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„Die Stockholm Protokolle“: Eine Story, die die Regierung stürzen kann

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 11, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Die Stockholm Protokolle“Eine Story, die die Regierung stürzen kann

11.07.2026, 12:51 Uhr Von Thomas Badtke
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„Die Stockholm Protokolle“ bieten tiefe Einblicke hinter die Kulissen der politischen Macht. (Foto: IMAGO/Panthermedia)

Er ist Regierungschef. Charismatisch, beliebt. Dennoch wittert Investigativjournalistin Julia eine Story, glaubt an eine dunkle Seite des Machthabers. Das Problem: Julias Mann wird zu seinem Pressesprecher ernannt. Soll sie so mundtot gemacht werden? Ein Leichenfund sorgt für zusätzliche Brisanz.

Namen sind Schall und Rauch. In dieser Geschichte spielen sie keine Rolle, denn es ist der Plot, auf den es ankommt. Er hat das Zeug, eine demokratisch gewählte Regierung hinwegzufegen. Die Namen der Protagonisten sind dabei Nebensache. Es gilt aber auf alle Fälle das Motto: „… keep your enemies closer“.

Eigentlich liebt Julia ihren Job. Sie ist Investigativjournalistin bei einer der angesehensten Zeitungen des Landes. Nur gerade schmeckt er ihr nicht, denn sie wurde ausgebootet, kaltgestellt. Der Grund ist eine Story von ihr über eine Ministerin, die aus ihrem Amt geflogen ist. Für Julia war die Ministerin aber nur ein Bauernopfer, vielleicht eines, das den Ministerpräsidenten schützen sollte. Ein Konservativer, aus gutem Haus. Privatschule, Jugendorganisation der Partei, Abstecher nach Brüssel, nun Regierungschef.

Es gibt Gerüchte, dass er mit der „neuen Rechten“ zusammenarbeitet, im Geheimen, verborgen vor den Augen und Ohren der breiten Öffentlichkeit. Verheiratet, liebender Familienvater. Kein Wässerchen scheint ihn trüben zu können. Für Julia lässt all das nur einen Schluss zu: Er hat Dreck am Stecken. Und sie muss herausfinden, welchen.

„Boys from Brussels“

Da erhält Julias Mann das Angebot, neuer Pressesprecher des Ministerpräsidenten zu werden. Er nimmt an, auch weil er nach Jahren des Kürzertretens der beiden Kinder und Julias Job wegen beruflich durchstarten will. Das PR-Geschäft kennt er, denn er arbeitete bisher in diesem Bereich für ein grünes Energieunternehmen. Julia hält ihren Mann für naiv, ahnt sie doch, dass sie selbst durch diesen Move ins berufliche Abseits gedrängt werden soll. Mundtot gemacht, nennt sie das.

Aber Julia wäre nicht Julia, wenn sie im Geheimen weiter recherchieren würde. Während ihr Mann in seiner Rolle als Pressesprecher des Regierungschefs einem Minister, der über die Stränge geschlagen hat, sprichwörtlich Arsch und Job rettet und damit sein Ansehen bei den Kollegen wächst, lässt Julia ihre Kontakte nach Brüssel spielen. Dort arbeitet eine langjährige Freundin von ihr – und es scheint bei EU-Treffen „terminliche“ Unstimmigkeiten rund um den Ministerpräsidenten und seinen Stabschef gegeben zu haben. Keine große Sache. Eigentlich.

Julia wittert Morgenluft, als sie über einen Namen stolpert. Ein hauptsächlich im Verborgenen arbeitender Lobbyist mit Verbindungen nach „ganz oben“. Julia findet heraus, dass sich der Ministerpräsident und der Lobbyist schon sehr, sehr lange kennen, aber diese Bekanntschaft nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht ist. Warum eigentlich? Dieser Frage geht Julia nun nach – und auch ihr Mann stößt in einem anderen Zusammenhang auf den Namen des Lobbyisten. Das Paar scheint in ein Wespennest gestochen zu haben, denn kurz darauf werden sie beschattet, verfolgt und in ihr Haus wird eingebrochen. Sind sie, sind ihre Kinder in Lebensgefahr? Eine plötzlich auftauchende Frauenleiche in Brüssel, alles sieht zunächst nach einem vermeintlichen Selbstmord aus, scheint diese These zu untermauern. Das Paar muss in die Offensive gehen – und mit seiner noch recht dürftig erscheinenden Story an die Öffentlichkeit!

Mehr, mehr, mehr!

Wie gesagt: Namen spielen keine Rolle. Sie sind austauschbar. Siedeln wir die ganze Geschichte einmal in Schweden an und nennen sie „Die Stockholm-Protokolle“. So haben es zumindest der Bestsellerautor und EU-Experte Joakim Zander und die jahrelang als Redenschreiberin für den schwedischen Ministerpräsidenten arbeitende Moa Berglöf gemacht. Herausgekommen ist dabei ein bei Rowohlt und Argon erschienenes Werk, das mit seinen tiefen Einblicken hinter die Kulissen der politischen Macht und mit Detailreichtum und -treue fesselt. Absolut faszinierend!

Als Hörbuch kann es mit dem hervorragenden Sprecherduo Ulrike Kapfer und Peter Lontzek glänzen. Beide sind absolut Thriller-affin, können die leisen ebenso wie die lauten Töne. Und das passt hier hervorragend: Julia und ihr Mann haben Höhen und Tiefen, beruflich und privat. Sie versuchen all ihre Wünsche und Ziele unter einen Hut zu bringen und ganz nebenbei noch eine vierköpfige Familie zu managen, inklusive einer renitent kaputten Spülmaschine. Der Alltag ist schon schwierig genug, da braucht man nicht noch einen Scoop, der den größten Skandal der jüngsten schwedischen Geschichte beinhalten könnte. Aber da gibt es ja auch noch so Dinge wie gesellschaftliche Verantwortung, Moral, Anstand. Man darf gespannt sein, wie Zander und Berglöf die Reihe weiterführen.

Quelle: ntv.de

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