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Startseite»Politik»Manöver „Pitch Black“: Sich besser kennenlernen – für einen Ernstfall?
Politik

Manöver „Pitch Black“: Sich besser kennenlernen – für einen Ernstfall?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.07.2026 • 14:53 Uhr

Soldaten aus 21 Nationen beteiligen sich derzeit an der Luftwaffenübung „Pitch Black“ über dem Norden Australiens, darunter auch die Luftwaffe. Die Region gehört zwar nicht zur NATO, wird aber strategisch immer wichtiger.

Von Marcel Müller und Julia Kurrat, ARD Singapur, zurzeit Darwin

Ein Kampfjet fliegt bei Sonnenuntergang über den Strand von Darwin und zieht steil nach oben. Tausende Menschen verfolgen die Flugschau an der Küste Nordaustraliens und jubeln. Die Veranstaltung gilt als Dankeschön an die Einwohner der Stadt, die während des mehrwöchigen Großmanövers „Pitch Black“ den Lärm der Flugzeuge ertragen müssen. Auch die deutsche Luftwaffe nimmt an der Übung in Nordaustralien teil und stellt nach den Gastgebern das zweitgrößte Kontingent.

Deutschland beteiligt sich mit sechs Eurofightern, zwei Tankflugzeugen und etwa 200 Soldatinnen und Soldaten an dem Großmanöver. Insgesamt nehmen 21 Nationen teil. Neben NATO-Staaten sind auch zahlreiche asiatische Partnerländer vertreten.

Über den Strand von Darwin rasen die Kampfjets hinweg. Etwa 200 Bundeswehrsoldaten nehmen an der internationalen Übung teil.

Erfahrung mit Flugzeugen aus aller Welt

Ein deutscher Luftbetankungs-Airbus ist täglich im Einsatz. Er versorgt Kampfjets verschiedener Nationen in der Luft mit Treibstoff. Nicht jeder Pilot schafft den Anflug auf den Tankstutzen auf Anhieb. Je nach Flugzeugtyp und Erfahrung der Piloten verläuft die Betankung unterschiedlich gut.

„Jeder Pilot ist anders“, sagt Luftbetankungsfeldwebel Kai. Manche hätten viel Übungen, manche gar keine. Für ihn und die Besatzung des Tankflugzeugs ist das zugleich eine seltene Gelegenheit, neue Verfahren und Flugzeuge kennenzulernen: „Ich sehe hier Flugzeuge, die ich zu Hause nicht sehe. Das ist für mich ein Gewinn an Erfahrung.“

Die deutschen Kampfpiloten trainieren bei „Pitch Black“ unter anderem Eins-gegen-Eins-Situationen, die Abwehr größerer Angriffe sowie Nachtflüge über dem australischen Outback. Der fast menschenleere Übungsraum über Nordaustralien ist halb so groß wie Deutschland.

Viele Szenarien ließen sich deshalb unter realistischeren Bedingungen trainieren als in den vergleichsweise kleinen Übungsgebieten in Deutschland, wo man Taktiken für die Luftverteidigung nur anreißen könne, so der Chef des deutschen Kontingents, Jürgen Schönhöfer: „Hier können wir die riesige Fläche komplett nutzen und mit unseren Partnern teilweise Operationen mit über 50 Flugzeugen gleichzeitig durchführen.“

Gemeinsam mit 20 Partnerstaaten

Die Übung dient nicht nur dem Training einzelner Fähigkeiten. Die Luftwaffen der teilnehmenden Staaten sollen auch lernen, in komplexen Einsätzen zusammenzuarbeiten. Dabei geht es um gemeinsame Verfahren, Kommunikation und das Verständnis für unterschiedliche militärische Kulturen.

Bei seinem Besuch in Australien betonte der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann, die Bedeutung dieser internationalen Zusammenarbeit. Die Übung sei nicht gegen einen bestimmten Staat gerichtet. Man fliege vielmehr füreinander mit anderen Partnern zusammen. „Wir sind zwar getrennt durch Geografie, aber wir sind sehr stark verbunden durch gemeinsame Werte und durch unseren Glauben an die freie und regelbasierte Weltordnung“, so Luftwaffenchef Neumann.

Mehr als nur eine Militärübung

Für Deutschland ist der Indopazifik nicht nur aus sicherheitspolitischer Sicht wichtig. Durch die Region verlaufen bedeutende Handelsrouten. Ein Großteil des Warenverkehrs zwischen Europa und Asien passiert Seewege im Indischen Ozean oder verläuft durch die Straße von Malakka.

Die Region gilt zugleich als einer der zentralen Brennpunkte der Weltpolitik. China baut seine militärischen Fähigkeiten seit Jahren massiv aus, tritt im Südchinesischen Meer sowie rund um Taiwan zunehmend aggressiv auf. Immer wieder kommt es zu Spannungen mit Nachbarstaaten und den USA.

Zugleich wächst in vielen westlichen Staaten die Sorge, dass Konflikte in der Region direkte Auswirkungen auf Europa haben könnten. Viele Produkte des täglichen Lebens – von Elektronik über Maschinenbauteile bis hin zu Kleidung – werden über Handelsrouten im Indopazifik transportiert. Sollte es dort zu einer größeren Krise oder einer Blockade wichtiger Seewege kommen, könnten Lieferketten unterbrochen werden. Die Folgen wären auch in Deutschland spürbar: längere Lieferzeiten, geringere Verfügbarkeit von Waren und steigende Preise.

Beobachter sehen darin einen Grund, warum Länder wie Deutschland ihre sicherheitspolitischen Beziehungen im Indopazifik ausbauen. „Das Signal, das von Übungen wie ‚Pitch Black‘ ausgehen soll, ist, dass der Euro-Atlantik und der Indopazifik immer stärker miteinander verwoben sind“, sagt Aylin Matlé von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Es gebe gemeinsame Sicherheitsherausforderungen und zum Teil auch gemeinsame Antworten auf diese Herausforderungen.

Anfang August endet die Übung und die deutschen Soldatinnen und Soldaten kehren dann nach Deutschland zurück. Die Bedeutung des Indopazifiks für Deutschlands Sicherheit und Wohlstand dürfte jedoch weit über das Manöver in Australien hinausreichen.

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