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Politik

Kupferpreis auf Rekordhoch: Warum es für Verbraucher teuer werden könnte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 13, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 13.09.2026 • 15:03 Uhr

Kupfer kostet so viel wie nie. US-Zollsorgen, KI, Stromnetze und E-Autos treiben den Kupferpreis. Wo der Preisschub für Verbraucher spürbar werden könnte – vom Bauen bis zur Stromrechnung.

Angela Göpfert

Kupfer steckt im Stromkabel – genauso wie im Elektroauto, in der Wärmepumpe oder im Smartphone. Und dieser Alltagsrohstoff ist derzeit so teuer wie nie. An der Londoner Metallbörse LME stieg der Preis in dieser Woche auf rund 14.800 Dollar je Tonne; seit Jahresbeginn beziffert sich der Zuwachs bereits auf rund 19 Prozent.

US-Zollsorgen treiben den Kupferpreis

Ein wichtiger Grund für die starken Preissteigerungen liegt derzeit in den USA. Händler schaffen große Mengen Kupfer dorthin – aus Sorge, dass US-Präsident Donald Trump neue Importzölle verhängen könnte. Es gebe zwar zurzeit keinerlei Informationen dazu, ob und wann die US-Administration Kupfer-Zölle einführen könnte, sagt Thu Lan Nguyen, Leiterin Rohstoff- und Devisenanalyse bei der Commerzbank, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. „Aber der Markt spekuliert momentan darauf.“

Die US-Kupferimporte erreichten zuletzt einen Rekordwert. Allein im Juli waren es mehr als 220.000 Tonnen. Die Folge: Ein zunehmender Teil des Metalls landet in amerikanischen Lagern. „Damit wird dem Rest der Welt Kupfer entzogen“, so Nguyen. Die Kupferbestände in den LME-Lagerhäusern sind seit Ende Mai um fast 40 Prozent gefallen.

Chile: Wetterextreme gefährden Kupferförderung

Ein weiteres Risiko für das ohnehin angespannte Angebot sind Wetterextreme. Im August traf ein schwerer Sturm mit Überschwemmungen mehrere chilenische Kupferminen, in einigen musste sogar der Betrieb gestoppt werden. „Alle reden vom Monster El Niño“, betont Rohstoffexperte Martin Brückner von Matflixx im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Das Klimaphänomen erhöhe in Chile das Risiko für viel Regen und starke Stürme – und das beeinträchtige die Arbeit in den Kupferminen.

Das ist besonders relevant, weil Chile der größte Kupferproduzent der Welt ist. Nach Angaben des US Geological Survey (USGS) kamen 2025 rund 5,3 Millionen Tonnen Kupfer aus chilenischen Minen – knapp ein Viertel der weltweiten Förderung.

IEA: „Zeitalter der Elektrizität“

Doch hinter dem Rekord steckt auch eine längerfristige Entwicklung: Die Welt braucht immer mehr Kupfer. Die Internationale Energieagentur spricht bereits vom „Zeitalter der Elektrizität“: Von 2026 bis 2030 soll der jährliche Zuwachs der weltweiten Stromnachfrage im Schnitt 50 Prozent höher ausfallen als im vergangenen Jahrzehnt.

Immer mehr Strom muss also erzeugt, transportiert und verteilt werden – und genau dafür ist Kupfer ein Schlüsselrohstoff. „Die Welt wird elektrifiziert, und Kupfer elektrifiziert eben die Welt. Kupfer ist der zweitbeste Leiter von Strom, Silber ist der beste, aber Silber ist auch rund 150-mal teurer“, betont Rohstoffexperte Brückner.

Je mehr Strom erzeugt, verteilt und genutzt wird, desto mehr Kupfer wird gebraucht – für Netze, Kabel, Transformatoren. Die Internationale Energieagentur sieht deshalb gerade den Ausbau der Stromnetze als einen der wichtigsten Treiber der Kupfernachfrage. In ihrem aktuellen Rohstoffausblick erwartet sie bis 2040 einen zusätzlichen Kupferbedarf von rund sieben Millionen Tonnen.

KI und E-Autos treiben den Kupferbedarf

Der Nachfrageboom bei Kupfer wurde zuletzt durch den rasanten Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz massiv beschleunigt. Die von US-Hyperscalern wie Amazon, Alphabet, SpaceX und Meta errichteten Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Kupfer, vor allem für die Stromverteilung.

Hinzu kommt die Energiewende: Neue Wind- und Solarparks müssen ans Netz angeschlossen werden, Stromspeicher ebenfalls. S&P Global erwartet, dass die weltweite Kupfernachfrage bis 2040 um rund 50 Prozent steigt. Neben Energiewende und KI-Rechenzentren soll die Elektromobilität den Bedarf zusätzlich treiben.

Ein Elektroauto enthält nach Berechnungen von S&P Global fast dreimal so viel Kupfer wie ein klassischer Verbrenner. „In einem einzigen Elektroauto stecken etwa 75 Kilogramm Kupfer“, betont Matflixx-Experte Brückner. In einem KI-Rechenzentrum könnten es bis zu 50.000 Tonnen sein.

Bauen und Renovieren wird teurer

Für Verbraucher stellt sich damit die Frage, wie viel von dem Preisanstieg bei Kupfer an den Rohstoffmärkten am Ende tatsächlich bei ihnen ankommt. Denn das Metall steckt auch in vielen Produkten und Anwendungen des Alltags.

„Bauen wird immer teurer“, sagt Rohstoffexperte Brückner. „Im Baumarkt merkt man es an der Kasse, ob es nun Wasserrohre aus Kupfer oder Stromkabel sind, aber auch Wärmepumpen und sämtliche elektrische Installationen. All das kriegt nochmal einen richtigen Preisschub.“

Kupferpreis könnte auch Netzentgelte belasten

Der Effekt beschränkt sich aber nicht auf Bauen, Renovieren und Haustechnik. Kupfer ist auch Bestandteil vieler Geräte, die Verbraucher täglich nutzen. „Kupfer steckt auch in Elektrotechnik, Elektronik, Mikrochips“, so Commerzbank-Expertin Nguyen. Das könne sich dann auch in den Preisen etwa von Smartphones und Computern widerspiegeln.

Relevant für Verbraucher könnte auch der Netzausbau werden: Kupfer macht laut IEA rund 10 bis 15 Prozent der Kosten von Transformatoren und Stromkabeln aus. Steigen diese Kosten, kann das langfristig auch die Netzkosten erhöhen. Netzentgelte machen laut der Bundesnetzagentur bei deutschen Haushalten bereits rund 30 Prozent der Stromrechnung aus.

Autohersteller setzen verstärkt auf Aluminium

Nicht überall dürften sich allerdings höhere Kupferpreise an die Kunden weitergeben lassen. So ist beispielsweise in der Autoindustrie der Preiskampf extrem hart. BMW, Ferrari, Tesla und mehrere chinesische Hersteller setzen in Teilen der Fahrzeugverkabelung zunehmend auf Aluminium statt Kupfer – auch wegen hoher Kupferpreise und Sorgen über die künftige Versorgung. Aluminium kostet zurzeit nur etwa ein Viertel so viel wie Kupfer – leitet Strom allerdings deutlich schlechter als das rote Metall.

Für Verbraucher heißt das: Der Preisrekord bei Kupfer dürfte nicht überall sofort auf den Preis durchschlagen. Doch je stärker die Welt elektrifiziert wird und je knapper das Angebot bleibt, desto eher dürfte teures Kupfer auch im Alltag spürbar werden.

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