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Startseite»Politik»Experten sehen nach Stromausfall Mängel beim Berliner Katastrophenschutz
Politik

Experten sehen nach Stromausfall Mängel beim Berliner Katastrophenschutz

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.07.2026 • 15:35 Uhr

Anfang des Jahres hatte ein Anschlag auf das Stromnetz Teile Berlins lahmgelegt. Nun stellte eine Expertenkommission Empfehlungen vor, wie sich die Stadt künftig besser auf solche Krisen vorbereiten kann.

  • Experten sehen bei Berliner Krisenmanagement Schwachstellen u.a. in der Kommunikation, bei der Notstromversorgung oder dem Mobilfunknetz
  • Kommission schlägt Aufbau von Krisenzentrum vor und fordert regelmäßige Übungen für den Ernstfall
  • Experten sehen zunehmendes Risiko durch Anschläge, Cyberangriffe aber auch extreme Hitze oder Kälte
  • Berlin muss zur Finanzierung im Haushalt laut dem Regierenden Bürgermeister Wegner in den nächsten Jahren „umsteuern“

Berlin ist nach Einschätzung einer unabhängigen Expertenkommission nicht ausreichend auf Krisen und Katastrophen vorbereitet. Der mehrtägige Stromausfall Anfang des Jahres im Südwesten der Stadt habe eine Reihe von Schwachstellen offengelegt, heißt es in dem Bericht, den die Expertenkommission am Montag im Roten Rathaus vorgestellt hat. Sie reichen von unzureichender Kommunikation mit der Bevölkerung über Mängel bei der Notstromversorgung bis hin zum Zusammenbruch des Mobilfunknetzes in den betroffenen Stadtteilen. Bis 2029 müssten alle im Krisenfall betroffenen Akteure in der Lage sein, den Kernbetrieb über zehn Tage zu gewährleisten, so die Kommission. Dafür sind laut Innensenatorin Iris Spranger (SPD) Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe nötig. Entscheidend ist den Experten zufolge zudem, dass sich die Bevölkerung insgesamt besser auf den Katastrophenfall vorbereitet.

Expertenrunde nach Stromausfall eingesetzt

Die Expertenrunde war Ende Januar nach dem großen Stromausfall in Berlin vom Senat eingesetzt worden. Zu der Gruppe gehören der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo Kroemer, die frühere Bahn-Managerin Sigrid Nikutta, der ehemalige Berliner Feuerwehrchef Albrecht Broemme und der frühere Brigadegeneral der Bundeswehr, Uwe Nerger. Bei dem größten Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg waren insgesamt rund 100.000 Menschen betroffen, viele mussten mitten im Winter ohne Strom und Heizung auskommen. Grund für den Blackout vom 3. bis 7. Januar war ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Experten fordert Aufbau von Lage- und Krisenzentrum

„Dieser Stromausfall führte Berlin hart an die Belastungsgrenze“, sagte Kommissionsmitglied und Ex-Brigadegeneral Uwe Nerger. Künftig werde es vermehrt von Menschen gesteuerte Katastrophen – wie durch Anschläge – geben, warnte er. Das Risiko nehme in mehrfacher Hinsicht zu. Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo Kroemer, wies darauf hin, dass zu den Bedrohungen für Berlin auch Cyberangriffe und Sabotage gehörten – oder ein Klimagroßschadensfall durch extreme Hitze oder Kälte. Als Konsequenz regt die mit vier Experten besetzte Kommission an, ein Lage- und Krisenzentrum aufzubauen, das alle Krisenstäbe im Land und mit der Bundesebene verbinden soll. Außerdem empfiehlt sie, einen sogenannten Chief Resilience Officer (CRO) bei der Senatskanzlei auf Staatssekretärsebene zu etablieren.

Mehr Übungen für den Krisenfall

Zur Vorbereitung auf Krisenfälle mahnte Kommissionsmitglied Albrecht Broemme außerdem deutlich mehr regelmäßige Übungen an. Dabei müsse die Bevölkerung einbezogen werden, sagte der ehemalige Berliner Landesbrandmeister. Nach Überzeugung der Experten drängt die Zeit: „Es wäre gut, wenn wir morgen anfangen mit der Umsetzung“, sagte die frühere Bahn-Managerin und ehemalige Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) räumte ein, Berlin müsse sich noch professioneller aufstellen. „Das kostet Geld. Wir werden in den nächsten Jahren im Haushalt umsteuern müssen“, sagte er. Als Bundeshauptstadt habe Berlin eine besondere Bedrohungslage – nicht zuletzt als Sitz von Bundestag, Bundesrat und Kanzleramt. Wegner wies darauf hin, dass ein vergleichbarer Stromausfall auch Bundesbehörden treffen könne. Der Bund müsse finanziell mit Blick auf den notwendigen Schutz entsprechender Infrastruktur künftig noch mehr Verantwortung übernehmen, forderte der CDU-Politiker. Auch Innensenatorin Spranger betonte, es sei notwendig, deutlich mehr Geld in den Katastrophenschutz zu investieren.

Kommission schlägt Dutzende Einzelmaßnahmen vor

Die Kommission wurde Ende Januar von Wegner eingesetzt. Ihr Bericht mit dem Titel „Resilienz in Berlin: Über die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur“ analysiert auf rund 50 Seiten die Erfahrungen mit dem Stromausfall im Januar und schlägt Dutzende von Einzelmaßnahmen vor. Sie reichen von besserem Schutz von sensiblen Daten zum Berliner Stromnetz, über eine engere Zusammenarbeit der Berliner Kliniken mit Blick auf Krisenfälle und Katastrophenschutzleuchttürmen genannten Anlaufstellen in ganz Berlin, bis zu einem in Krisenfällen mindestens 72 Stunden funktionierendes Mobilfunknetz.

Sendung: rbb24 Inforadio, 06.07.2026, 13:40 Uhr Audio: rbb24 Inforadio, 06.07.2026, Jonas Ziegler

Rundfunk Berlin-Brandenburg

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Dr. Heinrich Krämer
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