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Politik

Hohe Preise: Welche Energiekosten auf die Verbraucher zukommen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 18, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Stand: 18.09.2026 • 09:20 Uhr

Der Iran-Krieg hat Energie stark verteuert. Wo sind die Preise bereits besonders stark angestiegen? Und worauf müssen sich Haushalte mit Blick auf die kommenden Monaten noch einstellen?

Sendungsbild

Die hohen Energiepreise infolge der Lage im Nahen Osten verunsichern viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland – gerade vor der Heizperiode. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) verteuerte sich Energie für Haushalte im August um 10,5 Prozent. Das war der höchste Anstieg seit mehr als drei Jahren. Und ein Ende der Teuerung scheint nicht in Sicht.

So haben die Großhändler ihre Preise so kräftig erhöht wie seit Februar 2023 nicht mehr. Preisänderungen im Großhandel kommen oft ein wenig verzögert auch bei den Verbrauchern an. Worauf müssen sie sich in den kommenden Monaten also einstellen?

Erdgas

Der Großhandelspreis für europäisches Erdgas ist zu Wochenbeginn wegen Angebotssorgen durch Lieferausfälle aus den Fördergebieten im Nahen Osten deutlich gestiegen. Nachdem ein geplantes Treffen zwischen Iran und mehreren Golfstaaten zur Lage in der blockierten und für den Transport von Energierohstoffen wichtigen Straße von Hormus verschoben wurde, sprang der Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zeitweise über fünf Prozent nach oben.

An der Börse in Amsterdam erreichte der Preis bei 83,75 Euro je Megawattstunde (MWh) den höchsten Stand seit Ende 2022. Mittlerweile hat er sich wegen der Einschränkungen bei den Energielieferungen in diesem Jahr fast verdreifacht. Zudem stehen europäische Länder, darunter auch Deutschland, unter Zeitdruck, die niedrigen Füllstände der Gasspeicher vor dem Wintereinbruch wieder aufzufüllen – bei wachsendem Wettbewerb um Flüssigerdgas (LNG).

Zum Vergleich: Mitte September 2025 lag der Gaspreis an der Börse noch bei unter 32 Euro. Seitdem beträgt der Anstieg mehr als 160 Prozent. Das hat Auswirkungen auf den durchschnittlichen Haushaltspreis, wenn auch bislang noch in begrenztem Rahmen. Vor einem Jahr lag er laut Verviox bei 11,14 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Aktuell kostet eine kWh demnach rund 12,52 Cent – ein Preisanstieg von etwa 12 Prozent. „Wer ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh beheizt, zahlt nun rund 280 Euro mehr“, so das Vergleichsportal gegenüber der ARD-Finanzredaktion.

Blieben die Gaspreise im Großhandel aber auf ihrem aktuellen Niveau oder stiegen sie noch weiter, sei ein weiterer Preisanstieg für Haushalte zu erwarten – vor allem bei Neukunden. „Die Neukundenpreise bilden die Großhandelspreise besonders schnell ab und sind seit Februar um über ein Drittel angestiegen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. Die Tarife der Bestandskunden reagieren demnach zwar langsamer, würden aber „früher oder später“ ebenfalls steigen.

„Beim aktuellen Preisniveau sind Preiserhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent zum Jahreswechsel möglich“, so Storck. Der Energieanbieter 1KOMMA5° rechnet im schlimmsten Fall sogar mit Preisen von mehr als 15 Cent pro kWh, sollten die Versorger die gestiegenen Einkaufspreise komplett an ihre Kunden weitergeben. Die Beschaffungskosten machen rund 50 Prozent des Gaspreises für die Endverbraucher aus.

Strom

Zu Wochenbeginn kostete Strom im Großhandel infolge der neuen Eskalation im Nahen Osten nach Daten der Bundesnetzagentur in Deutschland mehr als 256 Euro pro Megawattstunde (MWh). Am Montagabend erreichte er in der Spitze laut 1KOMMA5° sogar rund 740 Euro und lag damit nur knapp unter dem bisherigen Jahresrekord von 747 Euro Ende Juni. Im Schnitt habe der Strompreis an der Börse im September bei 147 Euro pro MWh gelegen – etwa 75 Prozent höher als im Vorjahr.

Zum Vergleich: Am Tag des Kriegsbeginns zwischen USA und Iran betrug der Großhandelspreis für Strom in Deutschland noch 53,35 Euro. Denn er hängt ebenfalls indirekt von der Situation in der Straße von Hormus ab. Weil die Strom-Nachfrage steigt, muss der höhere Bedarf durch den Einsatz von Gaskraftwerken gedeckt werden. Doch Gas ist durch die Blockade der Meerenge deutlich teurer als in den Vorjahren.

Hinzu kommt, dass die Stromerzeugung vor allem durch Photovoltaik am Abend abnimmt, was die höheren Preise zu der Tageszeit erklärt. Haushalte mit einem dynamischen Stromtarif, der sich an die Großhandelspreise anpasst, sollten daher abends auf ihren Verbrauch achten und zum Beispiel das E-Auto vom Netz trennen, falls sie keine intelligente Steuerung haben.

Die festen Tarife für Stromkundinnen und -kunden sind aber bislang noch stabil. „Im Bereich Strom sind die höheren Kosten für Öl und Gas, die sich indirekt auch auf die Strompreise auswirken, noch nicht bei den Haushalten angekommen“, schreibt auch Verivox. Im September 2025 habe der durchschnittliche Haushaltspreis bei 34,63 Cent pro kWh gelegen, aktuell seien es mit durchschnittlich 32,29 Cent sogar rund zwei Cent weniger als vor 12 Monaten.

Nach Einschätzung des größten deutschen Stromerzeugers RWE werden die Preise in den kommenden fünf Jahren auch erstmal auf dem Niveau bleiben. „Wenn der Zubau der Erzeugung so kommt wie jetzt geplant, das heißt die Backup-Kraftwerke und der Ausbau der Erneuerbaren weitergehen, werden die Erzeugungskosten in den nächsten Jahren durch die Ausweitung des Angebots sinken“, sagte RWE-Chef Markus Krebber im Juli. Das gleiche die hohen Kosten des Netzausbaus aus, was zu stabilen Preisen führe.

Heizöl

Ein Barrel der Rohölsorte Brent für die Lieferung im November kostete zu Wochenbeginn rund 108 Dollar. Das ist etwa 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Als direkte Folge ist auch Heizöl nach Zahlen des Portals Heizöl24 mit 1,66 Euro pro Liter um mehr als 30 Cent pro Liter teurer als Ende August. Von seinen Rekordständen aus dem Jahr 2022 ist der Preis zwar noch weit entfernt. Damals war er vorübergehend auf mehr als zwei Euro geklettert.

Doch im September des vergangenen Jahres lag der Heizölpreis Verivox zufolge bei rund 93 Euro pro 100 Liter. In diesem Monat kosten 100 Liter demnach im Schnitt 156 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 68 Prozent. „Wie viel ein individueller Haushalt nun mehr bezahlt, hängt allerdings vom Zeitpunkt der Bestellung und der Abnahmemenge ab“, schreiben die Experten.

Und trotzdem: Im Schnitt hat ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.000 Litern für sein Heizöl 3.120 Euro bezahlt, wenn er seinen Tank im September befüllt hat. 2025 wären es zum gleichen Zeitpunkt noch 1.860 Euro gewesen. Wer eine Ölheizung hat, ist somit noch stärker von Preissteigerungen betroffen als Gaskunden. Energieexperten raten, dennoch nicht zu lange auf sinkende Preise zu hoffen und mit der Bestellung lieber nicht zu warten.

Benzin und Diesel

Auch Tanken wird infolge der hohen Ölpreise immer teurer. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verteuerten sich Kraftstoffe allein im August nach Angaben von Destatis um fast 28 Prozent. Sowohl der Preis für Benzin als auch für Diesel haben in dieser Woche einen neuen Höchststand erreicht. Ein Ende der Steigerungen ist noch nicht in Sicht, die Tankstellen erwarten sogar Preise um die drei Euro.

Der ADAC rät Autofahrerinnen und Autofahrern zu versuchen, Preisschwankungen möglichst auszunutzen. Denn die Spritpreise dürfen nur einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöht werden – oftmals sind sie am späten Vormittag kurz vor den neuen Preisen am günstigsten. Darüber hinaus sollte man abseits der Autobahnen tanken. Denn dort kann das Tanken laut ADAC über 30 Cent teurer sein.

Die Bundesregierung plant angesichts der hohen Spritpreise kurzfristig finanzielle Entlastungen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die genaue Ausgestaltung ist jedoch noch unklar – und damit auch die Folgen für die Preise.

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Dr. Heinrich Krämer
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