IW-Studie zeigt RückstandOstdeutsche Wirtschaft kommt nicht voran
Die Wiedervereinigung liegt Jahrzehnte zurück. Doch die Angleichung der Wirtschaftsleistung ist längst nicht vollendet, wie eine Studie zeigt. Mehr noch: Investitionen stocken, die Erwerbsbeteiligung sinkt, die Bevölkerung schrumpft.
Die ostdeutsche Wirtschaft holt seit fünf Jahren gegenüber der westdeutschen Wirtschaft nicht mehr auf. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der „Rheinischen Post“ vorliegt. 2025 erreichten die fünf ostdeutschen Flächenländer demnach knapp 79 Prozent des Westniveaus, nach gut 78 Prozent im Vorjahr. Das zeigen neue Zahlen aus dem aktuellen IW-Einheitsindex, der den Aufholprozess seit 1990 abbildet. Er berücksichtigt neben der Wirtschaftsleistung je Einwohner die Produktivitätsentwicklung, den Kapitalstock der Wirtschaft, den Anteil Hochqualifizierter bei Forschung und Entwicklung, die Erwerbsbeteiligung sowie die Arbeitslosen- und Selbstständigenquote.
Ostdeutschland fällt der Studie zufolge gleich bei mehreren Indikatoren zurück oder kommt nicht voran. So sinke etwa die Erwerbsbeteiligung. Gemessen an der Gesamtbevölkerung erreichte der Osten 2010 noch knapp 89 Prozent des Westniveaus, 2025 nur noch gut 85 Prozent. Auch die Investitionen seien ins Stocken geraten: Beim Wert aller Maschinen, Fabriken, Straßen und Gebäuden je Einwohner – also dem Kapitalstock – holt der Osten seit 15 Jahren kaum noch auf. 2010 lag er bei knapp 77 Prozent des Westniveaus, 2025 bei gut 79 Prozent. Beim Personal in Forschung und Entwicklung erreiche der Osten nur gut 46 Prozent des Westniveaus.
Zwar könnten die neuen Bundesländer auch Achtungserfolge vorweisen, etwa die Ansiedlung des Tesla-Werks im brandenburgischen Grünheide, das europaweit führende Chip-Cluster in Dresden oder den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Pessimistisch stimmt allerdings die besonders ungünstige demografische Struktur.“ Nach Bevölkerungsprognosen „schrumpft die Bevölkerung im Osten bis 2045 in einem Szenario ohne Zuwanderung um mehr als ein Fünftel – deutlich stärker als im Westen“, so das IW.
Die ostdeutschen Länder seien deshalb noch stärker als ihre westlichen Nachbarn auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. „Dass diese Offenheit für Zuwanderung nach den jüngsten Wahlergebnissen infrage steht, trübt den Ausblick“, heißt es. „Und ebenso wenig Rückenwind dürfte die dortige Wirtschaft von den Vorstößen ihrer Ministerpräsidenten bekommen, die Rente mit 63 beizubehalten. „Denn mit seiner Bevölkerungsstruktur ist der Osten besonders darauf angewiesen, erfahrene Beschäftigte länger im Job zu halten“, schreibt das IW.
