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Diese Fähigkeiten sind gefragt: Chance für Schulabbrecher: Mit Wille und Soft Skills zum Erfolg

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Diese Fähigkeiten sind gefragt Chance für Schulabbrecher: Mit Wille und Soft Skills zum Erfolg

Wer keinen Schulabschluss hat, muss mit Einstellung und praktischen Fähigkeiten überzeugen. (Foto: dpa)

Für junge Menschen ohne Schulabschluss ist es nicht leicht, einen Ausbildungsplatz zu ergattern oder einen Job zu bekommen. Aber alles andere als unmöglich. So kann es funktionieren.

Immer mehr junge Menschen verlassen die Schule ohne einen Abschluss. Im Schuljahr 2024/2025 sollen laut der Recherche-Plattform „Correctiv“ mehr als 64.000 junge Menschen ohne einen Abschluss in der Tasche von der Schule gegangen sein. Wie geht es nun weiter für sie?

„Diese jungen Menschen brauchen professionelle Unterstützung und vor allem Leute, die ihnen Mut machen“, sagt Anke Burmeister von der Beratungsstelle für arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene der Stadt Düsseldorf. Denn hinter einer erfolglosen Schulkarriere steckt mehr als auf den ersten Blick sichtbar ist: Schulabgänger ohne Abschluss sind oft sehr belastet. Etwa von Lernschwierigkeiten, mangelnden Sprachkenntnissen, einem fehlenden unterstützenden Umfeld in der Familie oder Angststörungen.

Das alles sei aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Die betroffenen Menschen zu begleiten auf ihrem Weg in eine weitere Schul- und Berufsausbildung oder in ein Arbeitsverhältnis, ist oft ein langsamer Prozess“, so Burmeister. Aber auch wenn es am Anfang erst mal mühsam scheint – es ist möglich. Wichtig ist: dass die jungen Menschen sich Hilfe suchen. Zum Beispiel bei Beratungsstellen der Jugendhilfe, der Berufsberatung der Agenturen für Arbeit oder der Arbeitsvermittlung U25 der Jobcenter.

Genug Schule – jetzt erst mal arbeiten?

Leider sind die Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt für Menschen ohne Schulabschluss begrenzt. „Es gibt natürlich Branchen, die ungelernte Tätigkeiten anbieten“, sagt Burmeister. Hier müsse man aber davon ausgehen, dass an vielen Stellen Bewerbende ohne Schulabschluss mit höher qualifizierten Personen, beispielsweise mit Werkstudierenden, konkurrieren. Werkstudierende würden aufgrund der geringeren Lohnnebenkosten an vielen Stellen bevorzugt eingestellt. Aber: Gezielte Unterstützungs- und Förderangebote können Schulabbrechern in die Betriebe helfen.

Offenheit für Menschen ohne Schulabschluss ist auch eine Frage der Branche. Realistische Einstiegsmöglichkeiten gibt es laut Burmeister vor allem im Baugewerbe, Gerüstbauer-Handwerk und Einzelhandel, in der Gastronomie, bei Lieferdiensten und bei Paketzustelldiensten.

„Hier können gute Kontakte im persönlichen Umfeld hilfreich sein, um an einen Job zu kommen“, sagt Burmeister. Mitunter bieten Teile des Handwerks, der Logistik oder einzelne Dienstleistungsbereiche jungen Menschen ohne Schulabschluss nicht nur eine Helfertätigkeit, sondern auch einen Ausbildungsplatz.

Diese Fähigkeiten sind gefragt

Und was sollten junge Leute mitbringen? „Entscheidend sind Motivation, Einsatzbereitschaft und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln“, sagt Irmgard Pirkl von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Das Ziel sollte immer der Abschluss einer Ausbildung sein. Denn: Als Fachkraft haben junge Erwachsene die besten Zukunftschancen. Und mit dem erfolgreichen Ausbildungsabschluss erhalten junge Leute ohne Schulabschluss automatisch den Hauptschulabschluss, so Burmeister.

Ob bei einer Helfertätigkeit, für die kein Schulabschluss zwingend nötig ist, oder bei einer Ausbildung: Ein Muss im Arbeitsleben sind außerdem Soft Skills, also persönliche und soziale Kompetenzen eines Menschen. Diese Fähigkeiten sind für Menschen ohne Schulabschluss oft herausfordernd – denn die belastenden Faktoren, die zum Abbruch der Schule geführt haben, wirkten auch über die Schulzeit hinaus, sagt Burmeister.

Die gute Nachricht: Über Coachingangebote können Schulabbrecher diese Fähigkeiten erlernen. In berufsorientierenden/berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen lernen die jungen Erwachsenen gezielt auch Soft Skills.

Muss man einen Abschluss nachholen?

„Der Schulabschluss ist ein erster wichtiger Meilenstein für das spätere Berufsleben“, sagt Pirkl. Entscheidend für die langfristigen Chancen am Arbeitsmarkt sei jedoch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Burmeister sieht das ähnlich: „Je mehr praxisbezogene Qualifikationen man erworben hat und je stabiler und besser man sich in das konkrete Arbeitsumfeld integrieren kann, desto mehr rückt der Schulabschluss in den Hintergrund“, sagt sie.

Doch mit Schulabschluss ist die Auswahl an Berufen größer, die Chancen, einen Ausbildungsplatz, der wirklich den Neigungen entspricht, zu finden, sind höher. Deshalb ist das Nachholen eines Schulabschlusses ein gutes Investment.

Diese Möglichkeiten gibt es

Über verschiedene Angebote der Erwachsenenbildung gibt es die Möglichkeit, einen Schulabschluss bis hin zum Abitur nachzuholen. „Häufig sind die Unterrichtszeiten so gestaltet, dass die Lernenden Zeit für eine Erwerbstätigkeit haben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern“, so Burmeister.

Eine andere Option: Auch im Rahmen von berufsorientierenden/berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen lässt sich ein Schulabschluss erwerben. „Bei solchen Maßnahmen besuchen die Teilnehmenden häufig an wöchentlich zwei Tagen den Unterricht“, so Burmeister. Wie solche berufsorientierenden/berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen konkret aussehen, ist laut Burmeister regional verschieden.

Daneben gibt es noch andere Angebote. „Welche Möglichkeit die richtige ist, hängt von der persönlichen Situation des jungen Menschen ab“, sagt Pirkl. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter helfen, den passenden Weg zu finden.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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