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Dank KI-Boom: So viele Start-ups gegründet wie noch nie

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 7, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 07.07.2026 • 09:54 Uhr

In Deutschland wurden zuletzt mehr als 3.000 Start-ups gegründet – ein neuer Rekord. Jede dritte neue Firma hat dabei einen KI-Bezug. Ein Kernfusions-Start-up aus München erreichte nun eine Milliardenbewertung.

Noch nie sind in Deutschland so viele neue Start-ups entstanden wie im ersten Halbjahr. Von Anfang Januar bis Ende Juni wurden 3.053 neue Firmen gegründet, wie eine neue Studie des Start-up-Verbands zeigt. Das seien 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025 und mehr als im ganzen Jahr 2024. „Über 3.000 neue Start-ups in sechs Monaten – so viel Gründungsdynamik gab es in Deutschland noch nie“, sagte Verena Pausder, Vorstandschefin des Verbands.

Zentraler Treiber sei Künstliche Intelligenz (KI), die es Gründern ermögliche, schneller und einfacher mit weniger Kapital zu starten. „KI senkt die Hürden fürs Gründen deutlich und immer mehr Menschen nutzen diese Chance.“

Gründen als Ausweg aus der Krise

1.038 der neu gegründeten Start-ups und damit mehr als ein Drittel haben einen klaren KI-Bezug, so die Studie, für die die Analysefirma Startupdetector Handelsregisterdaten ausgewertet hat. Der Software-Sektor bleibe mit 844 Gründungen die mit Abstand stärkste Branche. Daneben zählen die Medizin (274) und der Lebensmittel-Sektor (181) zu den gründungsstärksten Feldern.

Allerdings spiele dabei auch die Wirtschaftskrise und der angespannte Arbeitsmarkt eine Rolle: „Für viele Talente wird die eigene Gründung zur attraktiven Alternative, während etablierte Unternehmen bei Neueinstellungen deutlich zurückhaltender geworden sind.“

Berlin Nummer eins, Hamburg vor München

Der Aufwärtstrend, der Mitte 2025 eingesetzt habe, gewinnt laut Start-up-Verband an Tempo. Der Juni 2026 sei mit über 600 Neugründungen der gründungsstärkste Monat seit Beginn der Erhebung 2019 gewesen.

Die Zahl neuer Start-ups wuchs demnach in allen Bundesländern, darunter Bayern (626 Gründungen, plus 48 Prozent), Nordrhein-Westfalen (539, plus 45 Prozent) und Baden-Württemberg (377, plus 55 Prozent).

Im Städtevergleich gab es in Hamburg das größte Plus: Dort entstanden den Angaben zufolge 212 neue Start-ups (plus 83 Prozent) und damit erstmals seit Jahren mehr als in München. Berlin bleibe mit 429 Gründungen die klare Nummer eins, wachse aber mit plus 21 Prozent relativ langsam.

Kernfusions-Start-up erreicht Bewertung von 2,4 Milliarden Euro

Auch an der Spitze der Gründerbranche tut sich laut Start-up-Verband etwas: Seit Jahresbeginn sind sechs Start-ups mit Milliardenbewertung hinzugekommen, sodass Deutschland nun 36 solcher „Unicorns“ zähle. Eines davon ist das Münchner Kernfusions-Start-up Proxima Fusion, das bei einer aktuellen Finanzierungsrunde 411 Millionen Euro eingeworben und dabei eine Bewertung von mehr als 2,4 Milliarden Euro erreicht hat.

Damit sei man das bestfinanzierte Kernfusionsunternehmen Europas und zähle zu den höchstbewerteten Branchenvertretern weltweit, teilte Proxima mit. Zudem sei eine Bedingung für eine Förderung durch den Freistaat Bayern in Höhe von weiteren 400 Millionen Euro erfüllt. Im Wettlauf mit Rivalen aus den USA und China will Proxima in rund fünf Jahren ein Pilotkraftwerk vorstellen, das tatsächlich Strom ins Netz leitet.

Die Bundesregierung hat zum Ziel erklärt, dass der erste Fusionsreaktor der Welt in Deutschland gebaut werden soll, um eine weitere Energiequelle zu erschließen. Anders als in traditionellen Kernkraftwerken soll bei der Kernfusion Energie nicht aus der Spaltung, sondern aus der Verschmelzung von Atomen gewonnen werden.

US-Markt deutlich größer

Nichtsdestotrotz bleibt der Abstand zu den USA, wo viel mehr Wagniskapital an Gründer fließt, dem Start-up-Verband zufolge groß: Dort gebe es mehr als 900 Startups mit Milliardenbewertung. Zuletzt seien mit Tubulis und Contentful zudem gleich zwei deutsche Unicorns von US-Konzernen übernommen, so der Verband.

In Europa fehle ein starker Kapitalmarkt, sagte Pausder. Steuerliche und regulatorische Hürden für Wagniskapital müssten durch Anreize für Investoren ersetzt werden.

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