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Startseite»Politik»Israelische Siedler gegen Palästinenser: Gewalt im Westjordanland eskaliert
Politik

Israelische Siedler gegen Palästinenser: Gewalt im Westjordanland eskaliert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.07.2026 • 14:34 Uhr

Im Westjordanland hat es zwischen Palästinensern und israelischen Siedlern erneut Tote gegeben: Fünf Menschen wurden getötet. Israels Finanzminister Smotrich fordert, Dörfer müssten von „Terroristen gesäubert werden“.

Jan-Christoph Kitzler

Bestürzung und Trauer in einem Krankenhaus in Nablus im von Israel besetzten Westjordanland: Eine junge Frau weint um ihren getöteten Vater, der auf einer Bahre liegt. Er ist einer von vier Palästinensern, die südlich der Stadt getötet wurden, vier weitere wurden verletzt. Über das, was passiert ist, gibt es unterschiedliche Angaben.

Auf einem Video, das in sozialen Medien verbreitet wird, sieht man lautstarkes Gerangel zwischen palästinensischen und israelischen Zivilisten, Letztere sind zum Teil bewaffnet. Auch ein israelischer Soldat ist zu sehen.

Es fallen Schüsse, ein israelischer Siedler geht mit seiner Waffe im Anschlag auf einen Palästinenser zu. Der entreißt ihm die Waffe und erschießt ihn. Soldaten und Siedler eröffnen daraufhin das Feuer auf die Palästinenser. Am Ende sterben fünf Menschen. Bei dem toten Israeli handelt es sich um einen Mann aus einer nahe gelegenen Siedlung.

Siedler sollen Häuser angegriffen haben

Die israelische Armee sprach von einer Gruppe Wanderer, die in der Gegend unterwegs gewesen seien. An dieser Darstellung kann man Zweifel haben, wenn man die Berichte von Palästinensern aus der Ortschaft Tell hört, wo der Vorfall passiert ist. Dort habe es zuvor Angriffe von Siedlern auf zwei Gebäude gegeben, heißt es, Palästinenser hätten sich gewehrt.

So schildert Khaled Abed dem ARD-Studio Tel Aviv die aktuelle Lage: „Die Besatzungstruppen sind im gesamten Gebiet verteilt und haben die Dorfeingänge abgeriegelt. Sie stellen Forderungen – es sind die Forderungen der Siedler -, denn sie wollen die Leichen an sich bringen. Wir befinden uns derzeit im Krankenhaus, wo die Leichen liegen; wir können sie jedoch nicht beisetzen. Würden wir uns ins Dorf begeben, würde die Armee die Leichen mit Gewalt beschlagnahmen.“

Außerdem sei Tell vollständig abgeriegelt, und es gebe einen massiven Aufmarsch von Besatzungstruppen.

Smotrich: „Dörfer müssen von Terroristen gesäubert werden“

Auch aus der Ortschaft Jet in der Nähe wurden danach Übergriffe von Siedlern gemeldet, Yamal Yamin, der Chef des Ortsrats: „Die Siedler greifen Jet vom südlichen Teil des Dorfes aus an, und die Jugendlichen versuchen, die Häuser und die Menschen zu verteidigen und zu schützen. Doch sie können sie nicht aufhalten, da die Siedler in großer Überzahl sind und von der Armee geschützt werden.“

Die israelische Armee hat zusätzliche Truppen in das Gebiet entsandt, Nablus, eine große Stadt, und Ortschaften in der Umgebung wurden abgeriegelt.

Immer wieder kommt es zu Übergriffen israelische Siedler im Westjordanland: In der besetzten Stadt Beit Furik setzten sie landwirtschaftliche Flächen in Brand.

Man muss mit weiteren Racheaktionen rechnen, auch wenn man Bezalel Smotrich hört, Israels Finanzminister und zuständig für die Siedlungen: „Diese Dörfer von Terroristen, aus denen immer und immer wieder Terror herauskommt, sie müssen genauso aussehen wie die Flüchtlingslager in Nablus und Tulkarem“, sagt Smotrich.

Die Bevölkerung müsse von dort evakuiert werden, zu ihrem „eigenen Schutz“, und dann müssten diese Dörfer von der „Terrorinfrastruktur und Terroristen“ gesäubert werden, um die Abschreckung und Sicherheit dort wieder herzustellen. „Darüber hinaus werde ich vom Premierminister die Errichtung einer neuen Siedlung verlangen“, so der Minister.

Siedler wollen nicht nachgeben

Terror ist in letzter Zeit allerdings überwiegend von jüdischen Siedlern ausgegangen. Fast täglich werden aus dem gesamten Westjordanland, das Israel völkerrechtswidrig besetzt, Gewaltakte gemeldet. 21 Palästinenser wurden dabei den Berichten zufolge seit Jahresbeginn getötet. Israelische Sicherheitskräfte stehen oft daneben oder sind an den Taten beteiligt, die in aller Regel strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Israel Gantz, Chef des lokalen Regionalrats der Siedler, sagte, was für ihn aus dem Vorfall bei Nablus folgt: „Wir sind entschlossen, nicht nachzugeben. Die Siedlungen in Samaria und in ganz Israel: Wir werden nur noch stärker, wir werden hier noch mehr bauen, wir werden niemals nachgeben.“

Man haben die Erwartung an die Regierung und die Armeeführung, dass sie dort eine große Militäraktion durchführt: „Es muss das Zeichen gesetzt werden, dass der Eigentümer, also Israel, ausrastet und diese Terrorwelle nicht toleriert“, so der Siedler Gantz.

Die Zeichen im Westjordanland stehen also auf Eskalation.

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