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Startseite»Politik»Einschränkungen bei der Bewässerung bedrohen Ernten von Landwirten
Politik

Einschränkungen bei der Bewässerung bedrohen Ernten von Landwirten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 5, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 05.08.2026 • 15:04 Uhr

Um Flüsse und Bachläufe zu schützen, beschränken viele Kommunen derzeit die Wasserentnahme. Die Folge: viel zu kleine Zwiebeln, vertrockneter Salat und verkümmerte Kartoffeln. Landwirte beklagen massive Ernteausfälle.

Fabian Siegel

Die Zwiebeln von Thomas Schmälzle haben das Wachsen eingestellt. Seit gut zwei Wochen kann er ihnen auf seinem Acker in Schwaigern bei Heilbronn kein Wasser mehr geben – dabei wäre das dringend nötig bei dieser Hitze. „Die Zwiebeln müssen jetzt praktisch noch sechsmal so groß werden, dann hätten sie die richtige Größe für die Ernte“, erklärt Schmälzle und zeigt auf die kümmerlichen Knollen, die gerade einmal drei Zentimeter Durchmesser haben. Normal wären für diese Jahreszeit sechs oder gar sieben Zentimeter.

Bislang hat Thomas Schmälzle seine Pflanzen in Trockenperioden mit Wasser aus dem nahen Leinbach gewässert. Nachts, damit das Wasser nicht sofort wieder verdunstet. Mit einer sogenannten Beregnungsanlage, die das Wasser direkt aus dem Fluss pumpt. Doch nun hat das Landratsamt die Wasserentnahme komplett verboten – wie an zahlreichen weiteren kleinen Bächen im Kreis, deren Pegelstände wegen fehlender Niederschläge dramatisch gesunken sind.

Der Landkreis begründet die Maßnahmen mit dem Schutz der Gewässer und der Sicherung der Wasserversorgung. Bei Zaberfeld wird aktuell aus einem Stausee mehr Wasser abgelassen als sonst – um zu verhindern, dass die nahe Zaber unter den kritischen Pegelwert fällt. Doch die Reserven sind endlich. Im Zweifel drohen bei noch mehr Bächen und Flüssen komplette Entnahmeverbote.

Für die Landwirte geht es schnell um die Existenz

Ein Vorgehen, das Landwirt Schmälzle prinzipiell verstehen kann: „Man sieht es selber, dass die Bäche langsam weniger Wasser haben. Die Regelungen machen für das Gewässer schon Sinn“, sagt er. Aber natürlich fände er es gut, wenn er seinen Zwiebeln weiter Wasser aus dem Bach geben dürfte, denn so sei das Feld und damit der komplette finanzielle Ertrag verloren.

Wiederholen sich solche Sommer, geht es für die Landwirte schnell um die Existenz. Und: Bei großen Ernteausfällen durch die Trockenheit könnte Obst und Gemüse für den Kunden schnell teurer werden.

Manche wässern sogar mit Leitungswasser

Vielerorts reagieren die Behörden mit ähnlichen Maßnahmen, um dem ausbleibenden Regen entgegenzuwirken. Jeder Liter Wasser, der jetzt in den Bächen bleibt, hilft, die ohnehin niedrigen Wasserstände zu stabilisieren und Tiere sowie Pflanzen im Gewässer zu schützen.

Die Landwirte leiden oft als erste. Einige wässern mittlerweile sogar mit Leitungswasser. Ein teures Unterfangen. Oliver Dinger und Tochter Lisa, Landwirte in Emmendingen bei Freiburg im Breisgau, haben einen kleinen Teil ihrer Pflanzen an eine sogenannte Tröpfchenberegnung angeschlossen – gespeist mit Leitungswasser. Das sei zwar eigentlich nicht rentabel, aber man wolle den Kunden auf dem Markt wenigstens noch eine kleine Auswahl Gemüse anbieten. „Die Anlage gibt nur Tröpfchen ab, das spart Wasser“, erklärt Dinger.

Auch Grundwasserbrunnen ausgetrocknet

Auf den anderen Feldern der Familie sieht es düsterer aus. Aus Flüssen und Bächen wässern die Dingers schon lange nicht mehr, weil die behördlichen Auflagen viel zu hoch seien. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf den Feldern, die nicht nahe des Hofes sind, auf Regen zu warten. Ein nahes Salatfeld ist deswegen komplett vertrocknet. „Das ist unsere Existenzgrundlage“, sagt Lisa Dinger. „Und wenn hier nichts wächst, dann haben wir letztendlich auch nichts, was wir verkaufen können und wovon wir etwas verdienen.“

Vor Jahren habe die Familie versucht, einen Grundwasserbrunnen zu bohren. Die Genehmigung dafür hatte sie. Doch selbst in neun Metern Tiefe sei kein Wasser gekommen.

Grundwasserpegel steuert auf Rekord-Niedrigwerte zu

Denn auch der Grundwasserspiegel sinkt. Michel Wingering misst regelmäßig für die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg nach. Genug Grundwasser ist elementar für die Trinkwasserversorgung. Deshalb ist seine Entnahme zur Bewässerung streng geregelt.

Aktuell steuere man auf die Rekord-Niedrigstände von 2018 zu, sagt Wingering. „Es ist damit zu rechnen, wenn die Trockenheit anhält, dass in ein, zwei Monaten an etwa der Hälfte der Grundwassermessstellen im Land die alten Rekorde gebrochen werden.“ 2018 hatte es regionale Engpässe der Trinkwasserversorgung gegeben.

Einfluss des Klimawandels

Bislang fehlten schlichtweg verlässliche Daten, um den Einfluss des Klimawandels auf das Grundwasser eindeutig nachzuweisen. Denn kurzfristige Schwankungen oder Wasserentnahmen überlagern oft die langfristigen Veränderungen. „Tatsache ist aber, dass wir früher eigentlich keinen Langzeit-Trend hatten. Das heißt, es gab keine Entwicklung nach oben oder nach unten beim Grundwasser“, sagt Wingering. Das sei jetzt anders, mit klarem Trend nach unten.

Für künftige Trockenphasen müsse man sich besser vorbereiten. „Wir müssen versuchen, Wasser zu sparen, sparsame Beregnungssysteme einzusetzen, insbesondere, wenn der Bedarf am höchsten ist“, sagt Wingering. „Und auch auf nicht-essenzielle Wassernutzungen verzichten, Rasenberegnungen oder solche Sachen.“

Bewässerung durch Brunnen nur zur Überbrückung

Die Schmälzles in Schwaigern haben einen eigenen, genehmigten Grundwasserbrunnen für einige wenige Felder nahe ihres Hofes. Dafür gibt es klar festgelegte Wasserentnahmegrenzen pro Jahr. Doch selbst dieser Brunnen bringe am Ende wenig, wenn der Regen ausbleibe. „Die Bewässerung ist eigentlich nur zur Überbrückung“, erklärt Sohn Felix Schmälzle. „Wenn kein natürlicher Regen kommt, dann ist die Bewässerung auch irgendwann an ihrer Grenze.“

In den vergangenen zehn Wochen seien es gerade einmal 45 Liter pro Quadratmeter gewesen. Viel zu wenig, wenn Zwiebeln oder Kartoffeln vernünftig wachsen sollen.

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