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Belgien könnte klagen: Experte hält FIFA-Begnadigung für rechtswidrig und warnt vor Folgen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Belgien könnte klagen

Experte hält FIFA-Begnadigung für rechtswidrig und warnt vor Folgen

Berichten zufolge ruft Donald Trump bei der FIFA an und wenig später ist die Rot-Sperre des US-Torjägers Folarin Balogun fürs WM-Achtelfinale aufgehoben. Ein Anwalt hält das Vorgehen für rechtswidrig. Der Fall könnte juristische Folgen haben.

Die überraschende Aufhebung der Rotsperre für US-Stürmer Folarin Balogun für das WM-Achtelfinale wird von Sportrechtsexperten sehr kritisch beurteilt. „Der Beschluss der FIFA, die Rote Karte für das nächste Spiel aufzuheben und zur Bewährung auszusetzen, ist rechtswidrig. Die FIFA ignoriert die fundamentalen Grundsätze des Sportrechts, nämlich Regeltreue und die Unumstößlichkeit von Tatsachenentscheidungen durch die Schiedsrichter“, erläuterte Thomas Summerer, Fachanwalt für Sportrecht in München.

Der 25 Jahre alte Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen und Druck ausgeübt haben, die Sperre zu überprüfen. „Die Sperre für das nächste Spiel tritt automatisch in Kraft und eröffnet keinen Ermessensspielraum. Das hatte die FIFA in einem Schreiben an die Fußballverbände vor Beginn der WM sogar noch bekräftigt. Deshalb ist ein Rückgriff auf die Aussetzungsoption nach Artikel 27 Disziplinar-Code systemwidrig“, führte Summerer aus.

Schiri-Experte: FIFA-Entscheidung „in Teilen unerträglich“

„Fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt“

Der Fall könnte sogar juristische Folgen nach sich ziehen. „Falls der Spieler im nächsten Spiel eingesetzt wird, ist dieses Spiel durch einen Verstoß gegen die Statuten infiziert und würde dazu führen, dass Belgien im Fall einer Niederlage das Ergebnis anfechten kann. Damit wäre der gesamte weitere Turnierverlauf gefährdet“, so der Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportrecht. „Im Übrigen hat die FIFA durch diesen Fauxpas ihren eigenen Slogan „For the good of the game“ ins Gegenteil verkehrt.“

Sportrechts-Anwalt Christoph Schickhardt reagierte mit Unverständnis auf die zur Bewährung ausgesetzte Sperre. „Die Regel, dass ein Platzverweis mindestens ein Spiel Sperre bedeutet, ist eingemeißelt in das internationale Sportrecht. Das ist eine Grundregel, die unerschütterlich ist“, sagte er der „Ludwigsburger Kreiszeitung“. „Der ganze Vorgang wirft eindeutig Fragen auf. Unter erfahrenen Sportrechtlern löst das nur Kopfschütteln aus, weil so ein Fall eigentlich ausdiskutiert ist.“

Bei dieser roten Karte soll Trump interveniert haben

Video poster

Auch der langjährige DFB-Sportgerichtschef Hans E. Lorenz kritisiert die FIFA wegen der aufgehobenen Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun scharf und warnt vor möglichen Folgen. „Das ist ein fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt. Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese Entscheidung berufen“, sagte Lorenz dem „Kicker“.

Es werde größter Anstrengungen bedürfen, um diese Entwicklung einzufangen, betonte der frühere Vorsitzende des DFB-Sportgerichts zum Urteil des Weltverbands FIFA, für den er bis vor vier Wochen noch als Mediator tätig war. Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war und war für ein Spiel gesperrt worden. Die FIFA setzte die Sperre später für ein Jahr zur Bewährung aus, nachdem Medien zufolge US-Präsident Donald Trump interveniert haben soll.

Klopp wütet: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“

Video poster

„Bei diesem Foul – auch wenn sicher keine Verletzungsabsicht dabei war – nur ein Spiel Sperre zu geben, ist ein Geschenk. Dies nun auszusetzen, ist ein Skandal“, sagte Lorenz und kritisierte, dass die FIFA allen Verbänden seit Jahrzehnten mit Sanktionen drohe, sollten sie das Prinzip der Mindestsperre von einem Spiel missachten. „In der Bundesliga hätte Balogun wohl drei Spiele bekommen wegen rohen Spiels, dann hätte man über eine Reduzierung auf zwei diskutieren können. Aber so ist das nun wirklich skandalös“, erklärte Lorenz.

Verwendete Quellen: ntv.de, mar/dpa

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