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Startseite»Nachrichten»Kritik an Bundeswehr und Nato: Militärische Aufrüstung macht Klimaziele zunichte
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Kritik an Bundeswehr und Nato: Militärische Aufrüstung macht Klimaziele zunichte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Kritik an Bundeswehr und NatoMilitärische Aufrüstung macht Klimaziele zunichte

Kampfflugzeug der finnischen Luftwaffe während einer Nato-Übung. (Foto: picture alliance/dpa/Lehtikuva)

Die meisten westlichen Staaten haben sich zur Klimaneutralität verpflichtet. Doch ihre Streitkräfte werden von ernsthaften Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen weitgehend ausgenommen. Auch Deutschland steht dabei in einem schlechten Licht.

Angesichts zunehmender Bedrohungen und geopolitischer Spannungen rüsten viele Länder auf – und haben gleichzeitig Pläne, in den nächsten Jahrzehnten klimaneutral zu werden. Wie passt beides zusammen? Nicht besonders gut, wie eine aktuelle Analyse der Nichtregierungsorganisation Scientists for Global Responsibility belegt, die seit Jahren die Rolle des Militärs in der Klimakrise beobachtet und dokumentiert. Bei den meisten der 26 betrachteten Länder – überwiegend Nato-Staaten – klaffen erhebliche Lücken bei der Frage, wie die Streitkräfte in Zukunft klimafreundlicher werden sollen.

Und das müssten sie eigentlich, denn die Mehrzahl der Staaten hat das Ziel, ihre klimaschädlichen Emissionen langfristig auf netto null zu senken – Deutschland etwa bis zum Jahr 2045, die EU bis 2050. Auch die Nato als Ganzes hat 2050 als Zieljahr für netto null ausgegeben. Soll das klappen, muss auch das Militär seinen Beitrag leisten, zumal es gerade in Zeiten der Aufrüstung durch hohe Emissionen in den Lieferketten sowie einen hohen Treibstoffverbrauch ein ziemlich klimaschädlicher Sektor ist.

Nur die Minderheit hat konkrete Pläne

Der aktuellen Analyse zufolge haben nur 9 der 26 betrachteten Länder überhaupt konkrete Zwischenziele für die Verringerung ihrer Emissionen. Damit sind Etappenziele auf dem Weg zu netto null gemeint, also etwa ein Ziel bis zum Jahr 2035. Vier davon – Australien, Irland, Slowenien und die Schweiz – beziehen dabei sowohl direkte als auch indirekte Emissionen etwa aus Lieferketten mit ein.

Die übrigen fünf – dazu zählt Deutschland und daneben Frankreich, Großbritannien, Kanada und Norwegen – haben demnach Zwischenziele, die 17 bis 92 Prozent ihrer direkten Emissionen einbeziehen. Nur zwei Länder – Irland und Slowenien – haben Ziele, die mit einer Klimaneutralität zur Mitte des Jahrhunderts vereinbar sind.

Die größten Streitkräfte bleiben tatenlos

Der federführende Autor des Berichts, Stuart Parkinson, kritisierte, es habe zwar in den vergangenen Jahren grüne Ankündigungen verschiedener Streitkräfte und der Nato gegeben. Die genauere Betrachtung zeige jedoch, dass nur wenige signifikante Fortschritte machten.

„Nun werden selbst diese begrenzten Fortschritte durch riesige Aufrüstungsprogramme untergraben, nicht zuletzt innerhalb der Nato“, so der Forscher. „Wie die extremen Wetterereignisse dieses Sommers zeigen, verschärft sich die Klimakrise rasant. Wir können es uns nicht leisten, dass die Streitkräfte und ihre Lieferketten von ernsthaften Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen ausgenommen bleiben.“

Die größten Militärs der Welt – die USA, China und Russland – haben dem Bericht zufolge bislang sogar überhaupt keine Pläne, die Emissionen ihrer Streitkräfte zu reduzieren.

Aufrüstung macht bisherige Fortschritte zunichte

Die Bundeswehr verweist in ihrem Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2024 darauf, dass die gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 reduziert werden sollen. Mit Blick auf die Energieversorgung in den Liegenschaften der Bundeswehr seien im Jahr 2023 bereits rund 82 Prozent weniger Emissionen entstanden, heißt es weiter – allerdings sei auch die Zahl der Einrichtungen und das Personal erheblich reduziert worden.

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Schützen und repräsentieren: Beim Klimaschutz ist bei der Bundeswehr noch Luft nach oben. (Foto: picture alliance / Ipon)

Parkinson sagt dazu, auf den ersten Blick wirke Deutschland wie ein Vorreiter. Aber: „Das Ziel Deutschlands lässt die Hälfte der Kernemissionen unberücksichtigt, und der Großteil der Verringerung lässt sich auf die Schließung von Stützpunkten nach dem Ende des Kalten Krieges sowie auf zivile Maßnahmen zur Dekarbonisierung des nationalen Stromnetzes zurückführen.“ Emissionen aus Industrie und Lieferketten würden nicht berücksichtigt. „Angesichts des derzeit laufenden massiven Aufrüstungsprogramms werden sogar die bereits erzielten Reduzierungen wieder zunichtegemacht.“

Auch in anderen Ländern kämen bisherige Einsparungen eher aus dem zivilen Bereich – also etwa dadurch, dass Stromnetze dekarbonisiert oder Militärbasen geschlossen würden.

Krise mit neuen militärischen Risiken

Militärvertreter und Experten aus den USA, Frankreich und den Niederlanden schlossen sich vor einigen Jahren im International Military Council on Climate and Security (IMCCS) zusammen, um gemeinsam zu erarbeiten, wie das Militär der Klimakrise begegnen sollte. Denn diese verlangt den Streitkräften nicht nur eine Umstrukturierung ab, sondern bringt auch zusätzliche Risiken mit sich.

In einem ihrer Berichte bemängelte die Gruppe, dass es bislang überhaupt kein standardisiertes Verfahren gibt, um den Ausstoß von Treibhausgasen bei Armeen überhaupt zu messen. Im Pariser Klimaschutzabkommen ist das Militär nicht berücksichtigt. Es habe oft auch die Sorge gegeben, zu viel Transparenz könnte Armeen strategisch schwächen, hieß es.

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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