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Politik

FAQ: Wie gefährlich sind die aktuellen Malaria-Fälle?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 18, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 18.09.2026 • 11:28 Uhr

In Frankfurt am Main ist erneut ein Mensch an der Tropenkrankheit Malaria gestorben, er soll von einer eingeschleppten Mücke infiziert worden sein. Drohen weitere Fälle? Und sinken mit dem Herbst die Risiken?

Erneut ist ein Mensch in Frankfurt an Malaria gestorben. Es ist das dritte Todesopfer im Umfeld des Frankfurter Flughafens. Wie häufig kommt so etwas vor – und was bedeutet das für Menschen, die in der Nähe von Flughäfen wohnen?

Wie viele Infektionen gab es bisher?

Nach Angaben der Stadt Frankfurt sind acht Malaria-Infektionen bekannt. Drei Menschen starben. Zunächst hatten sich im Sommer sechs Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport mit der Krankheit infiziert – zwei von ihnen starben. Am Dienstag wurden dann zwei Infizierte im Stadtteil Schwanheim gemeldet, der etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt liegt – eine von ihnen starb gestern, eine weitere wurde noch in einer Klinik behandelt.

Wie kam es zu den Infektionen?

Ursache sollen laut Gesundheitsamt Anopheles-Mücken aus einem Malaria-Gebiet sein, die mutmaßlich mit einem Flugzeug nach Frankfurt kamen. Die beiden Betroffenen in Schwanheim waren nicht im Ausland und nicht am Flughafen angestellt. Dennoch geht das Gesundheitsamt davon aus, dass die Überträger-Mücke vom Flughafen kam und es sich ebenfalls um sogenannte Flughafen-Malaria handelt.

Ob die Frankfurter Fälle zusammenhängen, wird nach Angaben des Gesundheitsamts noch untersucht. Spezialuntersuchungen im Labor können Hinweise darauf liefern, ob die Infektionen auf eine Erregerquelle zurückzuführen sind.

Müssen sich Anwohner von Flughäfen Sorgen machen?

Dass solche Mücken sich um einen Flughafen in einem Radius von mehreren Kilometern bewegen, geschehe ganz selten, sagt der Leiter des Gesundheitsamts, Peter Tinnemann. Bürger sollten sich keine Sorgen machen, aber aufmerksam sein bei Symptomen. „Dies gilt insbesondere für Menschen, die am oder im Umfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten oder sich dort aufhalten beziehungsweise in räumlicher Nähe zum Flughafen wohnen.“

Symptome sind neben Fieber unter anderem Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Wichtig ist, möglichst früh einen Arzt aufzusuchen.

Was ist das Tückische an Flughafen-Malaria?

Im jetzigen Fall sind Anwohner des Flughafens betroffen, zuvor waren es Mitarbeiter von Fraport. Weil sie vorher nicht in Malaria-Gebieten waren, lag der Verdacht auf die Erkrankung nicht nahe. „Eine fehlende Tropenreise bei Erkrankten kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf“, heißt es vom Robert Koch-Institut (RKI).

Daher ruft das Frankfurter Gesundheitsamt Bürgerinnen und Bürger sowie Ärztinnen und Ärzte dazu auf, bei solchen Symptomen an Flughafen-Malaria zu denken. Die Diagnose könne per Schnelltest erfolgen. Die Inkubationszeit nach einem Mückenstich beträgt sieben bis 15 Tage. Häufig werden die ersten Anzeichen als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert, wie es beim RKI heißt.

Welche Übertragungswege gibt es?

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. Bei Flughafen-Malaria gelangt die infizierte Mücke auf dem Luftweg etwa im Gepäckraum nach Deutschland. Möglich ist auch, dass eine Mücke in einem transportierten Koffer überlebt. In ganz seltenen Fällen ist eine Mutter-Kind-Übertragung möglich.

Wie oft kommt es zu Malaria-Infektionen in Deutschland?

„Europaweit sind Fälle von Flughafen-Malaria weiterhin selten“, betont das RKI. In den vergangenen Jahren würden solche Fälle jedoch „zunehmend“ berichtet. „Günstige Temperatur und Feuchtigkeitsbedingungen im Rahmen des Klimawandels können das Überleben und die Aktivität importierter Anopheles-Mücken nach ihrer Ankunft begünstigen.“

Seit 2015 sind dem RKI 19 Malaria-Fälle mit wahrscheinlicher Übertragung in Deutschland bekannt geworden: zwei Fälle mit Krankenhausinfektion, ein Fall von „Koffermalaria“, eine Mutter-Kind-Übertragung, ein Fall mit unklarem Übertragungsweg und 14 Fälle von möglicher Flughafen-Malaria (zwei Fälle 2019, drei Fälle 2022, ein Fall 2023, acht Fälle 2026).

„Die Gefahr der sogenannten Flughafen-Malaria ist bekannt“, sagt auch Friedrich Frischknecht vom Uniklinikum Heidelberg. „Das ist extrem selten und wird extrem selten bleiben, auch wenn die Fälle mit dem steigenden Reiseverkehr ein bisschen zunehmen können.“

Gibt es Vergleichsfälle zu Schwanheim?

„Die Fälle von Flughafen-Malaria stehen alle im Zusammenhang mit dem internationalen Flughafen Frankfurt am Main“, sagt das RKI. Auch in anderen Ländern gab es Infektionen in der Nähe von Flughäfen. Neben Flughafenbeschäftigten waren bei einem Ausbruch 2020 in Belgien auch Bewohner benachbarter Gebiete betroffen. Wie auch in Schwanheim wohnten die Betroffenen etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt.

Was genau ist Malaria eigentlich?

Malaria wird durch Parasiten (Plasmodium falciparum) verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich meist in tropischen oder subtropischen Ländern. Vor allem die schwerste Form, Malaria tropica, kann tödlich verlaufen.

Laut dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten ist diese Form für über 95 Prozent der Malaria-Todesfälle weltweit verantwortlich. Die Variante wurde auch bei den Patienten in Frankfurt diagnostiziert. Bei frühzeitiger Diagnose und schnell eingeleiteter Behandlung sei sie gut und vollständig behandelbar, heißt es beim Auswärtigen Amt. Unbehandelt sterben dem RKI zufolge bis zu 20 Prozent der Erkrankten.

Sinken mit dem Herbst und dem Winter die Risiken?

„Manche tropischen Mücken sind bei kalten Temperaturen nicht mehr so überlebensfähig und fliegen auch nicht mehr so aktiv“, sagt Frischknecht. Aber natürlich könnten sie im temperierten Flughafengebäude unterwegs sein. Der Experte weist darauf hin, dass Malaria in seltenen Einzelfällen auch von hiesigen Mücken übertragen werden kann, wenn diese den Erreger aufgenommen haben.

Mit Blick auf die Tigermücke, die sich in Deutschland ausbreitet, gibt er hingegen Entwarnung: Die könne zwar viele tropische Krankheiten wie Dengue, Zika und Chikungunya übertragen, jedoch keine Malaria.

Was tun die Behörden?

Am Flughafen sind den Angaben zufolge Mückenfallen aufgestellt, um mögliche Vorkommen übertragungsfähiger Anopheles-Mücken zu erfassen. Dies werde auf das Wohnumfeld der beiden Fälle in Schwanheim ausgeweitet, kündigte das Gesundheitsamt an.

Quelle: dpa

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