Bei einem Polizeieinsatz im italienischen Bologna drücken zwei Beamte einen Mann minutenlang zu Boden, bis er stirbt. Der Tod des Mannes ruft Proteste hervor. Nun versprechen die Behörden Transparenz.
Nach dem Tod eines Mannes bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz im italienischen Bologna haben die Behörden Aufklärung versprochen. Am Sonntag war ein 43 Jahre alte Mann aus Marokko von zwei Polizeibeamten mit Handschellen gefesselt worden und minutenlang zu Boden gedrückt worden. Obwohl der Mann mehrfach um Hilfe rief, ließen die Beamten nicht von ihm ab – bis er starb.
Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, wurde die Polizei am Sonntag über den Notruf 112 in den Stadtteil Pilastro gerufen, weil ein Mann dort randaliere. Beim Eintreffen der Beamten soll der Marokkaner, der nach Auskunft seiner Anwältin alle regulären Papiere besaß, gegen den Streifenwagen geschlagen haben.
Daraufhin hätten die beiden Polizisten Pfefferspray eingesetzt, ihn auf den Boden gedrückt und ihm Handschellen angelegt, berichten mehrere Augenzeugen.
Video zeigt Polizeieinsatz
In einem Video, das ein Nachbar von einem Fenster aus aufgenommen hatte, ist zu hören, wie der Mann am Boden ruft: „Aiuto. Basta, basta!“ („Hilfe! Genug, genug!“) Trotzdem lassen die Polizisten in Uniform nicht von ihm ab.
Ein dritter Mann, der Zivil trägt, hält ihn an den Knöcheln fest. Zu sehen sind auch zwei Rettungssanitäter, die jedoch nicht eingreifen. Nach mehreren Minuten bewegt sich der Mann nicht mehr.
Der Tod des Mannes, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte und eine kleine Putzfirma betrieb, sorgt im Land für Entsetzen. Mehrere Hundert Menschen kamen am Sonntagabend in Bologna zu Protesten zusammen. Dabei gab es Sprechchöre gegen die Polizei und Rufe nach Gerechtigkeit. Auch von „assassinio di stato“ („staatlichem Mord“) war die Rede.
Lega verteidigt Vorgehen der Polizisten
Vielfach gibt es Kritik am Vorgehen der Polizei, auch aus der linken Opposition. Aus dem Lager der Rechtsregierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wurden die Beamten verteidigt. Die Regierungspartei Lega erklärte, der Tod des Mannes sei „tragisch“, dennoch müsse man das Handeln der Polizei respektieren. Die Beamten hätten ihre „Dienstpflicht“ getan.
Aus dem Innenministerium in Rom hieß es, man werde den Fall aufklären und dabei völlige Transparenz walten lassen. Die Leiche des Mannes soll nun obduziert werden. Davon erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über die Todesursache. Dabei geht es auch darum, ob der Mann möglicherweise Vorerkrankungen hatte.
Zudem sei die Körper-Kamera (Bodycam) eines der beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben worden, hieß es. Über disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen die Polizisten ist bisher nichts bekannt.
