Gewerkschaft enttäuschtErste Metall-Tarifrunde ohne Ergebnisse – kein Angebot der Arbeitgeber
Die Tarifgespräche in der Metall- und Elektroindustrie folgen der üblichen Choreografie: Die Forderung der Gewerkschaft weisen die Arbeitgeber zurück und bleiben zum Auftakt selbst ein Angebot schuldig. Den Auftakt machte nun NRW. Alles deutet auf Streiks ab November.
In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie haben IG Metall und Arbeitgeber ihre ersten Gespräche für die rund 640.000 Beschäftigten der Branche in Nordrhein-Westfalen ohne greifbare Ergebnisse beendet. „Die Arbeitgeber haben heute kein Angebot vorgelegt“, sagte IG-Metall-Verhandlungsleiter Knut Giesler in Düsseldorf. Dies sei enttäuschend. Zugleich bekräftigte er die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent mehr Lohn.
Die nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber wiesen die Forderung als „schlicht wirklichkeitsfremd“ zurück. Die Branche stecke in der schwersten Strukturkrise seit Jahrzehnten, sagte ihr Verhandlungsleiter Arndt Kirchhoff. „Unsere Unternehmen stehen unter einem extremen Kostendruck – und die Höhe der Arbeitskosten spielt hier eine entscheidende Rolle“, warnte er. Giesler erklärte hingegen, die Beschäftigten hätten mit „ihrer Leistung wesentlich dazu beigetragen, dass die Branche wieder Tritt fasst. Jetzt müssen sie auch angemessen an der positiven Entwicklung beteiligt werden.“
Giesler hatte die Forderung dagegen als „moderat“ bezeichnet. „In NRW muss keiner wegen eines Tarifvertrags Insolvenz anmelden“, hatte er gesagt. Zugleich will die Gewerkschaft aber auch mehr Sicherheit für Arbeitsplätze und Standorte. Bei „Boom-Unternehmen“, etwa in der Verteidigungsindustrie, soll es eine tarifliche Gewinnbeteiligung geben. Bei Krisenunternehmen will die IG Metall prüfen, ob die Instrumente für Beschäftigungssicherung und Zukunftsinvestitionen ausreichen.
Außer in Nordrhein-Westfalen begannen auch in Baden-Württemberg die Verhandlungen in der Tarifrunde für bundesweit insgesamt 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. In Baden-Württemberg hatte im Vorfeld Mercedes-Benz noch eine Diskussion über die Arbeitszeit angestoßen und eine Rückkehr zu 40 Stunden Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich ins Gespräch gebracht. Die 35-Stunden-Woche ist im Manteltarifvertrag geregelt. Dieser steht in der laufenden Tarifrunde aber nicht auf der Tagesordnung, weil er nicht gekündigt worden ist. Die aktuelle Runde ist eine reine Lohnrunde. Eine zweite Verhandlungsrunde soll in NRW am 27. Oktober folgen.
Ab dem morgigen Donnerstag folgen Verhandlungen unter anderem in Bayern und den Küstenländern sowie Sachsen-Anhalt. In der nächsten Woche geht es laut IG Metall mit Thüringen, Berlin-Brandenburg und Sachsen weiter. Die Friedenspflicht endet mit dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrages am 31. Oktober. Danach sind Warnstreiks möglich.
