niedriger
Für Österreich sind dokumentierte Honorare deutlich niedriger. Im öffentlichen Impfprogramm in Arztpraxen nennt die Österreichische Gesundheitskasse ab 1. Oktober 2025 ein Impfhonorar von 16 Euro, davor 15 Euro. Laut Ärztekammer Oberösterreich liegen die Sätze ebenfalls in diesem Bereich. Für Impfungen außerhalb von Aktionen werden zwar teils höhere Empfehlungstarife genannt, aber auch diese liegen klar unter 300 Euro.
Auch frühere Covid-Regelungen zeigen keine solche Pauschale. In einem Schreiben der Ärztekammer Wien aus 2021 wurden 25 Euro für den Erststich und 20 Euro für den Zweitstich genannt. Zusätzlich war für Einsätze in Impfstraßen ein Stundensatz von 150 Euro vorgesehen. Das war ein Honorar pro Stunde, nicht pro Impfung.
Auch in Deutschland passt die Zahl nicht
In Deutschland ergibt sich dasselbe Bild. Ab November 2021 waren für Corona-Schutzimpfungen in der Regel 28 Euro abrechenbar, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen 36 Euro. Hinzu kamen einzelne Zuschläge, etwa für Hausbesuche oder reine Impfberatungen.
Auch bei anderen Schutzimpfungen liegen die Vergütungen meist im ein- bis niedrigen zweistelligen Bereich. Regionale Impfvereinbarungen nennen feste Euro-Beträge, aber keine allgemeine 300-Euro-Pauschale pro verabreichter Dosis.
Rechnet man die im Post genannten 20.000 Impfungen mit belegten Sätzen durch, ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Bei 28 Euro wären es in Deutschland 560.000 Euro, bei 15 Euro in Österreich 300.000 Euro. Selbst das wäre Umsatz, nicht persönlicher Gewinn, weil davon Personal, Räume, Material und Organisation bezahlt werden müssen.
Die Zahl stammt wohl aus Vermischungen
Die 300-Euro-Zahl könnte aus einem anderen Zusammenhang stammen. In Österreich wurde 2021 über betriebliche Impfprämien berichtet, bei denen Teams eine Prämie erhielten, wenn eine bestimmte Impfquote erreicht wurde. Das war aber keine ärztliche Vergütung pro Impfung.
Denkbar ist auch eine Verwechslung mit anderen Vergütungsmodellen rund um Impfaktionen. Die ÖGK weist etwa darauf hin, dass bei Impfungen in Betrieben Honorar und organisatorischer Aufwand individuell vereinbart werden. Solche Sonderfälle belegen aber keine allgemeine Pauschale von 300 Euro pro Impfung.
Denkbar ist außerdem eine Verwechslung mit Stundensätzen in Impfstraßen. Wer aus 150 Euro pro Stunde in sozialen Netzwerken schnell 300 Euro macht, erzeugt damit Empörung. Aus einem Einsatzshonorar wird dann in der Erzählung ein Stückpreis pro Injektion.
So funktionieren viele irreführende Beiträge: Eine echte Zahl wird aus ihrem Zusammenhang gelöst und mit einer neuen Behauptung aufgeladen. Der Facebook-Post liefert keine Quelle für 300 Euro pro Impfung, aber eine Rechnung, die auf den ersten Blick sauber wirkt.
FAQ zum Thema: 300 Euro pro Impfung
Hat ein Arzt wirklich 300 Euro pro Impfung bekommen?
Nein, dafür gibt es keinen belastbaren Beleg. Dokumentierte Honorare in Deutschland und Österreich lagen bei Impfungen deutlich darunter, meist im niedrigen zweistelligen Bereich.
Woher stammt die Aussage über 300 Euro pro Impfung?
Die genaue Herkunft bleibt unklar. Möglich sind Verwechslungen mit Stundensätzen in Impfstraßen oder mit betrieblichen Impfprämien, die nichts mit einem Honorar pro Impfung zu tun hatten.
Wie prüft man solche Impf-Honorare im Internet?
Am besten sucht man nach offiziellen Abrechnungsregeln von Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen oder Ärztekammern. Fehlt im viralen Post eine konkrete Quelle, ist das bereits ein Warnsignal.
War die Rechnung mit 20.000 Impfungen und sechs Millionen Euro korrekt?
Nein, weil schon der angesetzte Betrag von 300 Euro pro Impfung nicht belegt ist. Mit dokumentierten Honoraren fällt das Ergebnis deutlich niedriger aus.
Geht es bei der Behauptung um Corona-Impfungen?
Das liegt nahe, weil der Beitrag auf Dezember 2022 Bezug nimmt. Im Post selbst wird Covid-19 aber nicht ausdrücklich genannt.
Fazit: Ein Facebook-Post behauptet 300 Euro Honorar pro Impfung und rechnet bei 20.000 Injektionen Millionenbeträge vor. Das ist falsch: Belegte Impfhonorare lagen in Deutschland und Österreich klar darunter. Offenbar werden Stundensätze, Sonderregelungen oder Prämien mit Impf-Honoraren vermischt.
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