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Politik

Chinesischer Satellit – Spionagemission gegen den Westen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 13, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 13.10.2026 • 06:00 Uhr

Ein chinesischer Spionagesatellit positioniert sich laut Recherchen von WDR, NDR und SZ in der Nähe eines westlichen Satelliten, der auch von der Bundeswehr genutzt wird. Militärs fürchten ein Ausspähen vertraulicher Kommunikation.

Von Manuel Bewarder, NDR/WDR, und Florian Flade, WDR

Was sich seit einiger Zeit rund 36.000 Kilometer entfernt von der Erde abspielt, das kann man durchaus als ein unfreiwilliges Rendezvous bezeichnen. Der bislang öffentlich unbekannte Vorgang hat nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) in der Bundeswehr für Aufsehen gesorgt: Ein Satellit, der offenbar auch vom deutschen Militär für Kommunikation genutzt wird, soll von einem anderen Satelliten verfolgt werden.

Demnach soll sich ein chinesischer Satellit, bei dem es sich nach Erkenntnissen westlicher Militärs um einen für Spionagezwecke handeln soll, in die Nähe eines Satelliten des britischen Unternehmens Inmarsat bewegt haben. In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass im Zuge dieser Manöver, die offenbar seit ein paar Monaten beobachtet werden, vertrauliche Kommunikation ausgespäht werden soll.

Bundeswehr nutzt Inmarsat

Die britische Firma Inmarsat, seit 2023 eine Tochter des US-Unternehmens Viasat, unterhält eine Flotte von mehr als einem Dutzend Satelliten, darunter überwiegend sogenannte geostationäre Satelliten. Sie bewegen sich ungefähr auf der Höhe des Äquators synchron mit der Erdrotation. Die Inmarsat-Satelliten werden von unterschiedlichen Kunden genutzt, um weltweit kommunizieren zu können. Unter anderem die Bundeswehr nutzt Inmarsat, ebenso die Ukraine. Die Bundeswehr selbst betreibt bislang nämlich nur eine einstellige Anzahl von eigenen Satelliten. Um aber den notwendigen Datenverkehr sicherzustellen, arbeitet sie mit privaten Satellitenbetreibern zusammen.

Nach Informationen von WDR, NDR und SZ soll Kunden von Inmarsat vor wenigen Tagen geraten worden sein, die Frequenzen ihrer Kommunikation zu ändern, um es einem Lauschangriff des chinesischen Satelliten so schwierig wie möglich zu machen. Experten allerdings erklärten im Hintergrund, dass man dadurch einer Ausspähung kaum entgehe, da der chinesische Satellit in seiner aktuellen Position wohl umfassend Frequenzen abgreifen könne. Der Inmarsat-Mutterkonzern Viasat äußerte sich bislang nicht zu einer Anfrage.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte sich „aus Gründen der militärischen Sicherheit“ grundsätzlich „nicht zu potenziellen oder konkreten Beobachtungen oder Bedrohungen unserer oder verbündeter Weltrauminfrastruktur“ äußern. Das Weltraumkommando der Bundeswehr überwache „fortlaufend die Lage im Weltraum“.

Französisches Unternehmen bestätigt Annäherung

Die Informationen über die Annäherung bestätigt indes das französische Unternehmen Aldoria, ein Unternehmen aus der Raumfahrtbranche, das sich auf die Überwachung des Weltraums und die Beobachtung von Satelliten spezialisiert hat. Es arbeitet unter anderem mit der französischen Raumfahrtagentur und dem Weltraumkommando des französischen Militärs zusammen.

Laut den Daten von Aldoria soll sich der chinesische Satellit TJS-20 dem Inmarsat-Satelliten zeitweise auf etwa 100 Kilometer genähert haben – eine Distanz, die im Weltraum als ungewöhnlich nah gilt. „Eine solche Annäherung ist nicht der Normalfall. Man kann davon ausgehen, dass eine solche Nähe daran liegt, dass man ein Interesse an dem anderen Satelliten hat“, sagt Norbert Pouzin von Aldoria.

Seinen Angaben zufolge hat sich TJS-20 keinem anderen Satelliten aus NATO-Staaten auf vergleichbare Weise genähert. „Das Flugmanöver zeigt, dass China nicht nur seine Fähigkeiten im Weltraum in den letzten Jahren massiv weiterentwickelt hat, sondern auch zunehmend offen demonstriert und damit auch kommerzielle Satellitendienste bedroht“, sagt Pouzin.

Im Oktober 2025 ins All geschossen

Der chinesische Satellit TJS-20 wurde im Oktober 2025 ins All geschossen. TJS ist die Abkürzung für Tongxin Jishu Shiyan, Chinesisch für „Kommunikationstechnik-Test“. Es ist der Name eines geheimen staatlichen Space-Programms der Volksrepublik China. Offiziell heißt es, die TJS-Satelliten würden für Tests von Datenübertragungen eingesetzt. Fachleute und auch westliche Geheimdienste gehen allerdings davon aus, dass es sich um Satelliten handelt, mit denen Spionage betrieben werden kann.

Die chinesische Botschaft in Berlin hat bislang nicht auf eine Anfrage geantwortet.

Innerhalb des TJS-Programms werden zwei Gruppen von Satelliten unterschieden: „Huoyan“, übersetzt „Feuerauge“, heißt die erste. Dabei soll es sich um Satelliten handeln, mit denen China gegnerische Raketenbasen, etwa US-amerikanische Atomwaffen-Stützpunkte, im Blick behalten möchte – als Frühwarnsystem vor Angriffen. Daneben gibt es Satelliten wie TJS-20, die zur Kategorie „Qianshao“, Chinesisch für „Vorposten“, gehören sollen. Mit ihnen kann offenbar elektronische Spionage in weit entfernten Umlaufbahnen durchgeführt werden.

Satelliten, die auf einer Mission zum Ausspähen sind, bewegen sich laut Sicherheitskreisen oft in einen kegelförmigen Bereich herein, aus dem sie die Datenübertragung zwischen dem Satelliten und den Stationen am Boden überwachen können. Die meisten sensiblen Inhalte sollen zwar auch bei der Kommunikation über private Satelliten verschlüsselt sein.

Frequenzen können mitgelesen werden

Aber: Die jeweils genutzten Frequenzen etwa können mitgelesen und ausgewertet werden, ebenso der Zeitpunkt der Nutzung – und schließlich neben der Steuerung des Satelliten auch die Information, mit welchen Bodenstationen überhaupt Austausch herrscht. Im Konfliktfall könnten diese Stationen am Boden angegriffen werden, um den Satelliten auszuschalten.

Über solch mutmaßliche Ausspähmanöver durch China ist bislang wenig bekannt – anders dagegen Russland: Seit mehreren Jahren machen westliche Sicherheitsbehörden die beiden Kommunikationssatelliten „Luch-1“-Olymp und „Luch-2“-Olymp für Ausspähungen im Weltraum verantwortlich. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte vor etwa einem Jahr sogar öffentlich erklärt, dass zwei russische Spionagesatelliten von der Bundeswehr genutzte Satelliten überwachten. Russland hat derartige Vorwürfe in der Vergangenheit stets zurückgewiesen.

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