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Startseite»Politik»El Niño und Waldbrände: Warum die Feuergefahr steigt
Politik

El Niño und Waldbrände: Warum die Feuergefahr steigt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.07.2026 • 14:19 Uhr

Ein außergewöhnlich starker El Niño entwickelt sich derzeit im Pazifik. Forscher warnen, dass das natürliche Klimaphänomen in einigen Regionen extreme Waldbrände begünstigen könnte.

Janina Schreiber

Mit Sorge beobachtet Andreas Fink derzeit den Pazifik. Der Meteorologe leitet die Arbeitsgruppe Tropische Meteorologie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und verweist auf den Anstieg der Wassertemperaturen im Ostpazifik. Die kündigen mit immer größerer Wahrscheinlichkeit einen außergewöhnlich starken El Niño an.

„Er ist sehr rasch angelaufen in diesem Jahr“, so der Forscher. Normalerweise komme der Temperaturanstieg etwas später im Jahr. Doch Fink schätzt, dieser El Niño werde möglicherweise einer der stärksten drei oder vier El Niños des letzten Jahrhunderts.

Manche Modelle gehen derzeit davon aus, dass die Abweichung von der Normaltemperatur weit über dem bisherigen Rekordwert von 2,75 Grad Celsius aus den Jahren 2015 und 2016 liegen könnte.

„In der Wüste regnet es, im Amazonas ist es trocken“

El Niño ist ein unregelmäßig auftretendes natürliches Klimaphänomen. Es baut sich über den Jahresverlauf auf und erreicht seinen Höhepunkt dann, wenn in Europa Spätherbst und Winter ist.

Dadurch verschieben sich die Niederschlagsmuster weltweit: Während an der Pazifikküste Südamerikas, etwa in Peru oder Ecuador, Starkregen und Überschwemmungen drohen, wird es im Amazonasgebiet häufig trockener als gewöhnlich.

Auch Australien, Indonesien oder die Philippinen müssen sich auf mehr Trockenheit einstellen. „In der Wüste regnet es, im Amazonas ist es trocken“, sagt Kirsten Thonicke, Geowissenschaftlerin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Trockenheit im Regenwald wird zum Brandbeschleuniger

Genau diese Trockenheit schafft günstige Bedingungen für Waldbrände in den vom El Niño betroffenen Regionen. „Die Böden trocknen aus, Pflanzen sterben ab, das Gras wird braun“, so Thonicke. In den vergangenen Jahren mit El-Niño-Ereignissen seien viele Feuer in der Amazonasregion aufgetreten.

Für einen Brand brauche es dann oft nur einen kleinen Funken, häufig verursacht durch Unachtsamkeit, aber auch bewusste Brandrodung. Mit starken Winden können daraus sehr schnell gefährliche Situationen entstehen, so die Wissenschaftlerin.

Auch in Indonesien, etwa auf Borneo, gibt es große Regenwaldflächen, die bereits bei vergangenen El-Niño-Ereignissen brannten. Die Folge: Die Luftqualität verschlechterte sich auch in anderen Regionen Südostasiens – zum Beispiel in Metropolen wie Singapur oder Jakarta. Genauso könnte sich in Teilen Afrikas, etwa in der Sahelzone, die Feuersaison durch El Niño verschärfen.

Phänomen schlimmer durch menschengemachte Erderwärmung

Die Sorge ist auch deshalb groß, weil dieser El Niño in einer ohnehin wärmeren Atmosphäre stattfindet. Aktuelle Analysen des State of Wildfires Reports zeigen, dass sich extreme Feuerereignisse weltweit verändern. Der Zusammenhang zwischen El Niño und Bränden sei in Regionen wie Indonesien oder Australien gut belegt, sagen die Fachleute. Doch einen Zusammenhang mit den aktuellen Waldbränden in Frankreich oder Spanien herzustellen – das ist mindestens schwieriger.

Dennoch könnten Fernwirkungen des Klimaphänomens künftig auch bei uns in Europa eine Rolle spielen, sagt PIK-Forscherin Thonicke – „dadurch, dass sich im Pazifik die Verbindung zwischen Ozean und Atmosphäre umtauscht und diese Zirkulationssysteme wiederum mit anderen Zellen korrespondieren, die die Wärme aus den Tropen auch nach Norden bringen“.

Das könne bedeuten, dass auch in Europa das Feuerrisiko steigt – gerade dann, wenn durch die Klimaerwärmung ein Erwärmungs- und Trockenheitssignal hinzukomme.

Selbst verstärkend: Waldbrände und die Erderwärmung

Die veränderten Niederschlagsmuster durch El Niño können außerdem einen Kreislauf in Gang setzen, der sich noch Jahre später auswirkt, auch wenn er zunächst widersprüchlich klingt: Mehr Regen in sonst eher trockenen Regionen kann später mehr Feuer bedeuten, erklärt Thonicke. „Die Vegetation reagiert darauf, wächst sehr schön. Aber die nächste Trockenzeit kommt trotzdem.“

Und die vorher hochgewachsenen Pflanzen trocknen aus und bieten neuen Zündstoff für mögliche Brände. „Dann kann das verzögert vielleicht ein bis zwei Jahre später noch einmal größere Waldbrände oder Savannenbrände bringen“, so Thonicke. Ein unguter Kreislauf. Denn je mehr Wälder brennen, desto mehr CO2 gelangt in die Atmosphäre. Das beschleunigt wiederum die Erderwärmung – und erhöht langfristig das Risiko für extreme Feuer.

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