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Politik

Fed-Zinsentscheid: Wiederholt die Notenbank den Fehler von 2021?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 29.07.2026 • 06:51 Uhr

Fed-Chef Warsh warnt vor gestiegenen Inflationsrisiken, hat aber bislang nicht gehandelt. Nun muss sich zeigen, ob die US-Notenbank rechtzeitig reagiert – oder einen alten Fehler wiederholt.

Angela Göpfert

Heute Abend entscheidet die US-Notenbank über den Leitzins – und selten lagen die Erwartungen der Anleger im Vorfeld so weit auseinander. Laut dem FedWatch Tool der CME Group rechnet derzeit rund ein Drittel der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte – etwa zwei Drittel dagegen mit unveränderten Zinsen.

Fed-Zinsentscheid birgt Überraschungspotenzial

So kurz vor einer Fed-Sitzung ist eine solch gespaltene Erwartungshaltung äußerst ungewöhnlich. Das erhöht das Überraschungspotenzial – und damit die Gefahr kräftiger Marktreaktionen. Zumal die Stimmung an den Börsen bereits angeschlagen ist.

Zuletzt hatten immer mehr Fed-Banker vor gestiegenen Inflationsrisiken gewarnt und höhere Zinsen gefordert. Fed-Chef Kevin Warsh setzt dagegen bislang vor allem auf eine „falkenhafte“ Rhetorik: Für ihn habe die Bekämpfung der Inflation oberste Priorität. Doch je länger die US-Notenbank abwartet, desto drängender wird die Frage, ob sie den Fehler des Jahres 2021 wiederholt.

Warum die Fed 2021 zu spät reagierte

„Die Zentralbanken sind damals zu spät auf die Bremse getreten“, betont Christian Lenk, Leiter des Devisen- und Geldpolitik-Researchs bei der DZ Bank, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. „Sie haben die Inflation außer Kontrolle geraten lassen – eine Erfahrung, die vielen Verbrauchern auch heute noch nachhängt.“

Die Fed hatte damals die steigenden Preise zunächst als vorübergehende Folge der Pandemie betrachtet. Lieferengpässe und einzelne Preissprünge würden sich bald wieder legen, so die Hoffnung. Diese Einschätzung war anfangs nicht unplausibel. Der eigentliche Fehler lag darin, dass die Fed zu lange daran festhielt, obwohl sich die Inflation immer stärker ausbreitete. Die Folge: Im Juni 2022 erreichte die US-Inflationsrate 9,1 Prozent – den höchsten Stand seit gut 40 Jahren.

Öl und Zölle erhöhen den Inflationsdruck

Von solchen Höchstständen sind die USA heute weit entfernt. Doch die Folgen des Iran-Kriegs für die Verbraucherpreise sind bereits spürbar, im Juni lag die Inflationsrate 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Auch die kräftigen Preissprünge bei Energie erinnern an damals. So stieg der Preis für die Nordseesorte Brent in der vergangenen Woche erneut über 100 Dollar je Fass. „Das ist schon eine Marke, da fängt auch die Fed an zu überlegen: Ist das jetzt ein nachhaltiger Einfluss – oder sehen wir hier nur einen kurzen Schockmoment“, sagt Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst beim Broker CMC Markets.

Teure Energie belastet Verbraucher und Unternehmen

In dieser Woche lag der Brent-Preis zwar wieder deutlich unter der runden Marke. Öl und Gas sind unter dem Strich aber weiterhin erheblich teurer als vor Beginn des Iran-Kriegs. Höhere Energiepreise verteuern nicht nur Sprit und Heizkosten. Sie können über steigende Transport-, Produktions- und Materialkosten nach und nach auch auf andere Waren und Dienstleistungen durchschlagen

„Aus meiner Sicht gibt es kaum ein plausibles Szenario, in dem ein derart deutlicher Anstieg des Ölpreises die Inflation auf kurze Sicht nicht nach oben treibt“, unterstreicht Thu Lan Nguyen, Leiterin der Rohstoff- und Devisenanalyse der Commerzbank.

Robuster Arbeitsmarkt gibt der Fed Spielraum

Hinzu kommen neue US-Zölle, die Importe verteuern können. Gleichzeitig zeigt sich der Arbeitsmarkt bislang äußerst robust – die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA sanken am vergangenen Donnerstag auf den niedrigsten Stand seit 1969.

Damit fällt ein wichtiges Argument gegen höhere Zinsen weg. Doch wären sie auch das richtige Mittel? Experten verweisen darauf, dass die Ausgangslage heute eine andere ist als im Jahr 2021. Der Leitzins liegt aktuell bereits bei 3,50 bis 3,75 Prozent – und damit weit über dem damaligen Nullniveau.

Warum höhere Zinsen gegen teures Öl kaum helfen

2021 trafen Lieferengpässe zudem auf eine durch niedrige Zinsen und staatliche Hilfen angeheizte Nachfrage; heute kommt der Preisdruck vor allem von der Angebotsseite. Darauf können Zentralbanken deutlich schwerer reagieren.

„Ein Nachfrageschock, so wie er 2021 stattfand, der kann mit Zinserhöhungen tatsächlich sehr gut eingedämmt werden“, betont DZ-Bank-Experte Lenk. Bei einem Angebotsschock ist das naturgemäß anders. „Denn hier haben wir eine externe Größe, nämlich die Energiepreise, die durch klassische Geldpolitik nur wenig beeinflusst werden kann.“

Zu langes Warten könnte die Lage verschärfen

Tatsächlich kann eine Zinserhöhung weder zusätzliches Öl fördern noch Handelswege sichern. Sie dämpft vielmehr die Nachfrage – und damit potenziell auch Wachstum und Beschäftigung.

Wartet die Fed aber mit einer Straffung der Geldpolitik zu lange, könnte die Lage noch schwieriger werden. Denn dann würde sie womöglich erst gegensteuern, wenn die Konjunktur bereits nachlässt – „und damit zum unmöglichsten Zeitpunkt“, so Marktstratege Lipkow.

Anleihemärkte rechnen mit höheren Leitzinsen

Am Anleihemarkt spiegeln sich die gestiegenen Inflationsrisiken besonders deutlich wider: Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen in der vergangenen Woche zeitweise auf den höchsten Stand seit 18 Monaten.

Hatten die Anleger zu Jahresbeginn noch mit zwei Zinssenkungen der Fed gerechnet, so werden mittlerweile zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende fest eingepreist. Kevin Warsh hat den Kampf gegen die Inflation zur Priorität erklärt. Nun muss sich zeigen, ob er auf seine deutlichen Worte rechtzeitig Taten folgen lässt.

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