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Startseite»Betrugsmaschen»Kann ChatGPT meinen digitalen Fußabdruck löschen?
Betrugsmaschen

Kann ChatGPT meinen digitalen Fußabdruck löschen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 1, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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→Wie entstehen Fake-News mithilfe von KI? Antworten finden Sie im Leitfaden KI-Fake-News.

Auf Instagram wird ein Reel verbreitet (Archiv), in dem Nutzer „Löschen“ kommentieren sollen, um vier Prompts zu erhalten. Diese Prompts sollen angeblich reichen, damit ChatGPT persönliche Daten im Netz findet und entfernt.

Kann ChatGPT meinen digitalen Fußabdruck löschen?
Screenshot des fraglichen Posts

Was in den vier Prompts versprochen wird

Das Reel nennt vier Schritte: ChatGPT soll zuerst „das Internet“ nach persönlichen Daten durchsuchen und alle Datenbroker samt Opt-out-Link auflisten. Danach soll ChatGPT für jede Website eine Löschungsaufforderung schreiben.

Im dritten Schritt soll der ChatGPT-Agent diese Anfragen selbst auf den Websites einreichen. Im vierten Schritt soll ChatGPT jede Woche erneut prüfen und so lange nachfassen, bis alle Daten verschwunden sind.

Genau diese Kette ist das Problem: Suchen, Schreiben, Einreichen und regelmäßiges Nachfassen werden so dargestellt, als könne ChatGPT den gesamten Vorgang automatisch erledigen. Das stimmt so nicht.

Der wahre Kern: Persönliche Daten können tatsächlich auf Webseiten, in alten Profilen, Telefonverzeichnissen, Registern oder bei Datenbrokern auftauchen. ChatGPT kann helfen, solche Treffer zu suchen und Löschanfragen zu formulieren. Aber es kann nicht sicher den kompletten digitalen Fußabdruck finden – und auch nicht automatisch überall löschen.

ChatGPT findet nicht alles

ChatGPT kann öffentlich sichtbare Informationen auswerten, wenn eine Websuche verfügbar ist. Dazu gehören Suchmaschinen-Treffer, frei erreichbare Webseiten, alte Profile oder Einträge ohne Login.

Das ist hilfreich, aber keine vollständige Suche im Internet. Viele Daten liegen hinter Logins, Captchas, Bezahlschranken, in internen Datenbanken oder geschlossenen Bereichen sozialer Netzwerke. Auch Datenbroker zeigen ihre Einträge nicht immer so, dass ein Chatbot sie zuverlässig prüfen kann.

Wichtig ist außerdem: Wer ChatGPT mit Namen, Adresse oder Telefonnummer suchen lässt, gibt dieser KI selbst persönliche Informationen. Das erzeugt nicht automatisch einen neuen Datenbroker-Eintrag. Es ist aber ein weiterer Dienst, der diese Angaben verarbeitet.

Eine Liste ist noch kein Fund

Das Reel behauptet, ChatGPT habe Hunderte Websites gefunden, auf denen persönliche Daten stehen. Das klingt erschreckend, kann aber täuschen.

Eine KI kann bekannte Datenbroker und Personensuchseiten aufzählen. Das heißt noch nicht, dass die konkrete Person dort wirklich eingetragen ist.

Viele dieser Listen enthalten US-Seiten wie Spokeo, Whitepages, BeenVerified oder Intelius. Für Menschen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sind solche Seiten oft nur relevant, wenn es einen Bezug zu den USA gibt. Im DACH-Raum sind häufig Telefonbuchdienste, Firmenregister, Vereinsregister, alte Profile, Bewertungsportale oder Suchmaschinen-Treffer wichtiger.

Der entscheidende Punkt: Eine mögliche Trefferliste ist kein überprüfter Eintrag.

Automatisch löschen klappt oft nicht

Der problematischste Teil des Reels ist der angebliche Automatismus. Der ChatGPT-Agent soll auf jede Website gehen und Löschanfragen selbst einreichen.

In der Praxis scheitert das oft an ganz normalen Hürden: Captchas, E-Mail-Bestätigungen, Logins, genaue Profil-Links, Telefonnummern, Identitätsnachweise oder manuelle Prüfungen durch Betreiber.

Ein Agent kann Seiten öffnen, Texte vorbereiten oder beim Ausfüllen helfen. Aber sobald eine Mail bestätigt, ein Captcha gelöst oder die eigene Identität nachgewiesen werden muss, braucht es den Nutzer.

Dazu kommt: Wer einem KI-Agenten Zugriff auf E-Mails, Konten oder angemeldete Webseiten gibt, öffnet sehr sensible Bereiche. Das sollte man nicht leichtfertig tun.

Vier Prompts lösen kein Datenschutzproblem

Auch der vierte Prompt ist überzogen. ChatGPT soll jede Woche prüfen und Löschanfragen wiederholen, bis alle Daten verschwunden sind.

Eine Erinnerung kann helfen. Sie ersetzt aber keine Prüfung. Wenn eine Website wieder eine Bestätigung oder einen Identitätsnachweis verlangt, muss erneut ein Mensch handeln.

Mimikama-Club - Communitybereich fuer Steady-Unterstuetzer:innen

Vor allem kann niemand seriös garantieren, dass „alle Daten“ verschwunden sind. Man kann Treffer reduzieren, Löschungen beantragen und die Sichtbarkeit verringern. Eine vollständige Löschung aus allen Quellen ist mit vier Prompts nicht realistisch.

Warum das Reel trotzdem verfängt

Das Video wirkt glaubwürdig, weil es an eine echte Sorge anschließt. Viele Menschen wissen nicht, wo ihre Daten online stehen. Wer alte Adressen, Telefonnummern oder Profile findet, ist zu Recht verunsichert.

Das Reel macht daraus eine einfache Lösung: vier Prompts, ein KI-Agent, alles weg. Genau hier liegt der Denkfehler. Suchen ist nicht dasselbe wie vollständig finden. Eine Löschmail ist nicht dasselbe wie eine erfolgreiche Löschung. Und ein KI-Agent ist kein Datenschutzdienst, der alle Datenbroker automatisch bereinigt.

Auffällig ist auch die Aufforderung „Kommentiere ‚Löschen‘“. Solche Kommentare bringen Reichweite und können Direktnachrichten oder Verkaufsstrecken auslösen. Das muss nicht automatisch Betrug sein. Es ist aber ein typisches Muster, um Aufmerksamkeit und Kontakte zu sammeln.

Was Nutzer besser tun sollten

Wer prüfen will, welche Daten online sichtbar sind, sollte gezielt suchen: nach Namen, früheren Namen, alten Nutzernamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Wohnorten.

Bei einem Treffer sollte man zuerst prüfen, wer die Seite betreibt, ob es ein Impressum gibt und ob die Anfrage an eine seriöse Stelle geht. Bei Treffern in der EU kann eine Löschanfrage nach Artikel 17 DSGVO helfen. Dabei sollte man nur die Daten angeben, die nötig sind, damit der Betreiber den Eintrag findet.

FAQ: ChatGPT und digitaler Fußabdruck

Kann ChatGPT meinen kompletten digitalen Fußabdruck finden?

Nein. ChatGPT kann öffentlich sichtbare Treffer finden, aber keine geschlossenen Datenbanken, Login-Bereiche oder internen Broker-Systeme vollständig durchsuchen.

Kann ChatGPT Löschanfragen schreiben?

Ja. Das kann hilfreich sein. Ob die Daten gelöscht werden, entscheidet aber der Betreiber nach Prüfung.

Kann der ChatGPT-Agent alles automatisch löschen?

Nein. Viele Seiten verlangen Captchas, Mailbestätigungen, Logins oder Identitätsnachweise.

Warum ist die Instagram-Behauptung irreführend?

Weil sie aus einer nützlichen Hilfsfunktion ein Komplettversprechen macht. ChatGPT kann unterstützen, aber keine vollständige und automatische Löschung garantieren.

Du hast diesen Fall jetzt geprüft gesehen.
Aber täglich fallen Tausende auf solche Maschen herein – oft Menschen, die du kennst.
Wir prüfen jeden Tag neue Fälle. Damit weniger Leute darauf reinfallen.

Was passiert, wenn solche Inhalte nicht erkannt werden?

💸BetrugMenschen verlieren Geld – oft ohne es sofort zu merken.

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Seit über 15 Jahren. Unabhängig. Ehrenamtlich.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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Dr. Heinrich Krämer
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