Cosco greift nach Logistiker Bund will weitere chinesische Übernahme am Hamburger Hafen verhindern
Die umstrittene chinesische Staatsreederei Cosco hegt Übernahmepläne für eine Hamburger Spedition. Das Kartellamt hat keine Bedenken, die Bundesregierung jede Menge. Denn der Mittelständler fährt auf strategisch wichtigen Strecken.
Nach der großen Aufregung um den Einstieg von Cosco bei einem Terminal des Hamburger Hafens schiebt die Bundesregierung der chinesischen Staatsreederei bei einem weiteren Übernahmeversuch einen Riegel vor. Diesmal hat es China auf die Spedition Zippel abgesehen. Diese ist zwar nicht groß, aber auf entscheidenden Routen unterwegs. Die Bundesregierung sieht deshalb „erhebliche Sicherheitsbedenken“ und will den Verkauf stoppen, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf ein internes Dokument berichtet.
Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, welche „im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“, heißt es demnach unter dem Vermerk „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“. Cosco will sich mit 80 Prozent an Zippel beteiligen, das Bundeskartellamt hatte bereits grünes Licht gegeben. Zippel-Geschäftsführer Axel Plaß sagte im Sommer, „Zippel mit rund anderthalb Prozent Marktanteil ist die öffentliche Aufregung nicht wert“.
Dem Verfassungsschutz dagegen bereiten die „kumulativen Erwerbsvorhaben“ des chinesischen Staatskonzerns in Deutschland und dem Rest der EU Sorgen, wie im Frühjahr aus Sicherheitskreisen verlautete. Im Fall Zippel wäre nicht nur die innerdeutsche Logistik, sondern auch Deutschlands Verteidigungsfähigkeit betroffen, führt die Zeitung aus.
Die 1876 gegründete Hamburger Spedition Konrad Zippel mit rund 250 Beschäftigten ist auf Containertransporte per Lkw und Zug zwischen den Häfen Hamburg und Bremerhaven und Ostddeutschland spezialisiert. Rund 80 Millionen Euro Umsatz macht der Mittelständler dem Bericht zufolge. Insgesamt hat Zippel zwar keinen hohen Marktanteil, an den Terminals Berlin, Schkopau in der Nähe von Halle und Elsterwerda allerdings einen Anteil am Umschlag zwischen 35 und 90 Prozent, wie es demnach in dem geheimen Regierungsdokument heißt.
Erpressungspotenzial und Spionagevorwürfe
Damit spiele Zippel auch für die logistische Unterstützung der Bundeswehr eine wichtige Rolle, hieß es laut „Handelsblatt“ vom Verteidigungsministerium. Im Konfliktfall sei die Logistik zur deutschen Ostgrenze für die Nato relevant.
„Von China beeinflusste Elemente der europäischen Transportinfrastruktur stünden im Konflikt- oder Krisenfall nicht oder zumindest nicht uneingeschränkt zur Verfügung“, zitiert die Zeitung den Verfassungssschutz. Ein denkbarer Konflikt mit China wäre auch ein Angriff der Volksrepublik auf Taiwan. Je mehr chinesische Kontrolle über das deutsche Logistiknetz, desto erpressbarer wäre Deutschland in einem solchen Fall.
Cosco ist eine der größten Reedereien der Welt und hat seit 2023 eine Minderheitsbeteiligung an der Betreibergesellschaft des Container-Terminals Tollerort im Hamburger Hafen. Auch vor dieser Beteiligung wurde vor dem wachsenden strategischen Einfluss Chinas auf die deutsche Infrastruktur gewarnt. Ursprünglich wollte Cosco eine Beteiligung von 35 Prozent an dem Terminal, genehmigt wurden am Ende 24,99 Prozent.
Gegen eine Übernahme von Zippel haben sich neben dem Verteidigungsministerium und dem federführenden Wirtschaftsministerium laut dem Bericht auch das Außen-, Innen- sowie das Finanzministerium ausgesprochen. Gerade erst haben die USA schwere Vorwürfe gegen Cosco erhoben. US-Regierungskreisen zufolge haben Cosco-Schiffe Hightech-Spionageausrüstung an Bord. Damit werde die Militärkommunikation von Schiffen und Flugzeugen an bestimmten Küsten ausgehorcht, sagten zwei hochrangige Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Die chinesische Botschaft wies die Vorwürfe zurück.
