Kontroverse um den Modedesigner Met Gala könnte wegen John Galliano verschoben werden
Die Met Gala 2027 soll den wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen Designer John Galliano ehren. Der geplante Termin des Events fällt ausgerechnet auf den israelischen Holocaust-Gedenktag. Erste Spender ziehen sich bereits zurück.
Den ersten Montag im Mai haben Fashion-Fans weltweit jedes Jahr mit einem dicken Kreuz im Kalender markiert. Denn dann findet traditionell die Met Gala in New York statt. Alles, was in der Mode- und Promiwelt Rang und Namen hat, hofft auf eine Einladung zu dem Event. Über die Gästeliste wacht alljährlich die frühere „Vogue“-Chefin Anna Wintour mit strengem Blick. Sie ist es auch, die das Motto der Gala, die im Metropolitan Museum of Art über die Bühne geht, vorgibt. 2027 soll die Met Gala unter dem Motto „John Galliano: Horizons“ eine Hommage an den wegweisenden, aber eben auch skandalumwitterten, britischen Modedesigner werden.
Bereits die Bekanntgabe des Mottos sorgte vielerorts für Empörung. Schließlich hatte Galliano seine Karriere im Jahr 2010 selbst zerstört, als er in einem Café im Pariser Szeneviertel Marais Gäste antisemitisch und rassistisch beleidigte. In einem Augenzeugen-Video ist unter anderem zu hören, wie der Designer erklärt, dass Adolf Hitler „wunderbar“ sei. Ein Pariser Strafgericht sah es später als erwiesen an, dass Galliano die betroffenen Personen unter anderem als „Dreckiges Judengesicht“ und „Beschissener asiatischer Mistkerl“ beschimpft hatte.
Der Brite wurde 2011 zu einer Geldstrafe von 6000 Euro auf Bewährung verurteilt und verlor seinen Job als Chefdesigner bei Christian Dior. Der französische Präsident François Hollande entzog dem Modemacher 2012 zudem per Dekret den Titel Ritter der französischen Ehrenlegion, der ihm 2009 verliehen worden war. Galliano entschuldigte sich öffentlich und gab an, zum Zeitpunkt des Vorfalls alkohol- und drogenabhängig gewesen zu sein. Im Anschluss versuchte er, Wiedergutmachung zu leisten, indem er unter anderem mit jüdischen Persönlichkeiten zusammenarbeitete.
2014 stellte Martin Margiela Galliano als neuen Kreativdirektor ein. Schließlich sei der Designer „unbestritten eines der größten kreativen Talente aller Zeiten“, hieß es in dem Statement des Modehauses. Auch Supermodel Kate Moss stand öffentlich zu ihrem Freund und ließ sich von ihm 2011 ihr Hochzeitskleid entwerfen, als sie Musiker Jamie Hince heiratete.
Anna Wintour, die als große Förderin von Galliano gilt, verteidigte ihre Entscheidung, ihn bei der Met Gala zu ehren, bereits mit Nachdruck. „Niemand hat eine Ausstellung dieser Größenordnung mehr verdient als John Galliano“, erklärte sie bei der Bekanntgabe. „Er ist ein großartiger Designer, und seine Karriere wird nicht durch einen Moment definiert, mit dem er für den Rest seines Lebens leben muss.“ Die Schau werde „vor keiner Dunkelheit in Johns Vergangenheit zurückschrecken“. In der Modewelt gilt Galliano längst wieder als Genie, nicht zuletzt seit seiner ikonischen Haute-Couture-Show für Margiela im Jahr 2024.
Im Zusammenhang mit der Kontroverse, ob John Galliano nach dem antisemitischen Vorfall eine solche Ehrung verdient habe oder nicht, spielt auch das Timing der kommenden Met Gala eine Rolle. Denn 2027 fällt der erste Montag im Mai ausgerechnet auf Jom haScho’a, den Gedenktag für die Opfer des Holocaust. Wie die „New York Times“ berichtet, sollen Treuhänder und Vorstandsmitglieder des Metropolitan Museums daher tatsächlich über eine Verschiebung des Galatermins verhandeln.
In den letzten Tagen habe „der Widerstand gegen die Pläne des Museums, Galliano zu ehren, unter jüdischen Führungspersönlichkeiten in New York und darüber hinaus zugenommen“, heißt es in dem Bericht der Zeitung. Und weiter: „Spender haben sich an die Verantwortlichen des Met gewandt und gedroht, ihre Spenden an das Museum zurückzuziehen, sollte die Ausstellung wie geplant stattfinden.“
Offener Brief an Anna Wintour
Auch aus der Stadtpolitik kommt Druck. Julie Menin, Sprecherin des New Yorker Stadtrats, hat einen offenen Brief an Anna Wintour und das Museum gerichtet. „John Gallianos lange Geschichte von Antisemitismus, Rassismus und antiasiatischer Hetze ist zutiefst beunruhigend“, schrieb sie darin. „Sein Verhalten war wiederholt und schwerwiegend.“ In einer Zeit, in der die Stadt einen starken Anstieg von Hass erlebe, halte sie eine so prominente Ehrung für „völlig unangemessen“.
Museumsdirektor Max Hollein betonte bereits am vergangenen Freitag gegenüber der britischen Zeitung „Times“, dass das Metropolitan Museum of Art „keinerlei Antisemitismus, Rassismus oder Vorurteile“ dulde. Man stehe in engem Austausch mit jüdischen Vertretern und nehme die Bedenken ernst. Die Leitung arbeite an einem „durchdachten Plan für die Ausstellung und die Gala im nächsten Jahr“, der den moralischen und ethischen Standards des Hauses entspreche.
Nach Yves Saint Laurent 1983 und Rei Kawakubo 2017 wäre John Galliano erst der dritte lebende Designer, dem das Met eine eigene Ausstellung widmet.
