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Lipowitz kann’s nicht fassen: Tadej Pogacars sensationeller Antritt erschüttert die Tour-Rivalen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Lipowitz kann’s nicht fassen

Tadej Pogacars sensationeller Antritt erschüttert die Tour-Rivalen

15.07.2026 | 06:48 Uhr

Ein unglaublicher Antritt im Zentralmassiv – und schon ist die Konkurrenz geschlagen. Tadej Pogacar dominiert die Tour de France. Deutschlands Hoffnungsträger Florian Lipowitz fährt abermals stark, aber offenbar (noch) nicht auf eigene Rechnung.

Konnte sich Richard Carapaz wirklich berechtigte Hoffnungen auf den Tagessieg machen? 15,5 Kilometer vor dem Ziel lag der Kapitän von EF Education – EasyPost in Führung. Er kämpfte sich den Col de Pertus, einen Berg der ersten Kategorie, hoch. 45 Sekunden Vorsprung hatte sich der Kletterexperte auf seine Verfolger herausgefahren. Einer von ihnen: Tadej Pogacar. Der Slowene ist ein fahrende Drohung. Das wusste auch Carapaz. Er musste damit rechnen, dass der Superstar attackieren wird. Und das tat er. 15,5 Kilometer vor dem Ziel eben.

Carapaz hatte noch guten einen Kilometer bis zur Bergwertung. 750 Meter davon blieb er Solist, dann donnerte Pogacar an ihm vorbei. Was für ein Antritt. 45 Sekunden waren blitz-verputzt worden. Als hätte Pogacar es nötig, der Welt zu beweisen, wer der beste Rennfahrer ist, zeigte er keine Gnade. Er hat kein Interesse daran, eine kleine Schicksalsgemeinschaft bis zum Ziel zu bilden. Pogacar wollte gewinnen. Zum dritten Mal bei dieser Tour und das tat er auch. Hinter ihm rackerten und ackerten die anderen Favoriten wie blöde, aber sie kamen nicht mehr heran. Remco Evenepoel, der im Anstieg schwächelte, kämpfte sich als Zweiter ins Ziel. Jonas Vingegaard, der große Mann im Schatten von Pogacar verlor noch mehr Zeit. Die Tour scheint vor den Alpen entschieden.

Pogacar war im Zentralmassiv auch auf einem „Rache“-Feldzug unterwegs gewesen. Vor zwei Jahren war er vom Dänen böse überraschend worden. Da hatte der Ausnahmekönner eine der wenigen Niederlagen kassiert. Doch dieses Mal zeigte der Slowene keine Schwächen. „Vor zwei Jahren hat mich Jonas geschlagen, da war ich leer im Sprint. Das habe ich mir gemerkt“, berichtete Pogacar. Der Unersättliche jagt Sieg um Sieg, den nächsten Rekord hat er im Blick: Der Etappensieg nun war bereits der 24. seiner Karriere. Damit rückt er in der Rekordliste nah an den viertplatzierten André Leducq (Frankreich/25) heran. Die meisten Tour-Etappen hat Ex-Weltmeister Mark Cavendish (Großbritannien/35) gewonnen. Dass er diese Marke knacken kann, niemand zweifelt das an.

Lipowitz verzwergt seine Ambitionen (noch)

Woran auch kein Zweifel besteht: Dass es bei der Tour de France hinter Pogacar nur noch um Rang zwei geht. „Wenn er losfährt, haben wir nicht die Beine, um zu folgen. Pogacar war einfach zu stark“, sagte etwa der wieder starke Florian Lipowitz in der ARD. Er ist ein Mann, der für den „Silber“-Rang in Frage kommt. Weil Vingegaard zu schwächeln scheint und weil er im internen Red-Bull-Duell mit Superstar Remco Evenepol in den Bergen deutlich stärker wirkt.

Lipowitz erreichte nach 166,6 Kilometern von Aurillac nach Le Lioran 34 Sekunden hinter Pogacar das Ziel. In 1240 Metern Höhe rollte er in der ersten Verfolgergruppe als Vierter über die Linie und verbesserte sich nun auf den sechsten Platz der Gesamtwertung. Die eigenen Ambitionen stellt er dennoch erstmal hinten an. „Ich habe gehört, dass Remco eine Lücke aufgehen lassen hat“, sagte der Vorjahresdritte nach der zehnten Etappe in der ARD: „Dann blieb für mich nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen, dass Remco wieder zurückkommt.“

Das schaffte sein belgischer Teamkollege, nachdem er am letzten Anstieg vor Le Lioran schon aus der Gruppe der Klassementfahrer herausgefallen war. Auf den Anstiegen hinterließ aber Lipowitz erneut den besseren Eindruck. „Die Beine und die Form passen“, sagte der Mann vom deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe. Aber hätte er nicht auf eigene Faust fahren können? Zumal Jonas Vingegaard angreifbar wirkt? Für Lipowitz zählt an erster Stelle der Teamgedanke. „Mit Remco und mir Richtung Podium schaut es gut aus“, sagte der Deutsche.

Vingegaard spielt Formschwäche runter

Vergessen scheint der Zwist mit Co-Kapitän Evenepoel, der sich auf der Tourmalet-Etappe über mangelnde Unterstützung beschwert hatte. Dieses Mal konnte sich Evenepoel sogar bei Lipowitz bedanken, dass er auf den letzten Kilometern ein wenig das Tempo drosselte, als der Doppel-Olympiasieger kurz abgehängt wurde. So konnte der Belgier aufgrund seiner Spurtkraft sogar noch Tageszweiter vor dem Franzosen Paul Seixas werden. 

Fragen wirft dagegen die Form von Vingegaard auf, auch wenn der Däne eiligst bemüht war, die Dinge aus seiner Sicht richtig zuordnen. „Ich finde, es ist ein ganz passabler Tag für uns. Es könnte viel schlimmer sein.“ Kurze Anstiege würden ihm nicht liegen. Dass er den Rückstand aus seiner Sicht so gering habe halten können, damit könne er zufrieden sein. „Heute Nacht gehe ich schlafen, und morgen ist wieder ein neuer Tag“, sagte Vingegaard.

Pogacar wollte sich nicht zu der Situation seiner Rivalen äußern. „Zur Form der Konkurrenten kann ich nichts sagen. Ich kann nur sagen, dass meine Form wirklich gut ist, und ich finde, dass die Tour bisher wirklich gut auf die Fähigkeiten unseres Teams zugeschnitten war“, meinte der Slowene.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno

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