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Fake News für Donald Trump: Die US-Fußballer sollen schaffen, was sie nicht schaffen können

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 4, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Fake News für Donald TrumpDie US-Fußballer sollen schaffen, was sie nicht schaffen können

Christian Pulisic ist einer der Top-Spieler in den Reihen der USA. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

In den USA hat Fußball einen schweren Stand. Die WM lenkt den Fokus nun aber auf das Team, das die unmögliche Sensation schaffen soll. Der Star der Mannschaft erlöst sich immerhin rechtzeitig.

Am Montag atmete Christian Pulisic auf. Und mit ihm ein ganzes Land. Zumindest all jene, die es in den USA mit Fußball halten und das sind in Wahrheit gar nicht so viele. Soccer steht im Schatten der großen Ligen NBA, NHL, NFL und MLB. Es war also eher so: Mit Pulisic zusammen atmete Amerikas Fußball auf. Der Posterboy der Nationalmannschaft hatte endlich mal wieder ein Tor geschossen. Im Nationaltrikot war ihm das seit dem 18. November 2024 nicht mehr gelungen, im Verein seit dem 28. Dezember 2025 nicht. Das sind zwei wahnsinnig lange Zeiträume für einen, der die Offensive seines Landes schultern und sie zum WM-Titel führen soll.

Es hat im Fußball immer schon Außenseiter-Geschichten gegeben. Sensationen halten das Geschäft ständig am Laufen. Aber es gibt eben Dinge, die nicht nur unmöglich erscheinen. Die auch unmöglich sind. Und der WM-Titel der amerikanischen Fußball-Nationalmannschaft gehört dazu. Auch wenn FIFA-Boss Gianni Infantino und US-Coach Mauricio Pochettino das im vergangenen Jahr anders sahen und damit Donald Trump umschmeichelten, der ja nur Gewinner duldet. Zumindest am Montagabend gingen die US-Boys als Sieger vom Platz. Pulisic legte gegen WM-Teilnehmer Senegal (3:2) erst die Führung durch Sergino Dest auf (7.), dann traf er endlich selbst (20.). „Es fühlt sich großartig an“, sagte der Spielmacher nach dem ersten Sieg der USA in diesem Jahr.

Aber erstmal lassen sie es krachen

Ungeachtet davon, dass Ambitionen und Leistungen nicht zusammenpassen, blieben die Amerikaner sich in den vergangenen Wochen treu. Sie blieben amerikanisch, pompös und machten die Dinge größer, als sie sind. So auch bei der Kadernominierung. Sie fand in der Konzert-Arena „The Rooftop at Pier 17“ in Manhattan statt, und weil ein paar Tausend teils kreischende Anhänger auftauchten, machte sich auch ein wenig Vorfreude bei Deutschlands letzten Turnier-Testgegner breit (Samstag, ab 19.05 Uhr live bei RTL und ab 20.45 Uhr im Liveticker bei ntv.de).

Von Euphorie ist die Fußball-Nation noch ein gutes Stück entfernt. Das hat sie mit dem DFB-Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann gemein. Im vorletzten Test gegen Finnland (4:0) war die Stimmung in Mainz in der ersten Halbzeit abermals erschreckend. Drei Tore in den zweiten 45 Minuten machten es atmosphärisch erträglicher. So ist der Samstag für beide Mannschaften durchaus wichtig. Sportlich weniger als emotional.

Ein Sieg gegen Deutschland würde dem US-Team einen mächtigen Push geben und das SoFi Stadium in Los Angeles für den WM-Auftakt gegen Paraguay am 13. Juni noch füllen: Nach Recherchen des Portals „The Athletic“ könnten rund 10.000 der 70.000 Plätze im Stadion leer bleiben. Rund 3500 Tickets sind noch gar nicht verkauft, 6500 weitere schlummern auf den Zweitmarkt-Plattformen vor sich hin – zu astronomischen Preisen.

Pochettino pfeift plötzlich auf Diplomatie

Ein Versuch, Euphorie zu entfachen, ist bereits gescheitert. An US-Coach Pochettino. Der hatte die Qualität des Kaders im April radikal runterskaliert. Er hatte im April bar jeder Diplomatie behauptet, kein Spieler, der für das „USMNT“ infrage komme, gehöre zu den besten 100 Spielern der Welt, Pulisic eingeschlossen. Eine Expertenrunde des TV-Senders FoxSports, der die WM für Hauptgastgeber USA überträgt, ist derweil der Überzeugung, der 27-jährige Angreifer sei in der Liste der besten Fußballer der Welt auf Rang sechs zu verorten. „The Athletic“ dagegen platzierte den Amerikaner in einem Ranking der besten Spieler der WM 2026 auf Position 39.

Zum Selbstverständnis der Amerikaner, immer und überall die Besten zu sein, passt das alles nicht – so sehr die subjektive Einschätzung von Pochettino, seit September 2024 im Amt, auch zutreffen mag. Dass der ehemalige Dortmunder Pulisic der beste Spieler ist, der den USA zur Verfügung steht, ist freilich unbestritten. Ebenso, dass das Abschneiden der US-Auswahl in hohem Maße von dem Mailänder (AC) abhängen werde. Andere Topspieler sind Weston McKennie (ehemals Schalke) und Tyler Adams (ehemals Leipzig) auf der Doppelsechs.

Mit Haji Wright, Ricardo Pepi, Chris Richards und Brenden Aaronson stehen noch weitere frühere Bundesliga-Profis im Kader. Nicht alle sind in bester Form. Malik Tillman, für den Leverkusen sehr viel Geld ausgab, erlebte keine gute Saison. Stürmer Folarin Balogun kämpfte zu oft gegen den Ruf, nicht mehr als ein großes Talent zu sein. Und im Tor gibt es keinen Keeper auf höchstem Niveau. Anders als früher, als man mit Tim Howard, Brad Friedel, Kasey Keller oder Tony Meola Topkräfte als Fundament hatte.

„Reyna hat das Talent, ein Superstar zu sein“

Schlagzeilen machte derweil die Berufung von Gio Reyna, ebenfalls ehemals Borussia Dortmund. Überschattet wurde die WM-Premiere 2022 des 23-Jährigen von einem internen Konflikt. Erst nach dem Turnier kam heraus, dass der damalige Trainer Gregg Berhalter den Spieler wegen seines Verhaltens im Training beinahe aus dem Team ausgeschlossen hätte. In der Folge meldete Reynas Mutter dem Verband einen Vorfall aus dem Jahr 1991, bei dem Berhalter in eine körperliche Auseinandersetzung mit seiner damaligen Freundin verwickelt gewesen sein soll. US Soccer leitete daraufhin eine Untersuchung ein. Berhalters Sohn Sebastian, Teamkollege von Thomas Müller bei den Vancouver Whitecaps, steht nun ebenfalls im WM-Aufgebot.

Weitaus überraschender aber war Reynas Nominierung, weil er in den vergangenen Jahren und Monaten kaum gespielt hat – seit Jahresbeginn etwa brachte er es in Gladbach bei acht Einsätzen als Joker auf gerade mal 137 Minuten. „Reyna hat das Talent, ein Superstar zu sein, aber seine Leistungen im Verein in den letzten fünf Jahren entsprachen denen eines Bankdrückers“, lästerte USA Today.

Der Mann, der Harry Kane die Chance gab

Die Zweifel an der offensiv ausgerufenen Erfolgsgeschichte sind groß. Auch wegen des einst gehypten Trainers. Der darf sich immerhin zugutehalten, die Karriere von Harry Kane einst entscheidend beeinflusst zu haben. In seiner ersten Saison bei Tottenham Hotspur (2014/2015) gab er dem Angreifer aus der eigenen Akademie den Vorzug vor Roberto Soldado – der Spanier war immerhin Nationalspieler.

Eine Stammelf schien Pochettino als US-Coach bislang nicht gefunden zu haben. Gegen den Senegal begann er mit einer Formation im 3-4-3-System. Dazu gehörte etwas überraschend auch der formschwache Reyna von Borussia Mönchengladbach. Bis zu diesem Spiel schien „Poch“ nicht mal im Ansatz halten zu können, was er bei seinem Amtsantritt und in den Monaten danach versprochen hatte. Da fielen Sätze, die Amerikaner gerne hören: Die USA sollten „groß denken“ und das Ziel haben, die WM „zu gewinnen“. Und ja, „alles ist möglich. Ich verkaufe hier nichts Unmögliches.“ Behauptungen, die dem Trainer allzu oft um die Ohren flogen.

Alles wumpe, sagt Pochettino nun. Das Problem im Vorlauf zum Heim-Turnier, als es im März ernüchternde Pleiten gegen Belgien (2:5) und Portugal (0:2) setzte, sei weniger die Aufstellung und die Gegner gewesen. Es spiele gar keine Rolle, gegen wen sein Team spielt. Warum? „Weil wir selbst das Problem waren.“ Es habe dem Team an Einsatz und Einstellung gefehlt – es sei keine „richtige Einheit“ gewesen bislang. Das Spiel gegen Senegal wischte die nagendsten Zweifel erst mal beiseite. „Wir sind“, versicherte Pochettino danach, „auf einem guten Weg“.

Quelle: ntv.de, tno mit sid

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