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Startseite»Politik»Leipzig: Flugzeug neben Sprengstoff-Drohne war mit Munition beladen
Politik

Leipzig: Flugzeug neben Sprengstoff-Drohne war mit Munition beladen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 06.08.2026 • 12:04 Uhr

Der Flughafen Leipzig/Halle entging womöglich nur knapp einer Katastrophe: Nach Informationen von WDR, NDR und SZ war eine ukrainische Frachtmaschine, neben der eine Sprengstoff-Drohne entdeckt wurde, mit Munition beladen.

Von Jörg Diehl, NDR/WDR, Florian Flade und Roman Lehberger, WDR

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von einer „neuen Gefahrenqualität“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne gefunden, an der ein Sprengsatz befestigt war. Untersuchungen der Kriminaltechnik ergaben, dass es sich offenbar um hochexplosiven Sprengstoff handelte, wie ihn das Militär verwendet.

Wer für den mutmaßlichen Anschlagsversuch verantwortlich ist, ist noch unklar. Die Drohne befand sich in der Nähe von Frachtmaschinen einer ukrainischen Fluggesellschaft. Über den Leipziger Flughafen werden zudem militärische Transporte für die NATO abgewickelt.

WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) liegen neue Details zu dem Vorfall vor: Demnach war eines der Antonov-Frachtflugzeuge, neben der die Sprengstoff-Drohne gefunden wurde, mit militärischer Munition beladen, die offenbar kurz zuvor aus Frankreich nach Leipzig transportiert wurde und wohl für den Weitertransport vorgesehen war. Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Polizei hervor.

„Kontakt zwischen Drohne und Mitarbeiter“

Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden sollen Mitarbeiter des Flughafens am vergangenen Dienstagabend gegen 23:42 Uhr eine Drohne bemerkt haben, als sie „schwebend“ zwischen zwei Antonov-Frachtflugzeugen der staatlichen ukrainischen Fluggesellschaft „Antonov Airlines“ über dem Boden flog.

Daraufhin, so heißt es in dem Behördenbericht, sei es zu „einem Kontakt zwischen der Drohne und einem Mitarbeiter“ gekommen. Die Drohne habe anschließend auf dem Boden gelegen. Eine Sensorik zur Drohnenabwehr, die offenbar am Flughafen Leipzig/Halle existiert, habe das Flugobjekt zuvor nicht erkannt. Bundesinnenminister Dobrindt hatte am Mittwochabend erklärt, die Drohne sei von den Tätern vermutlich so modifiziert gewesen, dass Abwehrsysteme gezielt umgangen werden konnten.

Aufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet

Die Ermittler konnten nach Informationen von WDR, NDR und SZ inzwischen auch Aufnahmen von Überwachungskameras am Flughafen auswerten. Die Sichtung von Kameras des Sicherheitsleitstandes, der zentralen Überwachungs- und Koordinierungszentrale des Flughafens, soll ergeben haben, dass die Drohne offenbar bereits um 19:28 Uhr aus dem südlichen Bereich in den Flughafen eingeflogen und anschließend auf dem Vorfeld gelandet war.

Auf den Videoaufnahmen soll kein erneuter Aufstieg der Drohne zu sehen sein. Offenbar aber schwebte die Drohne einige Stunden später in geringer Höhe zwischen den geparkten ukrainischen Frachtflugzeugen, als der Flughafenmitarbeiter sie bemerkte.

Nach Erkenntnissen des Verteidigungsministeriums soll es zum besagten Zeitpunkt keine militärischen Transporte der Bundeswehr am Flughafen gegeben haben. Grundsätzlich gilt der Flughafen Leipzig/Halle als wichtiges Drehkreuz und Logistikpunkt für das Militär. Auch die Ukraine nutzt den Flughafen laut Behördenberichten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 als Ausweichstelle für den Transport von militärischen Gütern.

Flugzeug kollidierte mit Gegenstand

Nach dem Fund der verdächtigen Drohne wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt. Dies hatte zur Folge, dass ein aus Marseille kommendes DHL-Frachtflugzeug, das gerade landen wollte, wieder durchstarten musste. Dabei soll die Maschine, so heißt es in internen Behördenberichten, bei einer Geschwindigkeit von rund 500 km/h auf der Höhe des Flughafenzauns mit einem Gegenstand kollidiert sein.

Dabei könnte es sich um eine weitere Drohne gehandelt haben. Das DHL-Flugzeug, das nach Erkenntnissen der Ermittler gefährliche Güter geladen haben soll, konnte seinen Flug fortsetzen und wurde zum Flughafen Hannover-Langenhagen umgeleitet.

Experten stellten eine Beschädigung der Maschine im Frontbereich fest. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ wurde ein „biologischer Abstrich“ vorgenommen, der negativ ausfiel, weshalb ein Vogelschlag als unwahrscheinlich gilt. Bei der Kollision soll ein Leitwerk des Flugzeugs beschädigt worden sein.

Flugschreiber soll ausgewertet werden

Die Besatzungsmitglieder wurden mittlerweile vom Landeskriminalamt Sachsen befragt, das Flugzeug soll weiter kriminaltechnisch untersucht werden. Unter anderem soll der Flugschreiber ausgewertet werden.

Im Fokus der Ermittlungen steht jedoch weiterhin vor allem die mit Sprengstoff präparierte Drohne. Den Entschärfern des LKA Sachsen war es gelungen, den Zünder zu entfernen, um weitere Untersuchungen an der Drohne vornehmen zu können. Ein etwa faustgroßes Paket Sprengstoff soll demnach an dem Fluggerät befestigt gewesen sein. Mehrfache Tests der Masse ergaben, dass es sich wahrscheinlich um Semtex handelt – ein Sprengstoff, der sowohl beim Militär als auch in der Industrie verwendet wird.

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