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Startseite»Nachrichten»„Es erscheint heuchlerisch“: Trump warnt vor KI aus China – und verdient zugleich daran
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„Es erscheint heuchlerisch“: Trump warnt vor KI aus China – und verdient zugleich daran

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Es erscheint heuchlerisch“Trump warnt vor KI aus China – und verdient zugleich daran

Die Sprecherin des Weißen Hauses, weist den Vorwurf eines Interessenkonfliktes zurück. „Präsident Trump handelt ausschließlich zum Wohle der amerikanischen Öffentlichkeit.“ (Foto: IMAGO/Avalon.red)

Während Washington chinesische KI als Sicherheitsrisiko einstuft, wird im Umfeld des US-Präsidenten genau damit Geld verdient. Über einen Hongkonger Partner bietet eine mit der Trump-Familie verbundene Plattform Modelle chinesischer Tech-Konzerne an.

Die von US-Präsidenten Donald Trump gestützte Kryptofirma World Liberty Financial verdient an der Vermarktung chinesischer KI-Modelle, die von den USA als potenzielle Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft werden. World Liberty Financial arbeitet mit dem Hongkonger Unternehmen WorldClaw zusammen. Einer Recherche der Nachrichtenagentur Reuters zufolge stammt rund die Hälfte der KI-Modelle im Portfolio dieser vor einigen Monaten gegründeten Plattform von Alibaba, Baidu, Z.ai und anderen chinesischen Entwicklern. Die Nutzungsgebühr für diese Programme bezahlen Kunden unter anderem mit einer von World Liberty herausgegebenen Kryptowährung.

Weder die Zusammenarbeit der Trump-Firma mit WorldClaw noch die Vermarktung chinesischer KI-Modelle durch WorldClaw sind illegal. Experten sehen in den Aktivitäten jedoch einen Interessenkonflikt. Außerdem untergrüben sie die offizielle Politik der US-Regierung, die sicherheitspolitische Bedrohung durch die Verbreitung chinesischer Künstlicher Intelligenz (KI) zu begrenzen. „Es erscheint heuchlerisch, diese chinesischen Tools über WorldClaw zu nutzen, um damit viel Geld zu verdienen“, kritisiert Sam Bresnick, Cybersicherheitsexperte der Georgetown University.

Die finanziellen Details der Zusammenarbeit zwischen World Liberty und WorldClaw bleiben vorerst unklar. Die beiden ältesten Trump-Söhne haben öffentlich für WorldClaw geworben. Darüber hinaus war ein leitender Angestellter der Trump-Firma als Berater für den Hongkonger KI-Vermarkter tätig.

World Liberty gibt den sogenannten Stablecoin „USD1“ heraus. Dessen Kurs ist an den US-Dollar gebunden. Um dies zu erreichen, werden die Einnahmen aus dem Verkauf dieser Cyberdevise unter anderem in US-Staatsanleihen angelegt. Trump erhält einen Anteil aus den Erträgen dieser Geldanlagen. Im vergangenen Jahr verdiente er mit diversen Kryptowährungsgeschäften 1,4 Milliarden Dollar. Die geschäftlichen Aktivitäten des US-Präsidenten sind in der Trump-Organisation gebündelt, die von seinen Söhnen Donald Jr. und Eric geleitet wird.

Anna Kelly, die Sprecherin des Weißen Hauses, weist den Vorwurf eines Interessenkonfliktes dennoch zurück. „Präsident Trump handelt ausschließlich zum Wohle der amerikanischen Öffentlichkeit.“ Das US-Verteidigungsministerium und das Handelsministerium waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Ein Sprecher von World Liberty betont, dass WorldClaw unabhängig sei und dass auch US-Konzerne KI-Modelle aus unterschiedlichen Staaten in ihren Portfolios hätten. „Dies ist ein gängiger und weithin anerkannter Ansatz.“ WorldClaw zufolge ist die Bereitstellung eines KI-Modells nicht mit einer Empfehlung des Entwicklers gleichzusetzen.

Wettlauf um KI-Führung

Die Plattform „WorldRouter“ von WorldClaw nutzen den Angaben des Unternehmens zufolge mehr als 10.000 Anwender. Über sie würden täglich 50 Millionen KI-Anfragen abgewickelt. WorldClaw entwickelt darüber hinaus KI-Agenten, die komplexe Aufgaben weitgehend selbständig erledigen können.

Daniel Remler, Cybersicherheitsexperte und bis vor Kurzem Berater des US-Außenministeriums, weist auf diverse Risiken bei der Nutzung chinesischer KI-Modelle hin. Anwender könnten von der Regierung in Peking überwacht oder ihre Anfragen zensiert werden. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass Schadcode eingeschleust werde, um die Kontrolle über KI-Agenten zu übernehmen. WorldClaw betont, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Das Unternehmen räumt jedoch ein, Nutzereingaben würden möglicherweise an die KI-Entwickler weitergegeben.

Entwickler aus den USA und China liefern sich seit Jahren einen Wettlauf um die Führung bei der Zukunftstechnologie KI. Modelle aus der Volksrepublik sind der westlichen Konkurrenz bei der Leistungsfähigkeit teilweise ebenbürtig. Gleichzeitig sind die Kosten für die Nutzung deutlich geringer.

Chinesische KI-Modelle dürfen von US-Unternehmen und -Bürgern grundsätzlich genutzt werden. Einige der Entwickler stehen jedoch wegen mutmaßlicher Verbindungen zum chinesischen Militär auf einer schwarzen Liste des US-Verteidigungsministeriums. Für Z.ai gelten darüber hinaus Beschränkungen für den Kauf von US-Technologien, deren Zusammenarbeit mit der Volksbefreiungsarmee „den Interessen der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik“ der USA zuwiderlaufe. Die betroffenen Unternehmen weisen die Vorwürfe der USA zurück.

Dennoch bemüht sich die US-Regierung vor dem für September geplanten Treffen von Trump mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping um eine Entspannung der Lage, um ein KI-Wettrüsten zu verhindern. „Einerseits kann man die aktuelle US-Regierung als China-kritisch bezeichnen“, erläutert Peter Jeydel, Anwalt und Leiter des Teams für Sanktionen und Handelskontrollen bei der Kanzlei Troutman Pepper Locke. „Andererseits lässt sich argumentieren, dass die Trump-Regierung gegen chinesische Unternehmen weniger aggressiv vorgeht und stattdessen einen ‚Business-First‘-Ansatz verfolgt.“ Die Zusammenarbeit zwischen World Liberty Financial und WorldClaw spreche für Letzteres.

Quelle: ntv.de, Lawrence Delevingne, rts

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