Mit Trump, Putin und SelenskyjCIA-Chef wollte in Moskau wohl Präsidenten-Gipfel vorschlagen
Nach wie vor wird gerätselt, was CIA-Chef Ratcliffe vergangene Woche in Moskau wollte. Nur Bruchstücke über seine Gespräche gibt es bisher. Das US-Portal Axios berichtet nun, es sei um einen hochrangigen Friedensgipfel gegangen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden.
Viel wurde spekuliert über die geheime Reise von John Ratcliffe vergangene Woche nach Moskau. Was wollte der Chef des US-Geheimdienstes CIA in Russland, worüber hat er gesprochen – und mit wem? Etwas Licht ins Dunkel bringt ein Bericht des US-Nachrichtenportals Axios. Demnach schlug der oberste Geheimdienstler ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, um den Krieg zu beenden. Das sagten laut Axios „zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen“. Die CIA lehnte demnach eine Stellungnahme ab.
Laut dem Bericht hat sich Ratcliffe damit erstmals selbst in die diplomatischen Friedensbemühungen eingeschaltet. Er traf sich demnach sowohl mit dem Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergei Naryschkin, als auch mit dem Direktor des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow. Laut den Axios-Quellen kam Ratcliffe zu dem Schluss, Bortnikow sei ein konstruktiver Akteur und er könne dazu beitragen, die diplomatischen Bemühungen wieder in Gang zu bringen.
Unter Berufung auf die beiden Quellen schreibt Axios weiter, mit der Reise habe der CIA-Chefs herausfinden wollen, ob die Leiter der russischen Geheimdienste dazu beitragen könnten, Putin davon zu überzeugen, die von den USA vermittelten Verhandlungen mit der Ukraine wieder aufzunehmen.
Zunächst hatte es Spekulationen gegeben, Ratcliffe wolle bei seinem Besuch Russland vor Angriffen auf Nato-Territorium warnen. Trump dementierte dies. Der US-Präsident sagte Axios, Ratcliffe sei nicht mit einer bestimmten Botschaft nach Moskau gereist. Der CIA-Chef treffe regelmäßig seinen russischen Amtskollegen. Weiter sagte Trump, er rechne nicht mit einem russischen Angriff auf ein Nato-Mitgliedsland.
Reise laut Reisner „absolut bedeutungsvoll“
„Wir haben unterschiedliche Rückmeldungen bezüglich des Besuches des CIA-Direktors in Moskau“, sagt der österreichische Oberst Markus Reisner ntv.de. Der Ukraine-Experte widerspricht dabei der US-Darstellung, dass es sich um eine Routine-Reise gehandelt habe. „Das stimmt so nicht. Wenn Sie sich erinnern: Die letzte Reise des CIA-Chefs nach Moskau fand vor dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine statt.“ Laut Reisner war diese Reise deshalb „absolut bedeutungsvoll“. Er sieht vor allem einen Zusammenhang mit dem Anstieg der hybriden Angriffe Russlands auf Europa – die USA wollten eine rote Linie gegenüber den Russen ziehen.
Am vergangenen Freitag hätten US-Beamte auch Selenskyj über die Gespräche und den Vorschlag eines trilateralen Gipfeltreffens informiert, heißt es bei Axios weiter. Die Idee eines solchen Gipfels gab es bereits in der Vergangenheit. Während der ukrainische Präsident dem offen gegenüberstand, lehnte der russische Machthaber Putin ein solches Format ab. Im August 2025 hatte sich Putin in Alaska lediglich mit Trump getroffen, der Gipfel blieb jedoch ergebnislos.
Die Chance auf ein solches Dreiertreffen hängt laut Oberst Reisner von den Signalen vor allem auf der Seite Russlands ab. „Im Moment sind diese Signale aus meiner Sicht auf Eskalation gebürstet“, sagt der Offizier. „Wir sehen das einerseits an der Front und auch, was die strategische Luftkriegsführung betrifft.“ Zudem gebe es Informationen, dass Russland unter Umständen einen weiteren Vorstoß aus dem Norden in die Ukraine plant. „Das alles zeigt aus meiner Sicht nicht, dass aufseiten Russlands Kompromissbereitschaft vorhanden ist“, so Reisner.
Die „New York Times“ hatte zuvor unter Berufung auf Beamte berichtet, Ratcliffe habe in Moskau seine düstere Einschätzung der Lage des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine dargelegt. Er drängte die Russen demnach, eine Einigung zu erzielen, bevor sich ihre militärische und wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert. Dahinter steckt die Vermutung, Putin werde von seinem Umfeld nicht über die tatsächliche Lage im Kriegsgebiet informiert.
Kiew erwartet russische Eskalation
Axios berichtet weiter, dass ukrainische Regierungsvertreter Putins Absichten äußerst skeptisch gegenüberstünden. Demnach verfügen sie über Geheimdienstinformationen, die darauf hindeuten, dass Putin eine erhebliche Eskalation des Krieges plane. Selenskyjs stellvertretender Stabschef Pavlo Palisa hatte am Freitag gesagt, Putin habe seinem Militär befohlen, mehrere Einsatzszenarien für eine Offensive in der Nordukraine vorzubereiten, wobei Kiew und Tschernihiw als Schlüsselgebiete identifiziert worden seien.
Die diplomatischen Bemühungen der USA um ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind bisher ergebnislos geblieben. Zuletzt gab es lediglich getrennte Gespräche der amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner. Am vergangenen Freitag bestätigte der Kreml, dass es derzeit keine Friedensgespräche zwischen beiden Staaten gebe. „Dieses Thema befindet sich gerade in einer tiefen Pause“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Es gebe keine neuen Ideen. Moskau reagierte damit auf Aussagen von Selenskyjs Stabschef Kyrylo Budanow, der am Donnerstag eine Wiederaufnahme von Gesprächen mit Russland im September nicht ausgeschlossen hatte.
