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Kampf um die Trainerkarriere: Sandro Wagner macht sich plötzlich ganz klein

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 8, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Endlich erlebt Sandro Wagner sein erstes Pflichtspiel als Chefcoach von Hannover 96. Eine erste wichtige Entscheidung hat er bereits getroffen. Seine eigene Rolle hält er ganz klein.

Zehn Monate war von Sandro Wagner wenig zu sehen und wenig zu hören. Überraschend für einen Mann, der das Rampenlicht eigentlich anzieht. Nach seinem schnell gescheiterten Cheftrainer-Debüt im Profibereich ging der 38-Jährige in die innere Einkehr. Er suchte nach Gründen, warum es beim FC Augsburg nicht so funktioniert, wie er und der Klub sich das vorgestellt hatten. Er fand einiges, das nicht gut war. Aber er sah in der Rückschau auch die Dinge, die ihm noch immer gefallen.

Möglichst viele davon will er nun beim Comeback in Hannover einbringen. Die 96er stellen ihm dafür die Bühne zur Verfügung. Gemessen an der Tradition des Vereins ist es eine größere als in Augsburg. Gemessen am Erfolg der vergangenen Jahre verzwergt sich der große Wagner für die Rückkehr. Und er macht es sich nicht leicht. Denn das Umfeld der Niedersachsen ist eher nervös, die Sehnsucht nach der 1. Fußball-Bundesliga riesig. Vor dieser Saison wurde der Klub als Aufstiegsfavorit ausgemacht.

Ein prächtiges Match?

Dass er diese zugewiesene Rolle bisher nicht ausfüllen konnte, ist die Chance für Wagner. Christian Titz, sein Vorgänger und in der vergangenen Spielzeit nur knapp gescheitert, musste nach einem ruckeligen Start gehen. Nach sechs Spieltagen steht der Klub bei sieben Zählern. Solide reicht nicht. Es könnte tatsächlich ein prächtiges Match sein, das sich da am Rande des Maschsees gefunden hat. Beide denken groß. Aber die Physik lehrt ja auch: Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab. Welches Gesetz gilt, das des Fußballs oder der Naturwissenschaft, das zeigt sich ab Samstag.

Wagners Hannoveraner treten dann beim 1. FC Magdeburg an. Nach einem desaströsen Start hat sich der Klub in den Schatten der Aufstiegsränge vorgepirscht. Es ist also direkt ein Sechs-Punkte Spiel für Wagner. Er bewegt sich vor seinem Debüt weiter auf sehr leisen Sohlen. Schon bei der Antrittsrede hatte er das markige Sprücheklopfen, das er beherrscht, ausgespart. Und so macht er weiter. Seine eigene Rolle verzwergt er radikal.

„Es ist unser Fußball, kein Wagner-Fußball. Das ist keine One-Man-Show, 96 steht im Vordergrund“, sagte der neue Coach auf die Frage, welchen Fußball man von seinem Team erwarten könne. „Es geht im Gesamtkontext immer um Hannover 96. Dass ich nun ein Teil davon sein kann, freut mich natürlich.“ Die Größe der Aufgabe hatte ihn schon direkt nach der Zusage überwältigt. „Wenn man schaut: Hier sind immer über 40.000 Zuschauer. Das ist ein Traditionsverein. Da denkt man sich schon: Wow, das hat schon eine Power. Das Stadion ist cool. Die Stadt ist cool. Da denkt man sich dann: achtes Jahre zweite Liga? Warum? Wieso? Das könnte eigentlich auch ein Erstligist sein.“

Wagner macht eine große Ansage

Wagner würde es sicher gefallen, wenn sein Name irgendwann damit in Verbindung gebracht werden würde, dass 96 wieder im Oberhaus kickt. „Es muss die Ambition eines Vereins sein, sich zu verbessern. Wenn du in der dritten Liga bist, willst du in die zweite. Wenn du in der zweiten Liga bist, willst du in die erste. Das ist fast schon verpflichtend für Vereine, finde ich.“

Wie rau es in der Bundesliga zugeht, hat Wagner im beschaulichen Augsburg erfahren. Nach nur fünf Monaten wurde einen Schlussstrich unter das extrem ambitionierte Projekt gezogen. „Wir wollten gemeinsam viel verändern, leider ist uns das in der kurzen Zeit nicht wie erhofft gelungen“, sagte Wagner. Der angestrebte Erfolg stellte sich nicht ein. In 14 Pflichtspielen gab es vier Siege, ein Remis sowie neun Niederlagen. Mit dem eloquenten und selbstbewusst auftretenden Wagner sollte zudem ein Imagewechsel vollzogen werden; weg von der „Grauen-Maus“-Erscheinung, hin zu einer größeren Außenwirkung. Die wurde mit Wagner auch erreicht, aber nicht im sportlichen Kontext.

Mit der nun eingeschlagenen Beziehung gehen beide Seiten ins Risiko. Wagner, weil er schnell liefern muss, um die Unruhe im Umfeld zu tilgen und seinen eigenen Ruf zu verteidigen. Ein erneutes Blitz-Scheitern würde ihm vermutlich viele Türen im deutschen Fußball zuschlagen.

Und Hannover? Weil sie mit Wagner einen Trainer mit beachtlicher Größe verpflichtet haben. Einen, der auffällt. Auf den sehr schnell das Rampenlicht fällt. Er selbst mag das eigentlich nicht. „Für mich ist nur ein Bild entscheidend: Und das ist das Bild, das der Mensch hat, mit dem ich interagiere und der mich kennt. Und wenn mich jemand nicht kennt, dann ist es okay, wenn er ein Bild hat. Das kann ich ihm ja nicht nehmen. Aber ich möchte, dass der, der mich kennt, ein schönes Bild von mir hat. Und ich glaube, da gab es in der Vergangenheit schöne Bilder. Weil ich eigentlich ein ganz normaler Mensch bin.“

Mit seinen ersten Schritten hat er direkt Eindruck hinterlassen. „Er ist ein kleiner Mini-Klopp“, sagte der Aufsichtsrats-Chef und langjährige Klub-Boss Martin Kind bei einem Sponsoren-Termin. Dessen Prominenz und das öffentliche Interesse an dem früheren Spieler und Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft schade Hannover 96 nicht. „Es hilft!“, so Kind. „Er ist sehr offen, sehr freundlich, sehr kommunikativ. Und er kann motivieren. Ich glaube, das war bei Christian Titz nicht so ausgeprägt“, sagte der 82 Jahre alte Kind über den neuen Trainer.

„Eine Trennung ist nie schön“

Negativ über Titz wollte sich der Unternehmer dennoch nicht äußern. „Ich habe ihm geschrieben. Eine Antwort kam bisher nicht. Das erwarte ich auch nicht. Eine Trennung von Trainern oder Mitarbeitern ist nie schön“, sagte Kind. „Er hat wirklich zum Teil überragende Arbeit geleistet.“

Er habe „sehr viel gelernt in den ersten Tagen und Wochen“, sagte Wagner, der im September als Cheftrainer angefangen hat, aufgrund der langen Länderspielpause aber noch auf sein Debüt warten musste. Nun ist es so weit. „Unabhängig vom Taktischen will ich, dass unsere Zuschauerinnen und Zuschauer, die mitfahren, sehen, dass da jeder für den anderen durchs Feuer will. Wenn jeder alles für das Trikot gibt, bin ich schon meistens zufrieden“, sagte er.

„Ich weiß, dass das Geschäft immer schnell Ergebnisse sehen will, auf der anderen Seite weiß ich auch, dass Prozesse ein Stück weit Zeit brauchen. Und zwischen diesen beiden Welten versuchen wir uns zu bewegen“, sagte Wagner, der bereits eine erste wichtige Entscheidung verkündete. Der bisherige Stammkeeper Leo Weinkauf wird auch unter ihm zunächst das Tor hüten, Pascal Loretz bleibt zweite Wahl. Wagner hat gesprochen. Vorerst nur leise.

Verwendete Quelle: ntv.de

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