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Startseite»Politik»Einkommen im Alter: Warum Ängste Aktiensparen verhindern
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Einkommen im Alter: Warum Ängste Aktiensparen verhindern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.07.2026 • 06:16 Uhr

Angesichts klammer Rentenkassen rücken Aktien als Möglichkeit der Altersvorsorge stärker in den Fokus. Doch in Deutschland werden Investments vielfach noch misstrauisch beäugt.

Heidi Radvilas

Möglichst frühzeitiges Aktiensparen, um die Rente aufzubessern: das empfehlen nicht nur Finanzmarktexperten. Auch die Politik will mit neuer Förderung durch das sogenannte Altersvorsorgedepot Anreize fürs Aktiensparen geben. Die Idee: zwar etwas mehr Risiko durch Aktien, dafür aber auch mehr Rendite fürs Alter.

Es scheint nur ein Problem zu geben: „Unter den reichsten Ländern dürften die Deutschen wohl das risikoscheueste Volk der Erde sein, wenn es um Sparen geht.“ Das sagt Christian Klein, Professor für Sustainable Finance an der Uni Kassel, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Etwa ein Drittel der Gelder hierzulande schlummerten auf Sparbüchern, Giro- oder Tagesgeldkonten. Mit teils sehr niedrigen Zinsen, aber dafür eben sicher.

Schlechte Erfahrungen schüren Ängste

Die Risikoaversion beim Sparen in Deutschland belegen auch diverse Auswertungen unter anderem des Bankenverbands, der Deutschen Börse und der DZ-Bank immer wieder – trotz eines positiven Trends.

Christina Bannier, Professorin für Banking & Finance an der Justus-Liebig-Universität Gießen, sieht die Gründe teils weit in der Vergangenheit: „Wir haben historisch wahnsinnig schlechte Erfahrungen gemacht. Wir hatten eine große Depression mit einer wahnsinnig starken Inflation.“ Das ist zwar fast ein Jahrhundert her, aber so manches mag sich ins kollektive Gedächtnis gefressen haben.

Aktieninvestments spielten für die breite Masse in Deutschland bis in die 1990er-Jahre kaum eine Rolle. „Als es dann so losging, haben sich sehr viele die Finger verbrannt. Das war das Jahr 2000, das Platzen der Dotcom-Blase. Und nachdem viele Menschen Geld bei der Telekom-Aktie verloren haben, hatten sie vielleicht nachher einfach keine Lust mehr“, sagt Finanzforscher Klein.

Information soll Ängste nehmen

Die Konsequenzen seien fatal. „Wenn man langfristig sparen will, geht einem ohne Aktien sehr sehr viel Rendite durch die Lappen“, so Klein.

Damit sich das ändern kann, brauche es schlicht mehr Information: Es geht darum, Interesse am Thema Aktien zu wecken. „Vielleicht auch Ängste nehmen. So schwierig ist Aktiensparen ja am Ende des Tages auch nicht“, findet Bannier von der Uni Gießen. Schließlich gebe es zum Beispiel eine Menge Fonds, die das Risiko breit streuten.

Aktien am Esstisch

Wie man zu große Risiken oder zu teure, gar unseriöse Investments vermeidet und mit Aktien das meiste aus seinem Geld machen kann, müsse in Schulen, in den Medien, auch zu Hause am Esstisch viel mehr zum Thema gemacht werden, meint die Professorin.

„Wir können niemanden zwingen, sein Geld anzulegen, aber wir können von allen Seiten einfach die Informationen herbeischaffen, um die Bedeutung des Themas noch mal deutlich zu machen. Dass wir wirklich nicht drumherum kommen.“ Ein Bewusstsein, dass sich in Deutschland bisher bei vielen nicht durchgesetzt habe.

Junge sind aufgeschlossener

Vermutlich auch aufgrund der Gewissheit, dass die gesetzliche Rente nicht alleine für die Alterssicherung der heute jungen Generation ausreichen wird, interessieren sich junge Menschen heutzutage mehr für Aktieninvestments – und sind häufiger in Aktien investiert als Ältere.

Durch so genannte Finfluencer, also Finanz-Influencer. kommt die junge Generation auf Social-Media-Plattformen leicht in Kontakt mit dem Thema. Trading-Apps bieten zudem vergleichsweise einfachen Zugang zum Aktienmarkt via Smartphone.

Finanz-Professorin Bannier hält dabei für besonders relevant, „dass sich gerade unter den Jüngeren viele von Künstlicher Intelligenz beraten lassen, wie sie ihre Gelder anlegen.“ Vor allem die jüngere Generation müsse darauf geschult werden, wie sie Informationen kritisch einordnen kann, dürfe sich nicht blind auf Tipps verlassen: „Wir wissen bei den Künstlichen Intelligenzen immer noch nicht genau, wie sie gepolt sind. Die haben durchaus auch eine politische Ausrichtung im Hintergrund.“

Positive Beispiele in den USA und Schweden

Die Mühe, sich Finanzwissen anzueignen, lohne in jedem Alter, meint Finanzforscher Klein mit Blick auf Länder wie Schweden und die USA. Dort gelten Aktieninvestments bei den Bürgern als normal und spielen eine große Rolle.

„In den USA und Schweden sehen wir, dass auch die privaten Personen massiv an den Kapitalmärkten investieren – und das sehr erfolgreich. Die Menschen sind dort am Ende ihrer Berufstätigkeit einfach reicher. Sie haben mehr Geld auf dem Konto“, so Klein. Diese Chance sollte man auch in Deutschland nutzen.

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